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Infektionszahlen steigen weiter: Sonneberg über Obergrenze

10.05.2020 - Das Coronavirus verbreitet sich in Thüringens Kommunen unterschiedlich stark. Nun wurde ein wichtiger Grenzwert bei Neuinfektionen in einem zweiten Landkreis übertreten - landesweit sollen kommende Woche aber Maßnahmen gegen die Pandemie gelockert werden.

  • Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Virus, das COVID-19 verursacht. Foto: Uncredited/NIAID-RML/via Ap/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Virus, das COVID-19 verursacht. Foto: Uncredited/NIAID-RML/via Ap/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neben dem Landkreis Greiz ist mit dem Landkreis Sonneberg nun in einer zweiten Thüringer Kommune eine wichtige Quote bei der Coronavirus-Ausbreitung überstiegen worden. Der Südthüringer Landkreis registrierte am Sonntag (Stand 10.00 Uhr) innerhalb der vergangenen sieben Tage 66,7 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, wie der Sprecher des Landratsamts, Michael Volk, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Insgesamt seien bis zu diesem Zeitpunkt 155 Infektionen im Landkreis nachgewiesen worden.

Der Wert von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche gilt als Obergrenze, bei deren Überschreitung Bund und Länder künftig in der betreffenden Region strikte Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie vorsehen.

Volk sagte über die Situation im Landkreis Sonneberg: «Wir werden die Lage sehr kritisch weiter beobachten und prüfen und im Rahmen der neuen Verordnung gegebenenfalls auch härtere Maßnahmen ergreifen.»

Ein Infektionsschwerpunkt sei ein Krankenhaus in Sonneberg. Auch Mitarbeiter hatten sich mit Sars-CoV-2 infiziert. In Abstimmung mit dem Klinikum sei dort deshalb am Freitagabend ein vorübergehender Aufnahmestopp beschlossen worden. Die Notaufnahme sei davon aber nicht betroffen. Die Behandlung von kritischen und lebensbedrohlichen Fällen sei sichergestellt. Aber auch außerhalb des Krankenhauses gebe es Neuinfektionen im Landkreis, betonte Volk.

In Thüringen soll kommende Woche eine neue Corona-Verordnung in Kraft treten, die auch Lockerungen von Auflagen vorsieht. Die Pläne sehen bisher vor, dass Kommunen weitgehend eigenständig über weitere Lockerungen entscheiden sollen. Voraussetzung dafür ist aber, dass für jede Einrichtung Schutz- und Hygienekonzepte vorliegen.

Mit 74,4 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner war der Landkreis Greiz bundesweit die erste Region, in der der kritische Wert überschritten wurde. Die Quote für Greiz lag am Sonntag (Stand 10.00 Uhr) nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei bei 75,4. Welche Maßnahmen dort getroffen werden, soll zu Wochenbeginn geklärt werden. Landesweit lag der Wert nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei von Sonntag (Stand 10.00 Uhr) bei 9,1.

«Dort, wo mehr Infektionen auftreten, werden wir zusammen mit den Gesundheitsämtern schauen, was sind die Gründe dafür und muss man vielleicht an der ein oder anderen Stelle nochmal Lockerungen wieder zurücknehmen. Aber das werden wir sehr sensibel gemeinsam entscheiden und das sollte der allerletzte Schritt sein», erklärte Gesundheitsministerin Heike Werner in einem am Samstag bei Twitter veröffentlichten Video.

Mit Blick auf die neue Corona-Verordnung erklärte Werner, dass es Vorschläge für ein einheitlicheres Vorgehen bei den Lockerungen gebe. Es sei der Wunsch vieler Kommunen gewesen, dass das Land bestimmte Öffnungsvorgaben mache, um einen Flickenteppich zu vermeiden.

Werner schlägt etwa vor, die Öffnung von Fitnessstudios und Freibädern erst Anfang Juni zu erlauben. Unter anderem Hallenbäder, Saunen, Thermen, Kinos, Diskotheken und Bordelle sollten aber noch geschlossen bleiben. «Es gibt bestimmte Bereiche, die besonders sensibel sind, weil dort zum Beispiel kein Abstand gehalten werden kann oder auch die Kontaktnachverfolgung schwierig ist», begründete Werner. Die neue Verordnung solle zunächst bis zum 5. Juni gelten.

«Wir haben noch immer kein Medikament und keinen Impfstoff», betonte Werner mit Blick auf das Coronavirus. Sie appellierte: «Wenn man keine vom Staat gegebenen Einschränkungen möchte, steigt die Verantwortung jedes Einzelnen, sich solidarisch zu verhalten.»

Quasi ein Testmodell, was eigenverantwortliche Lockerungen für Kommunen bedeuten kann, hat am Wochenende Weimar erlebt. Längst nicht nur Bürger der Stadt nahmen vor allem bei sonnigem Wetter am Samstag die Angebote der bereits geöffneten Außenbereiche von Restaurants und Cafés an. Doch zusätzlich aufgestellte Verkaufswagen und -stände hätten zu Schwierigkeiten geführt, sagte Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) auf Anfrage.

«Gerade nach dem zweiten, oder dritten Bier stellte sich etwa die Frage, wo die Leute auf die Toilette gehen», so Kleine. In Absprache mit den Gastronomen sollten die mobilen Stände nach Sonntagabend vorerst nicht mehr angeboten werden. Bars, Restaurants und Cafés sollten aber zunächst weiter Außenbereiche öffnen dürfen. «Es war der richtige Weg, um ein stückweit Freiheit zu genießen, nur die Stände waren ein My zu viel», fasste Kleine zusammen.

Seit Mittwoch hatte Weimar als erste größere Stadt Thüringens Gastwirten erlaubt, wieder Gäste im Freien zu bewirten. Eine Bedienung am Platz ist wegen der geltenden Corona-Bestimmungen noch nicht möglich. Auch die regelmäßige Desinfektion von Tischen und Stühlen ist vorgeschrieben.

Inzwischen sind den Angaben der Staatskanzlei nach mindestens 2563 Menschen in Thüringen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert (Stand Sonntag 10.00 Uhr). Die Anzahl sei innerhalb von 24 Stunden um 28 Fälle gestiegen. Geschätzt sind 2030 Menschen nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 wieder genesen. Die Zahl der infizierten Toten stieg um einen Fall auf 117.

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