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Jeden Tag Ausgrenzung: Erfahrungen Holocaust-Überlebender

27.01.2020 - Drei Holocaust-Überlebende erzählen im Parlament von ihren Erfahrungen. Sie berichten vom Nazi-Terror - von Deportation, Mord und Diskriminierung. Nicht nur die Politiker finden an diesem Gedenktag deutliche Worte.

  • Eine Inschrift «Die Toten mahnen» auf einem Gedenkstein hinter frischen Blumen. Foto: Ralf Hirschberger/zb/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Inschrift «Die Toten mahnen» auf einem Gedenkstein hinter frischen Blumen. Foto: Ralf Hirschberger/zb/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt/Weimar (dpa/th) - Überlebende des Nazi-Terrors haben im Thüringer Landtag von ihren Erfahrungen berichtet und damit an die Gräueltaten der Nationalsozialisten und die Diskriminierung von Minderheiten erinnert. Es sei kein Tag vergangen, an dem er nicht missachtet worden sei, sagte der Buchenwald-Überlebende und Widerstandskämpfer Günter Pappenheim, als er am Montag im Parlament von seinen Erfahrungen aus der Schulzeit im Nationalsozialismus erzählte. «Ich wurde ausgegrenzt - und das acht Jahre lang», sagte Pappenheim, der in Schmalkalden aufwuchs und dessen Familie jüdische Wurzeln hat.

Später, im Konzentrationslager Buchenwald, habe er mit den anderen Häftlingen täglich darauf gewartet, befreit zu werden. Als dieser Tag kam, habe man sich in den Armen gelegen. «Dieser Tag ist für mich unvergesslich», sagte der heute 94-Jährige.

Vertreter von Parlament, Landesregierung, Justiz, Verwaltung und aus der Bevölkerung erinnerten anlässlich des Holocaust-Gedenktages an die Verfolgung und Ermordung von Millionen Menschen während des NS-Regimes. Anlass war die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen vor 75 Jahren.

Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Keller sagte, die Shoa - der Völkermord an den Juden - sei das «größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte». «Und jeder, der diesen Zivilisationsbruch auch nur im Ansatz zu leugnen oder zu relativieren versucht, verlässt den Boden des Wertefundaments unserer freien demokratischen Gesellschaft», machte Keller klar.

Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, wehrte sich später bei einer weiteren Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Buchenwald gegen Versuche, die deutsche Erinnerungskultur zu verändern. «Das ist unsere Republik, das ist unsere Gedenkstätte», sagte Knigge.

Dass in Buchenwald an die von Deutschen verübten Verbrechen während des Holocaust erinnert werde, sei ebenso wie die Formulierung des Artikels eins des Grundgesetzes der Bundesrepublik die richtige Antwort auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Im Artikel eins der Verfassung heißt es: «Die Würde des Menschen ist unantastbar.»

Mehrfach grenzte sich Knigge in seiner kurzen Rede unweit des ehemaligen Lagertors von der AfD und deren Geschichtsbild ab - ohne die Partei direkt zu nennen. Allerdings wählte er Formulierungen, die auf die AfD verweisen. So sprach er zum Beispiel von jenen, die «ein trügerisches Blau» als Parteifarbe gewählt hätten.

Keller ermunterte in ihrer Rede im Landtag die Thüringer dazu, Haltung gegen Antisemiten und Rechtsextremisten zu zeigen. «Positionieren Sie sich gegen Hass und Hetze. Werden Sie noch sichtbarer. Und machen Sie bei jeder Gelegenheit deutlich, dass wir Judenhass und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren», sagte Keller bei der Gedenkveranstaltung im Thüringer Landtag.

Der Anschlag in Halle im vergangenen Jahr habe deutlich gezeigt, wie hoch die Gefahr durch Antisemiten und Rechtsextremisten sei. «Es verlangt eine starke und unmissverständliche gesellschaftliche Reaktion, wenn sich Menschen jüdischen Glaubens durch den schrecklichen Anschlag von Halle» an die Pogromnacht von 1938 erinnert fühlten, sagte Keller.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte, dass es nicht nur darum gehe, der Toten zu gedenken. «Wir müssen auch daran denken, dass die Verantwortung bei uns liegt», sagte Ramelow. Das Gedenken müsse auch zu Verstand führen. «Zu dem Verstand, dass wir das Leben feiern müssen. Dass wir uns von den Gaskammern nicht diktieren lassen dürfen, dass wir nie wieder fröhlich sein können.»

Eine weltoffene Gesellschaft könne nur existieren, «wenn nicht nach Rasse und Abstammung, nach Hautfarbe oder Haarfarbe definiert wird, wer zu uns gehören darf und wer nicht», sagte Ramelow.

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