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Erfurter Anti-Terror-Übung kostet Nerven und zeigt Schwächen

15.05.2019 - Die Anti-Terror-Übung am Hauptbahnhof in Erfurt war eine der größten derartigen Übungen in Deutschland in den vergangenen Jahren. Mancher Polizist kam dabei an seine Belastungsgrenze. Nun werden Lehren gezogen.

  • Der Hauptbahnhof von Erfurt. Foto: Martin Schutt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Hauptbahnhof von Erfurt. Foto: Martin Schutt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt (dpa/th) - Minutenlang krachen Schüsse und Explosionen. Dann sind Schreie zu hören. Menschen flehen die Polizisten um Hilfe an, die am frühen Mittwochmorgen mit Maschinenpistolen im Anschlag an einem Seiteneingang des Erfurter Hauptbahnhofs kauern und Deckung suchen. Wenig später werden sie ungeduldig: Die Polizisten sollten doch endlich in den Bahnhof vorrücken, um die Terroristen zu stellen, die sich dort verschanzt haben. Schließlich sagt einer der Beamten entnervt zu ihnen, die Menschen sollten sich von dem Eingang wegbewegen. Dann ruft er: «Helfen Sie sich gegenseitig!»

Tatsächlich vergessen viele der Polizisten schnell, dass sie in diesen Stunden an einer Anti-Terror-Übung teilnehmen - einer der größten, die es in Deutschland in den vergangenen Jahren gegeben hat. Nicht nur die Geräusche der Schüsse und Explosionen, sondern auch die Verletzungen, die den Statisten des Trainings vor Beginn der Übung geschminkt worden sind, wirken so furchteinflößend, dass für viele der Übenden die Grenzen zwischen Rollenspiel und Realität verwischen.

Insgesamt sind an dieser Übung nach Polizeiangaben mehr als 1000 Beamte der Bundes- und der Landespolizei, dazu noch Feuerwehrleute, Notärzte und andere medizinische Retter beteiligt. Für die Übung wurde der Hauptbahnhof mehrere Stunden lang ebenso gesperrt wie weite Teile des Bahnhofsumfelds. Für die Bundespolizei ist es nach eigenen Angaben die neunte derartige Übung bundesweit in den vergangenen Jahren, für die Thüringer Polizei ist es die erste überhaupt.

Die Leiter der federführenden Dienststellen äußern sich noch in der Nacht und auch nach Ende der Übung überwiegend positiv darüber, wie die trainierenden Beamten die ihnen gestellten Szenarien bewältigt haben. «Ich bin zufrieden mit der Leistung der Einsatzkräfte», sagte zum Beispiel der Präsident der für Erfurt zuständigen Bundespolizeidirektion Pirna, Jörg Baumbach.

Trotzdem zeigten sich bei solchen Gelegenheiten immer wieder Details, die noch verbessert werden könnten - etwa in der Kommunikation zwischen Bundes- und Landespolizei, aber auch zwischen der Polizei und Feuerwehr und anderen Rettern. Ähnlich äußerte sich auch der Präsident der Landespolizeidirektion Thüringen, Frank-Michael Schwarz. «Alles was wir geübt haben, können wir im Ernstfall besser machen», sagte er.

Die Szenarien, vor die Polizisten und Rettungskräfte bei dieser Übung gestellt werden, gehen davon aus, dass Terroristen mit Sprengstoff und Schusswaffen einen Anschlag auf den Bahnhof verüben und es dabei zahlreiche Tote und Verletzte gibt. Geprägt worden, heißt es von der Polizei, seien die Übungen von realen Terroranschlägen aus der Vergangenheit wie etwa in Paris im November 2015. Damals waren mehr als 100 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt worden, als islamistische Terroristen an mehreren Punkten angriffen.

Zahlreiche Polizisten gehen in dieser Nacht an ihre Belastungsgrenzen. Als Beamte die Statisten mit ihren Verletzungen zum medizinischen Sammelpunkt ziehen, sind nicht wenige von ihnen nass vom Schweiß, Schrecken im Gesicht. Für diejenigen, die mit dieser Belastung alleine nicht fertig werden, hat die Polizeiführung Psychologen mitgebracht. Sie üben in dieser Nacht nicht. Für sie ist die Betreuung der übenden Polizisten eine ganz reale Aufgabe.

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