Selbst der Grasfrosch hüpft der Gefährdung entgegen

15.04.2021 Viele Frösche, Unken und Molche, die im Frühjahr zu ihren Laichgewässern wandern, haben ihren Weg bereits zurückgelegt, Nachzügler gibt es auch wegen der kälteren Temperaturen noch. Doch die Lurche haben noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.

Ein Grasfrosch spiegelt sich in der Wasseroberfläche. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch in Thüringen sehen Experten Lurche zunehmend in Gefahr. «Die Bestände der Amphibien gehen auf erschreckende Weise zurück», sagte Ulrich Scheidt vom Landesfachausschuss Amphibien und Reptilien des Naturschutzbunds (Nabu) Thüringen. «Das hat Konsequenzen für das ganze Ökosystem.»

Sogar bei ursprünglich häufigen Arten wie dem Grasfrosch habe eine besorgniserregende Entwicklung eingesetzt, so dass die Art nun auch auf einer Vorwarnliste zu finden sei. Das sei eine Vorstufe, bevor eine Art tatsächlich auf die Rote Liste gefährdeter Tiere oder Pflanzen aufgenommen werde. Dass der sonst fast allgegenwärtige Grasfrosch inzwischen auch mit Bestandsschwund zu kämpfen habe, sei ein extremes Alarmsignal, sagte Scheidt, der auch Vorsitzender des Vereins Amphibien- und Reptilienschutz in Thüringen ist.

Bei fast allen Arten seien Rückgänge festzustellen, so Scheidt. Als besonders gefährdet gelten in Thüringen laut Roter Liste etwa die Gelbbauchunke, der Moorfrosch, die Wechsel-, Geburtshelfer- und Kreuzkröte sowie der Kammmolch.

«Die Entwicklung hat sehr viel damit zu tun, dass wir trockene Jahre hatten und die Landschaft insgesamt trockener geworden ist», sagte Scheidt. So würden etwa manche Forstarbeiten im Wald den Untergrund entwässern. Aber auch eingeschleppte Amphibienpilze seien ein Problem. Zudem könne der Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft das Grundwasser und andere Gewässer belasten sowie Tiere direkt verletzten: «Stickstoffdünger verätzt Amphibien.»

«Es ist also ein ganz entscheidender Punkt Lebensräume zu erhalten», betonte Scheidt. In der Landwirtschaft könne das etwa bedeuten, breite Schutzstreifen zu Gewässern stehen zu lassen.

Derweil habe die Frühjahrsamphibienwanderung in weiten Teilen Thüringens bereits ihren Höhepunkt überschritten, sagte Scheidt. Verbliebene Tiere würden wegen der kälteren Temperaturen aktuell noch in ihren Erdlöchern verweilen und sich dann auf den Weg zu den Laichgewässern machen, wenn es wieder wärmer werde.

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