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Häusliche Gewalt: Kampagne soll in Erfurt aufklären

27.10.2020 - Gerade in einer Pandemie-Phase mit besonders vielen Beschränkungen äußern Experten die Furcht, dass es zu mehr häuslicher Gewalt kommen könnte. Doch die Situation ist komplizierter.

  • Ein Banner zur Kampagne «Sprechen Sie darüber!» gegen häusliche Gewalt in Erfurt. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Banner zur Kampagne «Sprechen Sie darüber!» gegen häusliche Gewalt in Erfurt. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Um das Thema häusliche Gewalt aus der Tabuzone zu holen und über Hilfs- und Beratungsangebote zu informieren, hat die Stadt Erfurt eine neue Kampagne ins Leben gerufen. Dafür sollen ab Freitag in der ganzen Stadt Plakate und - etwa in Bars und Restaurants - Karten mit der Aufschrift «Sprechen Sie darüber!» zu sehen sein.

Darauf sind Kontaktdaten verschiedener Anlaufstellen für Betroffene festgehalten, hieß es am Dienstag. Auch in Häusern verschiedener Wohnungsbaugesellschaften sowie Arztpraxen und öffentlichen Einrichtungen solle das Informationsmaterial ausgehängt werden.

Die Corona-Pandemie habe für die Problematik von Gewalt etwa in Partnerschaften mehr mediales Interesse hervorgebracht, sagte der Beigeordnete für Sicherheit und Umwelt, Andreas Horn. Allerdings belegten verschiedene Studien, dass die Fallzahlen seit Jahren zunähmen. Zudem müsse von einer größeren Dunkelziffer an Fällen ausgegangen werden, so Horn. Manche Betroffene meldeten sich nicht - aus Scham oder falschem Schuldgefühl.

Im Frühjahr, als im sogenannten Lockdown besonders viele Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie galten, sei die Zahl der Anfragen an die Beratungs- und Hilfseinrichtungen der Stadt nicht gestiegen, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Birgit Adamek. Eventuell habe etwa die Sorge eine Rolle gespielt, dass man sich in Gemeinschaftseinrichtungen wie den Frauenhäusern anstecken könne. Deshalb sei extra eine zusätzliche separate Wohnung für Quarantänefälle eingerichtet worden, so Adamek.

Auch Marjana Dunkel vom Frauenhaus Erfurt sagte, dass zunächst noch nicht die Annahme belegt werden konnte, dass der Lockdown zu einem Anstieg an Fällen häuslicher Gewalt geführt habe. Wohl aber habe er Behördenarbeit verlangsamt, weshalb einige Betroffene etwa längere Zeit im Frauenhaus verbrachten, bis Alternative gefunden wurden.

Thüringenweit wurden im vergangenen Jahr in Erfurt laut einer Polizeistatistik mit Abstand die meisten Fälle häuslicher Gewalt erfasst. In der einwohnerstärksten Stadt des Freistaats waren es demnach 755 Fälle. Das sei etwa ein Drittel aller bekannten Fälle in Thüringen (2348) gewesen, sagte Adamek. Zum Vergleich: In der zweitgrößten Stadt des Freistaats, Jena, wurden 290 Fälle erfasst.

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