Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Rechnungshofchef: Finanzprobleme nicht mit Schulden lösen

05.07.2020 - Ein riesiges Loch reißt die Corona-Krise in die Landeskasse. Trotzdem müssen weitere Hilfsprogramme finanziert werden. Wie viele neue Schulden kann sich Thüringen dafür leisten? Der Rechnungshof appelliert: Augenmaß behalten.

  • Thüringens Rechnungshofpräsident Sebastian Dette. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thüringens Rechnungshofpräsident Sebastian Dette. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach Meinung von Rechnungshofpräsident Sebastian Dette kommt Thüringens Minderheitsregierung trotz Corona-Krise nicht am Sparen vorbei. «Natürlich sind neue Schulden angesichts der Corona-Krise mit Steuerausfällen von fast einer Milliarde Euro unvermeidbar. Aber ich warne davor, die Finanzprobleme, die sich durch die weiteren Konjunkturhilfen noch vergrößern, mit einem Milliardenkredit lösen zu wollen», sagte Dette der Deutschen Presse-Agentur.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) plädierte am Samstag für eine massive Neuverschuldung von rund 2,9 Milliarden Euro. Damit sollen nicht nur ein Konjunkturprogramm aufgelegt, sondern auch Steuerausfälle kompensiert und schon beschlossene Corona-Hilfen finanziert werden.

Dette mahnte zu Augenmaß und verwies auf die Schuldenbremse, die neue Kredite in Notsituationen wie jetzt zwar zulasse, aber auch klare Fristen zur Rückzahlung des Geldes setze. Augenmaß sei auch bei den Hilfen zum Ankurbeln der Konjunktur nötig. «Wir sollten mit Staatshilfen keine Zombie-Unternehmen künstlich am Leben erhalten, deren Geschäftsmodell schon vor der Corona-Krise nicht funktioniert hat», sagte Dette. Hilfen seien dort angebracht, wo Probleme durch die Corona-Pandemie verursacht wurden.

Angesichts der Einnahmeausfälle müssten Entscheidungen getroffen werden, «was noch geht und was nicht geht.» Er sei froh, dass Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) einen Kassensturz angekündigt habe, bevor über die Höhe der Schuldenaufnahme entschieden werde.

Der Rechnungshofpräsident plädierte für die Vorlage eines Nachtragshaushalts. «Wenn der Landeshaushalt ins Minus läuft, wie derzeit, muss ein Nachtragshaushalt kommen, um den Etat auszugleichen.» Die Wege seien Sparen und Kreditaufnahme. Eine Haushaltsperre, wie sie Finanzministerin Heike Taubert (SPD) zunächst erwogen hat, sieht Dette kritisch.

«Eine Haushaltssperre ist beim Sparen nur zweite Wahl.» Damit würde pauschal ein bestimmter Betrag im Haushalt, der in diesem Jahr ein Volumen von rund elf Milliarden Euro hat, auf Eis gelegt. «Das entbehrt aber der politischen Entscheidung, wo gestrichen werden soll. Und es besteht die Gefahr, dass Investitionen, beispielsweise in die Digitalisierung, zu gering ausfallen. Ich bin dafür, dass Prioritäten gesetzt werden.»

Das Defizit im Haushalt schätze der Rechnungshof auf mindestens 415 Millionen Euro - und das, obwohl Thüringen ins Jahr 2020 noch mit einem Finanzpolster von 1,85 Milliarden Euro gestartet sei. Die Rücklage war von der rot-rot-grünen Regierung aus den Überschüssen der vergangenen Jahre gebildet worden und sei mit den Hilfspaketen und Zahlungen an die Kommunen inzwischen weitgehend aufgebraucht.

Da Rot-Rot-Grün seit der Landtagswahl im Oktober 2019 keine Mehrheit mehr hat, ist das Dreierbündnis bei Haushaltsentscheidungen auf die oppositionelle CDU-Fraktion angewiesen, mit der ein Stabilitätspakt besteht. Dette räumte ein, dass das Konstrukt mit vier Parteien bei Haushaltsentscheidungen eine politische Herausforderung sei - «gerade, wenn es um Sparbeschlüsse geht». Seiner Meinung nach ist es darum besonders wichtig, dass sich die beteiligten Parteien auf Kriterien und Prioritäten verständigten. «Von dem großen Haushaltsvolumen von elf Milliarden Euro müssen wir runter», forderte er.

Dette sieht zwei Bereiche, wo das Land sparen könnte: Bei manchen Zuschüssen und Zuweisungen, die sich im Etat auf hohe Beträge summierten, sowie bei den Personalausgaben. «Nach wie vor hat Thüringen - nach dem Saarland - das meiste Personal bezogen auf 1000 Einwohner in Deutschland. Mit Hilfe der Digitalisierung und bei der sinkenden Einwohnerzahl in Thüringen müsse mittel- und langfristig überprüft werden, ob die Stellenpläne in den Ministerien und Landesbehörden realistisch seien.

Die rot-rot-grüne Regierungskoalition plant eine Haushaltsklausur Mitte Juli. Dabei soll auch die CDU zu Wort kommen. Erwartet wird, dass danach die Weichen in der Haushaltspolitik gestellt werden - auch für den Etat 2021, bei dem laut Steuerschätzung die Einnahmen des Landes um 427 Millionen Euro sinken.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren