Gewalt in der Fußballszene: Mehrere Fälle bei der Justiz

23.02.2021 Im Jungsturm-Prozess vor dem Landgericht Gera ist ein Ende absehbar. Gewalttaten, die mutmaßlich von Anhängern des FC Rot Weiß Erfurt verübt wurden, beschäftigen die Justiz weiterhin. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Verdächtige. Eine andere Anklage wartet noch, verhandelt zu werden.

Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht auf der Straße. Foto: Carsten Rehder/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neben dem sogenannten «Jungsturm»-Prozess ist die Thüringer Justiz mit mehreren weiteren Gewalttaten in der Fußballszene beschäftigt. So ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt weiterhin in der Frage, wer an einem Überfall auf Fans des FC Carl Zeiss Jena am Bahnhof in Gotha im Jahr 2019 beteiligt war, sagte der Sprecher dieser Anklagebehörde, Hannes Grünseisen, der Deutschen Presse-Agentur. Auch den vier Angeklagten im «Jungsturm»-Prozess wird eine Beteiligung an diesem Übergriff zur Last gelegt.

Die Männer müssen sich derzeit vor dem Landgericht Gera verantworten. Sie sollen nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Gera mit dem «Jungsturm» eine kriminelle Vereinigung gegründet und als deren Mitglieder zahlreiche Straftaten begangenen haben. Der Prozess neigt sich inzwischen dem Ende zu. Die Verteidiger der Männer weisen den Vorwurf auf Bildung einer kriminellen Vereinigung zurück.

Das Verfahren gegen die Männer wird wegen der Schwere dieser Anschuldigung von der Staatsanwaltschaft Gera geführt, die in Thüringen schwerpunktmäßig für organisierte Kriminalität zuständig ist. Der Jungsturm ist eine Fangruppierung aus dem Umfeld des FC Rot Weiß Erfurt.

Einen der Männer, der in Gera auf der Anklagebank sitzt, hat nach Angaben von Grünseisen die Staatsanwaltschaft Erfurt schon im März 2020 in einem weiteren Verfahren angeklagt: Er soll gemeinsam mit fünf anderen Fußballfans im Rahmen eines Regionalligaspiels zwischen Rot Weiß Erfurt und dem VFB Germania Halberstadt im Februar 2019 einen Mann attackiert haben. Das Verfahren ist zum Amtsgericht Erfurt angeklagt.

Ein Sprecher des Amtsgerichtes sagte, zwar sei die Anklage inzwischen zugelassen worden, doch wegen der Corona-Pandemie wurde ein eigentlich für Anfang 2021 geplanter Hauptverhandlungstermin inzwischen wieder aufgehoben. Es sei unter den aktuellen Bedingungen sehr schwierig, Räume zu finden, in denen bei einer solchen Vielzahl von Angeklagten verhandelt werden könne.

Weil jeder Angeklagte einen Verteidiger mitbringt, sind bei derartigen Verhandlungen inklusive Richter, Schöffen und Vertreter der Staatsanwaltschaft schnell fast 20 Menschen in einem Raum - ohne mögliche Zuschauer mitzurechnen.

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