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Ein Jahr nach Schulbusunglück: Trauer bleibt

21.01.2021 - Der Unfall hat bundesweit erschüttert. Auf dem Weg zur Grundschule verunglückt ein Bus im Wartburgkreis, zwei Kinder sterben. Ein Jahr später ist der Schmerz noch groß, aber es wird auch Normalität gewünscht.

  • Helmut Holter (Linke), Bildungsminister in Thüringen, spricht. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Helmut Holter (Linke), Bildungsminister in Thüringen, spricht. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wenn sich der Tag nähert, ist das schon ein mulmiges Gefühl», sagt Karola Hunstock mit Blick auf den bevorstehenden Samstag. Am 23. Januar vor einem Jahr hat sich in einem Ort in der Verwaltungsgemeinschaft, der Hunstock vorsitzt, ein tragischer Unglück ereignet.

Ein Bus auf dem Weg zur Grundschule in Berka vor dem Hainich (Wartburgkreis) war auf glattem Untergrund weggerutscht, hatte sich mehrfach überschlagen und war in einem Graben gestürzt. Zwei Kinder starben, viele wurden verletzt. Der Busfahrer erlitt einen Schock. Der Unfall bewegte die Menschen bundesweit.

«Es ist noch immer eine besondere Situation für die Kinder, Eltern und Lehrer», berichtet Hunstock. «Es gibt heute noch Kinder, die Angst haben, in den Bus zu steigen.» Einige Kinder würden weiterhin psychologisch betreut. Dennoch müsse es auch für die Schule Normalität geben. Auch aus dem Landratsamt des Wartburgkreises ist zu hören, dass in der Schule in den zurückliegenden Monaten soweit wie möglich wieder Normalität eingekehrt sei. «Die Pädagogen und Erzieher leisten hier eine vorbildliche Arbeit», heißt es.

«Wenn Kinder auf solch tragische Weise zu Tode kommen, ist das eine Nachricht, die man nicht wieder vergisst», sagt Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Das Geschehen sei nach einem Jahr seelisch noch nicht verarbeitet, die Trauer halte an. «Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen und allen weiteren Betroffenen.»

Das Unglück habe sowohl die Schulgemeinschaft als auch die Gemeinde menschlich hart getroffen und halle immer noch nach, heißt es weiter aus seinem Ministerium. «Auch daher verstehen und respektieren wir den Wunsch der Menschen vor Ort danach, bei der Trauerbewältigung keiner großen öffentlichen Aufmerksamkeit ausgesetzt zu sein.»

«Es war eine furchtbare, tragische Verkettung von Umständen», sagt Hunstock. Zu dem Ergebnis, wenn auch mit weniger emotionalen Worten, kam auch die Staatsanwaltschaft etwa ein halbes Jahr nach dem Unfall: Kein strafrechtliches Verschulden war feststellbar.

«Die Fahrbahnoberfläche an der Unfallstelle war zum Unfallzeitpunkt mit einer Eisschicht von mehreren Millimetern überzogen. Aufgrund der Glätte war die Steigung durch den Bus nicht zu überwinden. Das Fahrzeug war letztlich nicht mehr brems- oder lenkbar», hatte die Staatsanwaltschaft damals mitgeteilt. Den Busfahrer treffe keine Schuld. Wie es dem Mann heute gehe, könne sie nicht sagen, sagt Hunstock. Er habe sich abgeschirmt.

Wovon Hunstock berichten kann, ist die große Anteilnahme, die es in der Region gegeben habe. Über ein vom Landratsamt eingerichtetes Spendenkonto konnten die Eltern der gestorbenen Kinder finanziell entlastet werden. «Die Kirchgemeinde, die Vereine und viele andere haben die Eltern aber auch seelisch und moralisch unterstützt.» Die Familien lebten noch immer in der Gemeinde, so Hunstock.

Für die zwei gestorbenen Achtjährigen - ein Mädchen und ein Junge - seien Sondergrabstellen auf dem Friedhof eingerichtet worden. Die Gräber liegen direkt nebeneinander, sagt Hunstock.

Eine Konsequenz aus dem Unfall, die gezogen wurde, sei die Verlegung der Schulbushaltestelle gewesen. «Der Bus hält nun an einer ganz anderen Stelle, etwa 30 Meter vor der Schule», so Hunstock. Ein besonders bitterer Aspekt des Unglücks war gewesen, dass die Route, die damals regelmäßig gefahren wurde, gewählt worden war, um mehr Sicherheit zu bieten.

So konnten die Busse nahe der Schule halten, ohne dass die Kinder noch eine Straße überqueren mussten, um ins Gebäude zu kommen. Durch die neue Haltestelle ist das jetzt der Fall, ohne dass die Schulbusse die Unglücksstrecke fahren müssen.

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