Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Nachbesserung bei Frauenhäusern in Thüringen gefordert

07.03.2021 - Wenn Frauen in der Partnerschaft oder Familie Gewalt erleben, können sie in Frauenhäusern Zuflucht finden. Doch die Kapazitäten der Einrichtungen lassen zu wünschen übrig. Aber das ist nicht der einzige Kritikpunkt.

  • Karola Stange (Die Linke), Abgeordnete im Thüringer Landtag, spricht. Foto: Sebastian Haak/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Karola Stange (Die Linke), Abgeordnete im Thüringer Landtag, spricht. Foto: Sebastian Haak/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Ehemann schlägt zu, der Bruder greift an, der Partner kontrolliert das Leben der Freundin bis ins Detail: Volljährige Frauen, die zuhause psychische und physische Gewalt erfahren, können in Frauenhäusern unterkommen. Doch nach Ansicht der Landesarbeitsgemeinschaft Thüringer Frauenhäuser und Frauenschutzwohnungen (LAG) muss das Angebot an Plätzen dringend ausgebaut werden. «Wir haben auf jeden Fall große Lücken in der Verteilung der Frauenhäuser in Thüringen», sagte Anja Wild, Sprecherin der LAG.

Während relativ viele Häuser bei der Ost-West-Achse entlang der Autobahn 4 zu finden seien, und auch der Norden vergleichsweise gut versorgt sei, gebe es in Südthüringen einen großen weißen Fleck. «Da ist eine gigantische Lücke, da fehlen ganz viele Plätze», so Wild. Zwar sei Distanz zu gewalttätigen Partnern oft erwünscht. Aber wenn die Frauen zu ihren Arbeitsplätzen müssten und kein Auto hätten, oder ihre Kinder Kitas vor Ort besuchten, dann seien große Entfernungen zwischen Lebensmittelpunkt und den Frauenhäusern ein echtes Problem. «Die große Distanz kann Frauen auch hemmen, überhaupt bei Frauenhäusern anzufragen.»

Auch Karola Stange, Sprecherin für Soziales und Gleichstellung der Linken-Fraktion im Landtag, sieht deutliche Defizite. Sie verwies auf die Antworten auf eine Kleine Anfrage zum Thema, die sie gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Sascha Bilay gestellt hatte. «Da ist deutlich zu erkennen, dass sich manche Kommunen beim Thema Frauenhäuser einen schlanken Fuß machen», kritisierte Stange. So stellten der Wartburgkreis und der Saale-Holzland-Kreis, der Landkreis Hildburghausen, der Ilm-Kreis und die Stadt Suhl selbst vor Ort keine Plätze. Stattdessen seien deren Angebote mit in den Häusern benachbarter Städte oder Landkreise enthalten.

Auch die Zahl der Plätze insgesamt - aktuell sind das thüringenweit etwa 172 - reicht nach Stanges Auffassung nicht aus. Mit Blick auf die Istanbul-Konvention, die verpflichtet, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen, müssten es rund 100 Plätze mehr sein, so Stange.

Zudem brauche es mehr Mitarbeiter in den Häusern: «Da sind Fachfrauen, die eigentlich für Beratungsarbeit eingestellt werden, um sich mit den Frauen um deren Probleme zu kümmern - die sollten nicht noch Hausmeisteraufgaben übernehmen müssen.» Auch Wild berichtet, dass in vielen Frauenhäusern eine zusätzliche Belastung durch solche Arbeiten für die Mitarbeiterinnen entstehe. «Wir sind dieses Jahr allerdings zum ersten Mal in der glücklichen Position, dass der Landkreis eine kleine Stelle für eine Haushälterin finanziert», sagte Wild, die auch Leiterin des Frauenhauses in Gotha ist.

Als weitere Probleme betrachtet Stange, dass die Häuser oft nicht für in ihrer Mobilität eingeschränkte Frauen zugänglich sind und dass dort in der Regel nicht auf weitere Problemfelder, wie etwa Suchterkrankungen von Frauen, eingegangen werden könne.

Insgesamt sei mehr Geld für die Arbeit der Frauenhäuser nötig, sagen Wild und Stange. «Das muss bei den Haushaltsplanungen fürs Land berücksichtigt werden», erklärte die Linken-Politikerin Stange. Bislang ist die Regelung so, dass das Land die Häuser durch Zuwendungen fördern kann. In erster Linie sind aber die Landkreise und Städte verantwortlich für die Häuser.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren