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Holocaust-Ausstellung in Erfurt

22.01.2020 - Dutzende jüdische Mädchen waren während des Zweiten Weltkrieges im NS-Lager Theresienstadt eingesperrt. Nur wenige von ihnen überlebten den Holocaust. Eine Ausstellung in Erfurt erzählt ihre Geschichte.

  • Der Erinnerungsort Topf & Söhne. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Erinnerungsort Topf & Söhne. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt (dpa/th) - Mit einer neuen Ausstellung will der Erinnerungsort Topf & Söhne auf das Schicksal junger Frauen während des Holocausts aufmerksam machen. Thematisiert wird die Geschichte von etwa 50 bis 60 jüdischen Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren, wie die Gedenkstätte in Erfurt am Mittwoch mitteilte. Sie waren von den Nationalsozialisten in das Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Nur 15 von ihnen überlebten die systematische Judenvernichtung der Nazis. Weil es nur noch sehr wenige Überlebende des Holocausts gebe, seien Ausstellungen wie diese eine Möglichkeit, das Wissen um die Verbrechen der Nationalsozialisten weiterzugeben, sagte die Leiterin des Erinnerungsortes, Annegret Schüle.

Die Ausstellung zeige auch, dass die Menschen, die von den Nazis in Theresienstadt eingesperrt worden seien, nicht nur Opfer waren. Sie hätten mit ihren beschränkten Möglichkeiten auf ihre jeweils ganz eigene Weise Widerstand geleistet.

Die Mädchen, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, waren im Zimmer 28 des sogenannten Mädchenheims L 410 in Theresienstadt zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Über ihnen habe beständig «das Damoklesschwert der Deportation» geschwebt, sagte Schüle. Trotzdem hätten sie sich inmitten des Erwachsenwerdens gegenseitig Halt gegeben. Sie seien auch von Erwachsenen unterrichtet worden, obwohl das verboten gewesen sei. «Auch das war schon ein Akt des Widerstandes.»

Die Ausstellung erzähle ihre Geschichte anhand von Bildern, die sie in Theresienstadt zeichneten, sowie von Auszügen aus Tagebüchern und Poesiealben. Zudem gebe es einen Nachbau des Zimmers 28. Die meisten dieser Mädchen starben in Auschwitz – in jenem Vernichtungslager, für dessen Krematorien die Erfurter Firma Topf & Söhne die Verbrennungsöfen geliefert hatte.

Die Nationalsozialisten hatten das Ghetto Theresienstadt 1941 auf dem damals von Deutschland besetzten Gebiet des heutigen Tschechien errichtet. Die NS-Propaganda erklärte es zu einem Vorzeigelager, in dem angeblich gute Lebensbedingungen für die dort eingesperrten Juden herrschten. Die Geschichtsforschung hat allerdings gezeigt, dass auch Theresienstadt ein NS-Konzentrationslager war. Nach Angaben der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem starben während des Zweiten Weltkrieges dort mehr als 35 000 Juden.

Schüle sagte, die Funktion von Theresienstadt als Durchgangslager sei bis heute noch nicht ausreichend bekannt. Von den insgesamt etwa 141 000 Juden, die bis zur Befreiung des Lagers 1945 dort eingesperrt waren, hätten etwa 118 000 den Holocaust nicht überlebt. Viele von ihnen starben in den Gaskammern von Vernichtungslagern wie Auschwitz. Die Ausstellung «Die Mädchen von Zimmer 28. L 410, Theresienstadt» ist bis Ende Juni in Erfurt zu sehen.

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