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Neuer Meister im Schafehüten: Sorgen um Futter und Wolf

03.08.2019 - Am Samstag hat im Weimarer Kreis der Thüringer Schäfertag stattgefunden. Für die Schäfer ist er auch Anlass, um über aktuelle Nöte zu sprechen.

  • Schäfer Klaus-Dieter Knoll hütet beim Thüringer Schäfertag eine Schafherde auf dem Wettkampf-Parcours. Foto: Jens-Ulrich Koch © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Schäfer Klaus-Dieter Knoll hütet beim Thüringer Schäfertag eine Schafherde auf dem Wettkampf-Parcours. Foto: Jens-Ulrich Koch © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hohenfelden (dpa/th) - Wegen der Trockenheit fürchten Thüringer Schäfer um die Futterversorgung ihrer Tiere im Winter. «Im Moment ist noch Futter da bei den meisten Betrieben, aber es wächst ja nichts mehr nach», sagte Jens-Uwe Otto, Vorsitzender des Landesverbands Thüringer Schafzüchter. Schon im vergangenen Jahr hätten die Schäfer wegen der Trockenheit keine Futtervorräte anlegen können. «Wer ausweichen kann auf abgeerntete Felder, der hat's gut, aber wer auf das natürliche Grünland begrenzt ist, dem fehlt der Aufwuchs.»

Am Samstag fand in Hohenfelden im Weimarer Land der Thüringer Schäfertag statt. Bei einem Wettbewerb wird dort traditionell der Landesmeister im Schafehüten gekürt. Dieses Jahr gewann der 61-jährige Herbert Kind aus Königsee. Ihm gelang es nach Meinung der Jury am besten, mit seinen Hütehunden eine fremde Schafherde aus einem Pferch zu treiben und durch das Gelände mit Hindernissen zu dirigieren. Kind ließ bei dem Wettbewerb drei weitere Bewerber hinter sich. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 2000 Besucher.

Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne), die die Veranstaltung eröffnete, dankte den Schäfern für ihren Einsatz beim Arten- und Hochwasserschutz. «Unsere kostbaren Trocken- und Steppenrasenflächen können überhaupt nur durch Schafbeweidung in einem guten Zustand erhalten werden», teilte sie mit. Seit diesem Jahr bekommen Schäfer, die mit ihren Tieren Landschaftspflege leisten, eine sogenannte Schaf-Ziegen-Prämie von 25 Euro für Mutterschafe. Siegesmund zufolge beantragten über 350 Betriebe in Thüringen das Geld. Rund 1,2 Millionen Euro werden demnach im Herbst ausgezahlt.

«Schafe gehören in Thüringen schon immer in das Landschaftsbild und der Schäfer gehört zu den ältesten landwirtschaftlichen Berufen», teilte Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) mit. «Es ist ein Traditionsberuf mit Naturschutzaufgaben, die unser Landschaftsbild hegen und pflegen.»

Weil sich die Schafhaltung kaum noch rentiert, ringen Schäfer in Thüringen seit Jahren um ihre berufliche Existenz und suchen Nachfolger. Derzeit gibt es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums noch 220 Schafhalter im Haupt- und Nebenerwerb, die etwa 85 000 Mutterschafe halten. «Der Großteil der Betriebe lebt von der Substanz und hat wirtschaftliche Nöte», sagte Otto. Gerade einmal fünf Schäfer haben dem Ministerium zufolge dieses Jahr ihre Ausbildung in Thüringen beendet.

Eine normale Schäferei lebe hauptsächlich von der Landschaftspflege und Fördergeldern, sagte Otto. «Ohne diese Gelder wäre Schafhaltung nicht möglich.»

Aktuell bereite den Schäfern auch die standorttreue Wölfin in Ohrdruf Sorgen, so Otto. Sie hat vor kurzem Mischlingsnachwuchs bekommen. Im Juli fielen in Thüringen einer ersten Begutachtung zufolge 28 Schafe und Ziegen sowie ein Kalb einem Wolfsangriff zum Opfer. Das ist der Tabelle der Nutztierrisse zu entnehmen. Allerdings beruht die Zahl auf ersten Einschätzungen von Gutachtern. Ergebnisse genetischer Untersuchungen liegen noch nicht vor.

«Wenn Übergriffe wöchentlich stattfinden, zehrt das dermaßen an den Nerven der Weidetierhalter, dass die irgendwann ein Level erreicht haben, dass sie sagen: Danke, das war's», sagte Otto. Der Landesverband Thüringer Schafzüchter unterstützte den Appell vom Thüringer Bauernverband, der am Freitag vom Umweltministerium forderte, die Wölfin zum Abschuss freizugeben.

Das Thüringer Umweltministerium wies die Forderung am Samstag mit dem Verweis auf fehlende Zuständigkeit zurück. Darüber zu entscheiden sei nicht Aufgabe des Ministeriums, sagte ein Sprecher. Eine Genehmigung für den Abschuss müsse die obere Naturschutzbehörde (TLUBN) erteilen.

Man müsse auffällige Wölfe nicht zwangsläufig abschießen, sagte Otto. Er plädierte für eine «Entnahme». Das könne auch bedeuten, dass man das Tier in einen Tierpark stecke.

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