Kröten und Co: Das große Kriechen und Hüpfen beginnt

13.03.2021 Autofahrer müssen besonders aufmerksam auf Straßen in Gewässernähe unterwegs sein: Bald machen sich Kröten, Frösche und Molche auf den Weg in ihre Laichgebiete. Damit der Verlust im Straßenverkehr möglichst gering ausfällt, packen viele Helfer an.

Krötenwanderung. Foto: Mario Gentzel/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Noch ist es für Amphibien in vielen Regionen Thüringens zu kalt zum Wandern, doch Helfer haben schon begonnen, Schutzmaßnahmen zu errichten. An mehr als 100 Stellen im Freistaat bauen vor allem Freiwillige auch in dieser Saison wieder Zäune auf, die verhindern sollen, dass Kröten, Frösche und Molche von ihren Winterquartieren den gefährlichen Weg über Straßen zu ihren Laichgewässern wählen. «Das ist harte körperliche Arbeit», sagt Ulrich Scheidt vom Landesfachausschuss Amphibien und Reptilien des Naturschutzbunds (Nabu) Thüringen.

Es sei nicht einfach, die Zäune so zu errichten, dass kein Schlupfloch für die Tiere entstehe. Daher werden auch Schulungen für die Ehrenamtlichen angeboten. Ab dem Zeitpunkt, wenn die Tiere loshüpfen und -kriechen müssten Helfer zwischen vier bis acht Wochen jeden Tag zu den Zäunen. Entlang derer sind Eimer so eingegraben, dass die Amphibien auf nächtlicher Wanderschaft hineinfallen. Die Freiwilligen müssten dann möglichst früh am Tag kommen, um die Tiere aus den Eimern sicher über die Straßen zu den Teichen, Tümpeln und Seen zu bringen, erklärt Scheidt. «Autofahrer sollten also auch mit mehr Menschen auf den Straßen rechnen und Rücksicht nehmen - wir wollen keine Verluste.»

In der Regel stellten die Unteren Naturschutzbehörden das Schutzmaterial bereit. Die Zäune würden dann jährlich eingelagert und könnten wiederverwendet werden. In Erfurt etwa errichten städtische Mitarbeiter insgesamt 1200 laufende Meter an Schutzzäunen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Auch Hinweisschilder für Autofahrer werden aufgestellt.

Scheidt, der auch Vorsitzender des Amphibien- und Reptilienschutz in Thüringen ist, rechnet in den nächsten fünf Tagen mit dem Beginn der Wanderbewegung bei vielen Amphibien: «Sie sind in den Startlöchern.» Voraussetzung für den Beginn sind etwas mildere Temperaturen. «Die grobe Faustregel sagt, dass vor Ort zum Anbruch der der Dunkelheit um die sechs, sieben Grad Lufttemperatur vorliegen müssen.» Es gebe aber regionale Unterschiede.

Zwar könnten Frösche relativ flink sein. Aber Autos seien schneller, und Kröten und kriechende Molche seien nicht so fix. «Gerade die Männchen bei den Kröten nutzen die Straßen als übersichtliche Stellen gerne auch, um Ausschau nach Weibchen zu halten», so Scheidt.

Wie viele Tiere jährlich im Autoverkehr sterben, sei kaum zu beziffern, so Scheidt. Der Fahrtwind etwa könne plattgefahrene Amphibien schnell von den Straßen und aus dem unmittelbaren Sichtfeld wehen. Da aber die gesammelten Tiere gezählt werden, könne man davon ausgehen, dass die Schutzmaßnahmen jedes Jahr in Thüringen weit mehr als 100 000 Amphibien den Tod unterm Autoreifen ersparten.

Hilfreich sei, dass bei Straßenneubauten und -sanierungen in betroffenen Gebieten mittlerweile häufig Tunnel für die Kröten und Frösche dabei seien. So müssen diese gar nicht erst über die Straße.

Aber warum der ganze Aufwand? «Der Grund, weshalb viele Leute helfen, ist eine gewisse Empathie. Sie sagen sich: Wir wollen Lebewesen schützen», berichtet Scheidt. Daneben gebe es aber auch einen wichtigen, sachlichen Grund, weshalb auch der Staat am Schutz der Tier interessiert sei: Es gehe um große Tiermengen, die für das ganze Ökosystem wichtig seien. Die Amphibien verspeisten selbst andere Tiere und stünden wiederum selbst auf dem Menü anderer. Zudem seien die Amphibienbestände in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

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