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Senioren am Steuer: Eigene Verantwortung ernst nehmen

23.03.2019 - Die freiwillige Abgabe des Führerscheins bleibt in Thüringen einer Umfrage zufolge die Ausnahme. Die Nachfrage nach Verkehrsschulungen steigt aber stetig.

  • Eine 84-jährige Frau sitzt am Steuer ihres Kleinwagens. Foto: Felix Kästle/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine 84-jährige Frau sitzt am Steuer ihres Kleinwagens. Foto: Felix Kästle/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt (dpa/th) - Wenn mit steigendem Alter die Sehkraft und die Reaktionsfähigkeit nachlässt, sollten Autofahrer die eigene Fahrtüchtigkeit kritisch hinterfragen. Doch einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zufolge geben nur wenige Senioren ihren Führerschein freiwillig ab.

In der Regel führen Hinweise der Polizei an die Straßenverkehrsämter zu einer Überprüfung, in deren Folge einige freiwillig auf den Führerschein verzichten. So haben im Altenburger Land in den vergangenen sechs Jahren durchschnittlich elf Senioren pro Jahr nach einer Überprüfung freiwillig ihren Führerschein abgegeben. Im deutlich größeren Kreis Gotha waren es im Schnitt nur vier jährlich, im Kyffhäuserkreis sechs. Erfurt und der Kreis Sonneberg erfassen diese Daten nicht gesondert, gefühlt bewege sich diese Zahl dort aber auch auf einem sehr niedrigen Niveau, hieß es aus der Verwaltung.

«Mit dem Recht, ein Kfz zu führen, kommt auch die Pflicht, dass man die nötigen Voraussetzungen mitbringt», sagte Fahrlehrer Ernst Przybilla. Der 75-Jährige führt seit den 1990ern Fahrkurse für Senioren durch, unter anderem im Auftrag des ADAC. Jeder Autofahrer müsse immer wieder selbst überprüfen, ob er noch fit genug sei, selbst hinter dem Steuer zu sitzen. Im Zweifel seien Fahrfitnessprüfungen ein guter Weg, die eigenen Leistungen zu beurteilen.

«Generell sind ältere Autofahrer besser als ihr Ruf», sagte Cornelius Blanke vom ADAC Hessen-Thüringen. Obwohl Menschen über 65 Jahren rund 21 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten, verursachten sie nur 15 Prozent aller Unfälle. Wenn sie aber in Unfälle verwickelt seien, fielen diese oft deutlich schwerwiegender aus. Eine regelmäßige Überprüfung der Seh- und Hörkraft sowie des Reaktionsvermögens seien daher wichtig - das gelte aber auch für jüngere Fahrer.

«Leider wissen viele Leute gar nicht, dass es viele Angebote für Senioren gibt, um die eigene Fahrtüchtigkeit zu überprüfen», erklärt Ernst Przybilla. «Manche haben vor 50 Jahren ihren Führerschein gemacht - in dieser Zeit hat sich viel geändert.» Viele ältere Fahrer profitierten zwar von ihrer jahrelangen Erfahrung. Neben schwindender Hör- und Sehleistung sei das häufigste Problem aber der Schulterblick: «Der ist beim Linksabbiegen ausschlaggebend - wenn der nicht mehr geht, ist die Fahrtüchtigkeit eigentlich nicht mehr gegeben.» Für die richtige Einschätzung der eigenen Leistung sei ein Fahrfitnesstraining daher sehr wichtig.

Bei der Landesverkehrswacht Thüringen übersteigt die Nachfrage nach solchen Kursen teilweise die Angebotskapazitäten: So hätten im vergangenen Jahr rund 5500 überwiegend ältere Autofahrer an den 287 Verkehrsschulungen teilgenommen, erklärte Geschäftsführerin Dagmar Lemke. Bei den 111 Senioren-Veranstaltungen «Sicher Mobil» waren es rund 1400. Angeboten werden ähnliche Tests auch vom ADAC, dem TÜV und der Dekra. Beim Fahrfitnesscheck des ADAC kommt ein Fahrlehrer nach Hause und führt dort individuelle Testfahrten und Beratungsgespräche durch. Die Gefahr, durch die Teilnahme seinen Führerschein entzogen zu bekommen, besteht indes nicht: Bei keinem der Tests werden die Ergebnisse an die Behörden weitergeleitet.

«Unser Ziel ist es, eine lebenslange Mobilität zu erhalten - aber das muss nicht zwingend mit dem Auto sein», sagte Lemke. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sei zwar etwas weniger bequem, wenn mehr Menschen auf das Auto verzichteten, verbessere sich aber vermutlich auch das Angebot von Bus und Bahn. Beim Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) sind die Abo-Karten für Senioren dem Unternehmen zufolge sehr stark nachgefragt.

Eine gesetzlich vorgeschriebene Fahrprüfung für Senioren lehnen die meisten Experten ab. Auch das Innenministerium sieht angesichts der Unfallbeteiligungszahlen aktuell keinen Handlungsbedarf in diese Richtung.

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