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Digitalisierung, Mumie und Diebesgut: Stiftung Friedenstein

23.02.2021 - Das Corona-Jahr kostete Schloss Friedenstein viele Besucher. 2020 gab es aber auch eine Sensation, die die Stiftung dieses Jahr weiterhin beschäftigt. Zudem durchforstet sie weiter unbekanntere Stellen der Sammlungen und stellt sich auch auf heikle Diskussionen ein.

  • Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha hat erste Erkenntnisse aus einem noch jungen Pilotprojekt für Sammlungsobjekte mit ausländischem Ursprung vorgestellt. Seit fünf Monaten sei die Berliner Ethnologin Kerstin Volker-Saad mit der Erschließung der sogenannten Ethnografica beschäftigt, sagte Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer-Helke am Dienstag. Zu Ethnografica zählen etwa Kunst- und Kulturobjekte von Kulturen aus weit entfernten Ländern, etwa in Afrika und Asien, die beispielsweise während der Kolonialzeit ihren Weg in die Sammlungen deutscher Fürstenhäuser fanden.

Ob Waffen oder Kunst- und Ritualgegenstände aus aller Welt: Dieser bislang wenig beachtete Bestand im Schloss Friedenstein umfasse bisherigen Erkenntnissen nach gut 3000 Objekte. Da die über Jahrhunderte gewachsene Sammlung aber zerschlagen worden sei, sei es nun auch die Aufgabe, Zusammenhänge zwischen einzelnen Gegenständen wieder herzustellen, so Volker-Saad. So habe sie etwa Reit-Gegenstände und Gemälde des javanischen Malers Raden Saleh (1811-1880) wieder zusammenführen können.

«Die Ethnologie ist aktuell ein großes Thema, wir haben noch keine Strategie für den Umgang entwickeln können», räumte Direktor Pfeifer-Helke ein. Auch mit Blick auf die Provenienzforschung ergäben sich wichtige Fragen: «Soll Kontakt mit den Herkunftsländern aufgenommen werden, was sind heiße Eisen?», so Pfeifer-Helke.

Einem «heißen Eisen» hat sich die Stiftung schon angenommen: So soll ein bereits laufendes Forschungsprojekt die Hintergründe zu aus Indonesien stammenden menschlichen Schädeln klären, die zwischen 1864 und 1880 nach Gotha gekommen seien und heute zur naturwissenschaftlichen Sammlung gehören.

Bei der Provenienzforschung geht es um die Herkunft von Sammlungsobjekten. Dabei spielen auch Fragen des Rechts und der Moral eine große Rolle. Gerade wenn Sammlungen über menschliche Überreste verfügen, stellt sich die Frage des Umgangs damit, so Pfeifer-Helke.

Passend dazu stellte der Direktor Wissenschaft und Sammlung der Stiftung, Timo Trümper, besondere Restaurierungspläne vor: Eine Mumie eines alten ägyptischen Beamten soll ab Sommer restauriert werden - für eine im Jahr 2023 geplante Ausstellung über den Freimaurer-Bund.

Zu den Höhepunkten der Stiftung in diesem Jahr zählt die ab Oktober geplante Sonderausstellung mit fünf historischen Gemälden. Die Bilder galten nach einem der größten Kunstdiebstähle in der DDR jahrelang als verschollen. Vergangenes Jahr kamen sie wieder nach Gotha zurück. Aktuell werden die Gemälde restauriert.

Die Pandemie und die damit verbundenen Schließungen haben sich derweil auch enorm in den Besucherzahlen in Gotha niedergeschlagen. Rund 69 200 Menschen zählte die Stiftung im vergangenen Jahr insgesamt - 2019 waren es 141 600. «Wir mussten in Kurzarbeit gehen, Veranstaltungen verschieben, Ausstellungen konnten wir gar nicht erst eröffnen», zählte Pfeifer-Helke am Dienstag auf.

Dank unter anderem eines großen Digitalisierungsprojekts sei die Stiftung aber einigermaßen gut durch das Jahr gekommen. Dennoch hofft Pfeifer-Helke auf ein baldiges Öffnungskonzept für Museen. Seiner Ansicht nach habe sich gezeigt, dass Museen in Deutschland zu den sichersten Orten in der Pandemie zählten - es gebe ausgefeilte Klimasysteme, Abstands- und Hygienekonzepte.

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