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Ministerium pocht auf Schutzkonzepte in Greiz und Sonneberg

13.05.2020 - Die Kreise Greiz und Sonneberg reißen weiter die kritische Marke an Corona-Neuinfektionen. Welche Konsequenzen das für die Bürger dort konkret hat, bleibt weiter unklar. Abschließende Schutzkonzepte, wie vom Land gefordert, wurden der Öffentlichkeit noch nicht vorgestellt.

  • Desinfektionsmittel, Mundschutz und Einmalhandschuhe. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Desinfektionsmittel, Mundschutz und Einmalhandschuhe. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Gesundheitsministerium dringt in den Kreisen Greiz und Sonneberg weiter auf Schutzkonzepte im Kampf gegen die Corona-Pandemie. So sei den Landratsämtern etwa empfohlen worden, in den Bereichen Schulen und Kindergärten sowie Gastronomie Schutzvorkehrungen zu prüfen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Erfurt. Der Kreis Sonneberg habe Vorschläge zu mehr Schutz in Gaststätten, Sport sowie Pflegeheimen und Kliniken vorgelegt; auch aus Greiz sei am Mittwochnachmittag ein Konzept eingegangen, das nun geprüft werde.

In beiden Landkreisen lag die Infektionsrate zuletzt über der Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Die Staatskanzlei bezifferte die Quote am Mittwoch auf 55,0 im Kreis Greiz und 58,7 im Kreis Sonneberg. Die Zahl 50 haben Bund und Länder als Obergrenze festgelegt - wird sie überschritten, müssen Beschränkungskonzepte erlassen werden.

Nach Angaben des Landratsamtes in Greiz hat der dortige Krisenstab am Mittwoch mit dem Präsident des Landesverwaltungsamtes Frank Roßner Möglichkeiten erörtert, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Allerdings werde in schärferen Restriktionen kein geeignetes Mittel gesehen, die Infektionsschwerpunkte einzudämmen, schrieb das Landratsamt in einer Mitteilung. Vielmehr solle die Testintensität gesteigert werden. Zudem hatte Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) bereits angekündigt, das Besuchsverbot in Pflegeheimen und Kliniken aufrechtzuerhalten.

In beiden Regionen gingen am Mittwoch die Massentests weiter. Im Kreis Greiz werden seit Dienstag erneut rund 800 Beschäftigte und Bewohner in Pflegeheimen und einer Klinik auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 untersucht, auf dem Gesundheitscampus in Sonneberg 600 Mitarbeiter von Krankenhaus, Arztpraxen, Seniorenheimen und eines Dialysezentrums. «Es liegen uns noch keine Laborergebnisse der ersten, am Montag genommenen Abstriche vor», sagte der Sprecher des Sonneberger Landratsamtes, Michael Volk.

Erwartet wird, dass mit den umfangreichen Tests auch die Zahl der registrierten Neuinfektionen in diesen Regionen steigt. Die beiden Landkreise zählen nicht nur in Thüringen, sondern bundesweit zu den aktuellen Brennpunkten der Corona-Pandemie.

Solange zwischen Landkreis und Land kein abschließendes Ergebnis über Schutzkonzepte erreicht ist, gelten laut Volk auch für die Menschen in den Kreisen Greiz und Sonneberg die schrittweisen Lockerungen der am Mittwoch in Kraft getretenen neuen Landesverordnung. So sind schon seit Mittwoch Demonstrationen ohne Beschränkungen der Teilnehmerzahl möglich; am Freitag (15. Mai) sollen Restaurants, Kneipen, Gasthöfe, Hotels und Pensionen wieder Gäste bewirten können. Vom 1. Juni an können auch Freibäder und Badeseen öffnen, sowie Fitnessstudios den Betrieb wieder aufnehmen, ebenso wie andere Indoor-Sportangebote.

Das Land behält sich bisher allerdings vor, selbst einzugreifen, sollten die von den beiden Landratsämtern erarbeiteten Schutzkonzepte nicht ausreichen. «Unser Ziel ist es aber, einen gemeinsamen Weg mit den Landkreisen zu finden», betonte Ministeriumssprecherin Silke Fließ. Am Donnerstag werde die entsprechende Arbeitsgruppe des Ministeriums erneut beraten und die vorliegenden Vorschläge bewerten.

Unterdessen ist die Zahl der Todesfälle nach Corona-Infektionen in Thüringen bis zum Mittwoch weiter gestiegen. Inzwischen sind 127 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, gestorben, wie die Staatskanzlei mitteilte (Stand Mittwoch 10.00 Uhr). Das sind fünf Todesfälle mehr als am Vortag. Insgesamt gab es in Thüringen seit Beginn der Pandemie 2639 nachgewiesene Corona-Infektionen. Das sind 22 neue Fälle innerhalb eines Tages.

Schätzungen zufolge gelten 2140 der bisherigen Patienten als wieder genesen, wodurch es derzeit noch rund 500 aktive bekannte Fälle gibt. 85 infizierte Patienten müssen aufgrund schwerer Verläufe der Lungenkrankheit Covid-19 auf Intensivstationen beatmet werden.

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