Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Neues Museum zeigt Weimarer Republik als moderne Demokratie

30.07.2019 - Bis heute gilt die Weimarer Republik als abschreckendes Beispiel dafür, welche Folgen politische Radikalisierung haben kann. In Weimar selbst will ein neues Museum nun auch die positiven Seiten der ersten deutschen Demokratie beleuchten.

  • Vor dem ehemaligen Bauhaus-Museum wird über den Umbau zum Haus der Weimarer Republik informiert. Foto: Martin Schutt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Vor dem ehemaligen Bauhaus-Museum wird über den Umbau zum Haus der Weimarer Republik informiert. Foto: Martin Schutt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weimar (dpa/th) - Ein bisschen in die Jahre gekommen ist sie, das Papier bräunlich verfärbt und etwas fleckig: die Weimarer Reichsverfassung von 1919. Ein Originaldruck ist im neuen «Haus der Weimarer Republik» zu sehen, das am Mittwoch in Weimar eröffnet. Das Heftchen mag verwelkt aussehen - die darin enthaltenen Ideen sind es aber nicht, so eine These der Ausstellungsmacher.

«Die Verfassung ist eigentlich viel moderner, demokratischer und ausgewogener, als man das lange gesehen hat», sagte der Politikwissenschaftler Andreas Braune. Mit weiteren Forschern unter anderem der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat er an der Dauerausstellung mitgearbeitet.

Dokumente und Alltagsgegenstände, Filme und Hörbeispiele beleuchten in dem sanierten Haus, das bis vor kurzem das alte Bauhausmuseum beherbergte, die politische Entwicklung der Weimarer Republik. Rund 80 Original-Exponate sind zu sehen. Der Träger-Verein Weimarer Republik e.V. rechnet mit etwa 30 000 Besuchern jährlich. 2020 soll im Haus ein weiterer Bereich für Sonderausstellungen eröffnen.

Das neue Museum befindet sich gegenüber vom Deutschen Nationaltheater. Die verfassungsgebende Versammlung mit über 400 Abgeordneten war 1919 im Theater zusammengekommen, um die erste demokratische Verfassung Deutschlands zu erarbeiten. Vor 100 Jahren, am 31. Juli 1919, wurde die Weimarer Verfassung dann beschlossen.

«Uns ist wichtig zu zeigen, dass Demokratie in Deutschland eine längere Tradition hat als 1945», erklärte Braune. Dass die Weimarer Republik im öffentlichen Erinnern häufig ein negatives Image habe, liege daran, dass sie vor allem von ihrem Ende aus betrachtet werde, sagte Braune. «Ihr haftet dieses Bild des Scheiterns an.»

So gilt die Weimarer Republik bis heute als abschreckendes Beispiel dafür, welche Folgen politische Radikalisierung in einer zersplitterten Parteienlandschaft haben kann. Inmitten von Wirtschaftskrise, Inflation und Arbeitslosigkeit nahm die erste deutsche Demokratie 1933 ein jähes und katastrophales Ende. Als Reichspräsident Paul von Hindenburg, seit 1925 im Amt, am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, versetzte er der parlamentarischen Demokratie von Weimar den Todesstoß.

Die Dauerausstellung wolle Aspekte der Geschichte zeigen, die «nicht in Konkurrenz zu den dunklen Seiten unserer Geschichte» stehen, erläuterte Michael Dreyer von der Friedrich-Schiller-Universität, der ebenfalls an der Ausstellung mitarbeitete und in Jena Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte ist. Stattdessen sollen die Besucher erfahren, dass es auch eine Geschichte der Demokratie in Deutschland gebe.

Ein Fokus der Ausstellung liegt auf der Weimarer Verfassung selbst. Historiker zählen sie zu den modernsten Verfassungen des 20. Jahrhunderts. Dabei heben sie vor allem das Frauenwahlrecht, die parlamentarische Ordnung und die Grundrechte hervor. Das seien Aspekte, die heute für uns eine Selbstverständlichkeit sind - damals waren sie es nicht, wie Braune erläuterte.

Die Ausstellung wirft nicht nur einen Blick zurück, sondern beschäftigt sich auch mit der gegenwärtigen Lage der Demokratie. «Wir haben natürlich Entwicklungen, die Warnzeichen sein können und sollten», sagte Braune. «Das Aufkommen von Rechtspopulismus, verstärkte nationalistische Tendenzen, ein politisches Klima, das zunehmend aggressiv ist.»

Vergleiche man unsere heutige Zeit mit den «Weimarer Verhältnissen», gebe es aber deutliche Unterschiede, sagte Braune. «Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die Weimarer Gesellschaft eine Transformationsgesellschaft war, die auf einen demokratischen Konsens hätte hinarbeiten müssen», so der Politologe. «Und dieser Prozess der Herausbildung eines demokratischen Konsenses wurde vor allem von großen Teilen der Eliten in Politik, Medien, Verwaltung oder Justiz torpediert.»

Heute gebe es diesen demokratischen Konsens in großen Teilen der Gesellschaft. Die Geschichte der Weimarer Republik zeige aber auch, dass nur dann wirklich Verlass auf demokratische Verfassungen sei, wenn sie mit Leben gefüllt würden. «Eine demokratische Verfassung ist noch kein Garant für eine Demokratie. Es braucht eben den gesellschaftlichen und politischen Einsatz dafür.»

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren