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Kontroverse Meinungen zum Zeitplan für Schulstart

16.04.2020 - Ab Ende April sollen die Schulen in Thüringen wieder schrittweise geöffnet werden. Die Meinungen dazu, ob das ein guter Plan ist, gehen in der Landespolitik auseinander. Eltern und Lehrervertretungen fordern klare Regeln für den Neustart an den Schulen.

  • Christian Tischner, CDU-Abgeordneter, im Thüringer Landtag. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Christian Tischner, CDU-Abgeordneter, im Thüringer Landtag. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die stufenweise Wiedereröffnung der Schulen in Thüringen ab Ende April sorgt bei Bildungspolitikern für unterschiedliche Reaktionen. Während der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, die Entscheidung als solide und vertretbar bewertete, kam Kritik aus der SPD-Fraktion. «Wir hätten gut daran getan, noch 14 Tage mit der Öffnung der Schulen zu warten», sagte der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung der Deutschen Presse-Agentur.

Nachdem das öffentliche Leben in Deutschland wegen der Corona-Krise bereits für etwa fünf Wochen auf ein Minimum reduziert worden sei, komme es auf zwei oder drei Wochen mehr nicht an, so Hartung. Er befürchtet, dass die Corona-Infektionen durch die Öffnung der Schulen wieder steigen werden. Dann müssten die beschlossenen Lockerungen der virusbedingten Beschränkungen wieder zurückgenommen werden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat am Mittwoch angekündigt, das ab dem 27. April die angehenden Abiturienten wieder die Schulen besuchen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Ab dem 4. Mai sollen dann weitere Schüler von Abschlussklassen und dann schrittweise alle Schüler folgen.

Einig sind SPD-Politiker Hartung und CDU-Politiker Tischner darin, dass die Wiederöffnung der Bildungseinrichtungen für die Lehrer eine große Herausforderung werden wird. Weil die Pädagogen im Durchschnitt relativ alt seien und viele von ihnen auch bereits Vorerkrankungen hätten, gehörten viele von ihnen zu den Risikogruppen, die von Covid-19 besonders bedroht seien, erklärten sie. «Das kann ganz schnell zwanzig Prozent des Thüringer Lehrkörpers ausmachen», sagte Tischner.

Es sei offen, wie der Unterricht auch nur für die Abschlussjahrgänge organisiert werden könne, ohne diese Menschen großen gesundheitlichen Gefahren auszusetzen. Auch Hartung sagte, er wisse nicht, wie für die Abschlussklassen unter diesen Umständen ausreichend Lehrer zur Verfügung gestellt werden könnten.

Dass die Kindergärten in Thüringen noch mindestens bis Mai geschlossen bleiben werden, bezeichnet Hartung als richtig. Auch Umfragen würden zeigen, dass die Mehrheit der Eltern in Thüringen und Deutschland diese Maßnahme für richtig halte, auch wenn diese für sie eine enorme Belastung bedeute. Zwar gebe es vor allem in den sozialen Netzwerken eine laute Minderheit, die das anders sehe. «Ich würde den Eltern aber mehr zutrauen, als man gemeinhin denkt.»

CDU-Politiker Tischner sagte, aus den Finanzplanungen der Landesregierung ergebe sich bereits jetzt, dass der Freistaat davon ausgehe, dass die Kindergärten bis zum 30. Juni grundsätzlich geschlossen bleiben müssten. Auch wenn diese Entscheidung für viele Eltern große Probleme bedeute, verstehe er jeden, der sage, Gesundheitsschutz gehe vor. Er appelliere aber an die Kindertagesstätten, bei der Auswahl der Eltern, die ihre Kinder in die Notbetreuung geben könnten, möglichst flexibel zu sein.

Die Chefin der Grünen-Fraktion, Astrid Rothe-Beinlich forderte ebenfalls flexiblere Möglichkeiten für die Notbetreuung in Kindergärten. «Gerade für die berufstätigen Alleinerziehenden, die nicht in der kritischen Infrastruktur tätig sind, aber auch für Familien, die aus welchen Gründen auch immer dringend eine Kinderbetreuung in Anspruch nehmen müssen, brauchen wir ebenfalls Angebote in den Kommunen und wenn es halbtägige oder anderweitig zeitlich begrenzte Angebote sind», erklärte Rothe-Beinlich am Donnerstag.

Das schrittweise Öffnen der Schulen begrüßte die Bildungspolitikerin. Zugleich mahnte sie aber, dass es nun Regeln für den schulischen Infektionsschutz brauche. Außerdem müsse es genügend zeitlichen Vorlauf für Kommunen geben, die Regeln umzusetzen und etwa den Schülertransport neu zu organisieren.

Ähnlich äußerte sich der Landeselternsprecher Roul Rommeiß. «Das Vorgehen ist nachvollziehbar und es ist richtig, mit einer überschaubaren Zahl von älteren Schülern zu beginnen», sagte Rommeiß der Deutschen Presse-Agentur. Viele Fragen seien aber noch nicht geklärt - etwa, wie mit Schülern umgegangen werde, die selbst Vorerkrankungen haben oder in deren Haushalt sich Menschen aus Risikogruppen befinden. Er sprach sich dafür aus, eine Maskenpflicht an Schulen zu prüfen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW und der Thüringer Lehrerverband (tlv) warnten vor einer schnellen Öffnung der Schulen zu Lasten der Beschäftigten und der Schüler. Es brauche klare Regeln, unter welchen Bedingungen eine solche Öffnung möglich sein könne, erklärten GEW und tlv in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Diskussion über «eine mögliche Rückkehr in den normalen Alltag sorgen für eine starke Verunsicherung in den Schulen», hieß es.

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