Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Jedes vierte Unternehmen in Thüringen mit Kurzarbeit

31.03.2020 - Restaurants, Hotels oder große Industrieunternehmen wie Opel in Eisenach - viele Firmen in Thüringen haben den Betrieb wegen der Corona-Krise eingestellt oder eingeschränkt. Das hat dramatische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

  • Ein Antragsformular auf Kurzarbeitergeld ist zu sehen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Antragsformular auf Kurzarbeitergeld ist zu sehen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Frühjahrsaufschwung am Thüringer Arbeitsmarkt ist in der zweiten Märzhälfte durch die Corona-Krise gestoppt worden. Die Lage habe sich völlig verändert, erklärte der Geschäftsführer der Landesarbeitsagentur, Markus Behrens, am Dienstag. Viele Unternehmen versuchten, den Stillstand in Teilen der Wirtschaft mit Kurzarbeit zu überbrücken. Die Arbeitsagenturen in Thüringen wurden in den vergangenen zwei Wochen mit Anzeigen auf Kurzarbeit von Unternehmen regelrecht überschüttet.

Es seien bisher rund 16 600 Meldungen eingegangen, dass Unternehmen Kurzarbeit als Folge der Corona-Krise starten oder planen, sagte Behrens. «Das ist in Thüringen etwa jedes vierte Unternehmen.» Damit seien in so kurzer Zeit etwa dreimal so viele Kurzarbeitsanzeigen wie im gesamten Finanz-Krisenjahr 2009 mit 5300 eingegangen. 2019 seien es lediglich 650 gewesen.

Betroffen seien vor allem Handel, Hotels und Gastronomie sowie weitere Dienstleistungsbereiche, aber auch Teile des Ausbaugewerbes. Niemand müsse sich Sorgen machen, dass die Arbeitsagenturen bei der Zahlung von Kurzarbeitergeld an Grenzen stießen. Für diese Pflichtleistung sei ausreichend Geld vorhanden. Ziel der Kurzarbeit sei es, Entlassungen zu verhindern und damit die Voraussetzung zu schaffen, dass die Wirtschaft wieder hochgefahren werden könne, so der Geschäftsführer der Landesarbeitsagentur.

Wie viele Thüringer aktuell in Kurzarbeit sind, konnte die Landesarbeitsagentur noch nicht sagen. Eine Kurzarbeitsanzeige könne nur wenige, aber auch hunderte Arbeitnehmer und mehr betreffen.

«Wir müssen davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Wochen steigen wird und dass auch mehr Menschen Leistungen der Grundsicherung beantragen», so Behrens. Die Arbeitsagenturen hätten auf Krisenbetrieb umgestellt und setzten gerade massiv Personal in die Bereiche um, die sich um Kurzarbeitergeld und Hartz IV-Leistungen kümmerten. «Das machen wir auch an Wochenenden», so der Geschäftsführer.

Der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, sagte, nötig sei auch die Einkommenssicherung der Arbeitnehmer, weil bei Kurzarbeit mindestens ein Drittel wegfalle. Damit vor allem Beschäftigte im Niedriglohnbereich nicht in existenzielle Nöte gerieten, sei eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes nötig. Die DGB-Gewerkschaften wollten das mit den Arbeitgeberverbänden tariflich vereinbaren. Sollte das nicht funktionieren, sei die Politik gefordert, das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent aufzustocken.

Rudolph: «Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Die Unternehmen werden zu 100 Prozent von den Sozialversicherungsbeiträgen entlastet. Dann muss davon auch die Hälfte an die Beschäftigten weitergegeben werden.»

Die Zahlen zur Situation am Thüringer Arbeitsmarkt wurden am 12. März erhoben - sie geben darum nicht die aktuelle Situation wieder. Bis zu diesem Zeitpunkt verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat auf 60 600. Das waren 2200 weniger als im Vergleich zu Februar und 1500 weniger als im März 2019. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent in Thüringen.

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind trüb. Das Ifo-Institut in Dresden registrierte im März einen massiven Einbruch beim Geschäftsklima in ostdeutschen Unternehmen. Sowohl die Lageeinschätzungen als auch die Geschäftserwartungen der befragten Firmen seien «steil nach unten gerichtet», hieß es. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Thüringer Wirtschaft, Stephan Fauth sagte: «Die Wirtschaft steuert auf eine schwere Rezession zu, von der noch nicht abzusehen ist, wie lange sie anhält.»

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat auch, dass Weiterbildungsangebote gestoppt werden mussten. «Fast alle Bildungsträger haben aufgrund der behördlichen Anordnungen in den vergangenen Wochen ihre Bildungsaktivitäten eingestellt oder erbringen diese online für die Teilnehmer», so Behrens.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren