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Erfurt: Bewerbung mit jüdischem Erbe um Unesco-Welterbetitel

11.03.2020 - Erfurt will die Spuren seiner jüdischen Bewohner im Mittelalter auf die Welterbe-Liste der Unesco setzen. Nun wird das Vorhaben immer konkreter. Aber manche Fragezeichen bleiben.

  • Die Alte Synagoge. Foto: Britta Pedersen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Alte Synagoge. Foto: Britta Pedersen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Knapp ein Jahr vor dem Einreichungstermin nimmt die Bewerbung Erfurts um einen Unesco-Welterbetitel für das jüdisch-mittelalterliche Erbe der Stadt zunehmend Gestalt an. Die Arbeit am Antragsdossier und am von der Unesco verlangten Managementplan seien aktuell in den Endzügen, sagte der Beigeordnete für Kultur und Stadtentwicklung, Tobias J. Knoblich, am Mittwoch in Erfurt. «Das Antragsdossier muss das Besondere unserer Bewerbung in eine Sprache bringen, die weltweit verstanden wird und die deutlich macht, dass das Jüdische Erbe hier einzigartig ist», so Knoblich über die Herausforderungen der aktuellen Vorbereitungsphase.

Der Zeitplan sieht vor, die Bewerbung am 1. Februar 2021 einzureichen. In der darauffolgenden Prüfungsphase können auch verdeckte Gutachter die Situation vor Ort beurteilen, erklärte die Beauftragte für das Unesco-Welterbe, Maria Stürzebecher. Im Idealfall würde es Erfurt 2022 dann von der aktuellen Tentativliste auf die tatsächliche Welterbe-Liste der Unesco schaffen.

Während des Pogroms 1349 war die damals große jüdische Gemeinde in Erfurt ausgelöscht worden. Mit den noch erhaltenen Zeugnissen seiner jüdisch-mittelalterlichen Geschichte möchte sich die Stadt um den Titel bewerben. Konkret geht es um Gegenstände der jüdischen Gemeinde Erfurts und drei Gebäude im Zentrum der Altstadt. Darunter befindet sich die in den 1990er Jahren wiederentdeckte und besonders gut erhaltene Alte Synagoge, deren älteste Bauspuren sich auf 1094 datieren lassen. Auch ein mittelalterliches Ritualbad, eine sogenannte Mikwe, gehört dazu. Diese Bauten werden bereits museal genutzt.

Offen bleibe jedoch auch noch in der Bewerbung, wie genau mit dem dritten Gebäude umgegangen werden soll. Dabei handelt es sich um das Steinerne Haus, ein Gebäudekomplex, der vermutlich um 1250 errichtet wurde und seit Ende des 13. Jahrhunderts jüdischen Besitzern zugeordnet werden konnte. In einem als einzigartig eingestuften kleinen Raum etwas versteckt im Obergeschoss ist eine Holzbalkendecke mit historischer Bemalung erhalten, die Balken stammen wohl aus den Jahren 1241/42.

«Wir müssen sehen, wie wir den Raum adäquat vermitteln können», sagte Stürzebecher. Sicherlich werde es nicht möglich sein, ihn täglich mehreren hundert Besuchern zugänglich zu machen. Die ungeklärte Nutzungsmöglichkeit sei für die Welterbe-Bewerbung aber kein Nachteil. Denkbar sei etwa, dass der Raum mit virtuellen Methoden erfahrbar werde, so Knoblich.

Eine Zeitlang stand zur Debatte, dass sich Erfurt gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Städten Speyer, Worms und Mainz um den Welterbetitel für ihr jüdisches Erbe bewirbt. Von der Idee ließ man allerdings ab. Für die drei Städte mit ihren erhaltenen Synagogen und Friedhöfen hat Rheinland-Pfalz im Januar selbst einen Antrag bei der Unesco in Paris eingereicht. Konkurrenz sehen Stürzebecher und Knoblich für den Erfurter Antrag darin nicht. Vielmehr ergänzten die Bewerbungen sich und zielten auf andere Schwerpunkte ab.

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