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Ex-Ministerpräsident Kemmerich: «Ich erfahre viel Zuspruch»

11.08.2020 - Mit der Wahl Thomas Kemmerichs (FDP) zum Regierungschef stürzte Thüringen im Februar in eine Regierungskrise. Obwohl ihm Parteifreunde raten, sich zurückzuziehen, will der 55-Jährige FDP-Landeschef bleiben und hält sich eine Spitzenkandidatur offen.

  • Thomas Kemmerich, Vorsitzender der FDP-Fraktion in Thüringen. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thomas Kemmerich, Vorsitzender der FDP-Fraktion in Thüringen. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz des politischen Bebens, das seine Wahl zum Ministerpräsidenten von Thüringen ausgelöst hatte, will Thomas Kemmerich weiterhin Chef der Thüringer FDP bleiben. «Ich werde im November für das Amt des Landesvorsitzenden der Freien Demokratien hier in Thüringen kandidieren», sagte Kemmerich am Dienstag im Sommerinterview von MDR Thüringen. Das habe er auch dem Chef der Bundes-FDP, Christian Lindner, gesagt. Offen ließ der 55-Jährige, ob er auch erneut als Spitzenkandidat zur Landtagswahl nächstes Jahr antreten will.

Lindner hatte seinem Thüringer Parteikollegen Ende Juli empfohlen, nicht erneut als Spitzenkandidat anzutreten - auch aus Rücksicht auf seine Familie und «mit Blick auf das Ansehen der FDP insgesamt», wie Lindner Ende Juli im Sommerinterview der ZDF-Sendung «Berlin direkt» sagte. «Es geht ja gar nicht mehr um die Person Kemmerich, sondern er ist zu einem Symbol geworden. Und da macht es Sinn, sich aus dem Spiel zu nehmen», hatte Lindner gesagt.

Kemmerich war am 5. Februar mit Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Er nahm die Wahl an und löste damit eine Welle der Empörung aus. In ganz Deutschland gingen damals Menschen auf die Straße und protestierten gegen den politischen Dammbruch. Bereits nach einem Tag im Amt kündigte er seinen Rücktritt an, der drei Tage nach seiner Wahl vollzogen wurde. Allerdings blieb er noch über Wochen geschäftsführend im Amt bis zur Wahl Bodo Ramelows (Linke) zum Ministerpräsidenten.

Im MDR-Sommerinterview sagte Kemmerich, dass er auch heute noch viel Zuspruch von den Thüringern erfahre. «Durch meine Kandidatur als Landesvorsitzender bin ich bereit und werde Verantwortung für die FDP Thüringen übernehmen», sagte Kemmerich.

Der Liberale versuchte in dem Gespräch auch sein Agieren, das zu einer Regierungskrise in Thüringen führte, zu erklären. Die AfD habe unfair gespielt, sagte Kemmerich. «Sie haben mir eine Banane hingeworfen, ich bin darauf ausgerutscht.»

Die Wahl Kemmerichs zum Regierungschef kam dadurch zustande, dass die AfD-Fraktion im Landtag nicht den eigenen Kandidaten wählte, sondern vermutlich geschlossen für Thomas Kemmerich stimmte. Der FDP-Politiker nahm die Wahl an und versuchte zunächst eine Regierung unter Beteiligung von CDU, SPD und Grünen zu bilden, scheiterte aber umgehend.

Später geriet Kemmerich erneut in die Schlagzeilen, weil er an einer Demonstration gegen Anti-Corona-Maßnahmen teilnahm, bei der sich auch Rechte und Verschwörungstheoretiker beteiligten. Seit längerem steht Kemmerich auch in der eigenen Partei massiv in der Kritik. «Ich habe im Nachhinein den Eindruck, dass ich als der Gefoulte vom Platz gestellt werden soll und nicht der, der Foul gespielt hat», sagte Kemmerich in dem Sommerinterview.

In Umfragen sieht es für die Thüringer FDP in letzter Zeit nicht gut aus. In den jüngsten Erhebungen von Insa und Infratest dimap kam die FDP auf Werte zwischen drei und vier Prozent. Damit würde sie den Einzug in den Landtag nicht schaffen. Bereits zur Landtagswahl im vergangenen Jahr durchlitten die Liberalen eine Zitterpartie - und schafften mit fünf Prozent den Sprung ins Parlament nur ganz knapp.

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