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Schau zum Wirken des kirchlichen «Entjudungsinstituts»

17.09.2019 - Eine Kirchenglocke mit NS-Bezügen, ein Hakenkreuz-Lüftungsgitter aus einem Gotteshaus, ein sogenanntes «Volkstestament»: Eine Schau in Eisenach schlägt ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte auf. Selbst das «Amen» wollten Antisemiten tilgen.

  • Eine junge Frau betrachtet die Ausstellung "Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche "Entjudungsinstitut" 1939-1945". Foto: Martin Schutt © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine junge Frau betrachtet die Ausstellung "Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche "Entjudungsinstitut" 1939-1945". Foto: Martin Schutt © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eisenach (dpa/th) - Sie texteten Bibelstellen um, strichen Strophen und jüdische Worte aus Gesangsbüchern und trugen die antisemitische Ideologie der Nationalsozialisten in die Kirchengemeinden: Die Mitarbeiter des «Entjudungsinstituts» in Eisenach hatten es sich einst auf die Fahnen geschrieben, den jüdischen Einfluss auf die deutsche Kirche zu tilgen. Dem Wirken des im Mai 1939 von elf evangelischen Landeskirchen gegründeten Instituts spürt eine multimediale Sonderausstellung im Eisenacher Lutherhaus nach, die an diesem Donnerstag eröffnet wird.

Die Schau «Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche «Entjudungsinstitut» 1939-1945» präsentiert rund 70 Exemplare wie Texte, Akten, Bücher sowie Filmausschnitte und Tonaufnahmen. Auf 117 Quadratmetern spürt die Ausstellung der Vorgeschichte nach, die zur Gründung des Instituts geführt hat, stellt dessen Arbeit sowie den historischen Kontext dar und widmet sich der geschichtlichen Aufarbeitung nach 1945.

Die Institutsgründung sei eingebettet in eine «längere, unheilvolle Tradition», sagte Jochen Birkenmeier, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung, am Dienstag. Das Institut habe nicht nur in der wissenschaftlichen Welt wirken wollen, sondern die breite christliche Bevölkerung erreichen wollen. Eine handvoll feste Mitarbeiter und etwa 200 Ehrenamtliche hatten die Aufgabe, alles Jüdische aus kirchlichen Texten zu streichen.

«Wir zeigen aber auch den langen und mühsamen Weg, den die Kirche hatte, um ihre Schuld anzunehmen», sagte Birkenmeier. Die geschichtliche Auseinandersetzung damit begann erst nach 1990. Heute gebe es in der Evangelischen Landeskirche in Mitteldeutschland (EKM) ein großes Bedürfnis, das Thema aufzuarbeiten, lobte Birkenmeier die Zusammenarbeit mit der EKM bei der Vorbereitung der Ausstellung.

Zu besichtigen ist in Eisenach unter anderem eine erst vor wenigen Tagen im thüringischen Tambach-Dietharz abgehängte Kirchenglocke mit der Inschrift «in Treue zum Christus der Deutschen», die für die nationalistische Umdeutung des christlichen Glaubens steht. Auch ein Lüftungsgitter mit verschlungenen Hakenkreuzen aus der Kirche St. Marien in Bad Berka gehört zu den Ausstellungsstücken.

Zu sehen ist ebenso eine im Jahr 1940 in einer Auflage von 200 000 Exemplaren erschienene Bibel «Die Botschaft Gottes», aus der etwa das alte Testament komplett getilgt wurde. Auch ein «entjudetes» Gesangsbuch aus dem Jahr 1941 wird gezeigt. «Nur 4,4 Prozent des alten Liedgutes wurde unverändert übernommen - hebräische Worte wie Halleluja und Amen wurden gestrichen», sagt Kurator Michael Weise.

Die Ausstellung ist vorerst bis Ende 2021 zu besichtigen. Ob sie verlängert wird, hängt davon ab, wie sie vom Publikum angenommen wird.

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