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Spitzenökonom Hüther plädiert für gute Infrastruktur überall

17.08.2019 - Der nahende 30. Jahrestag des Mauerfalls belebt die Debatte um die Ost-West-Unterschiede und die Wirkung staatlicher Förderinstrumente. Für den Ökonomen Michael Hüther ist die Konzentration auf prosperierende Zentren ein Irrweg.

  • Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Foto: Michael Kappeler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Foto: Michael Kappeler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schwerin (dpa/mv) - Für die Angleichung von Wirtschaftskraft und Lebensverhältnissen in Deutschland hält der Spitzenökonom Michael Hüther massive Investitionen in ländliche Regionen für unverzichtbar. Dies betreffe die Verkehrsinfrastruktur ebenso wie die Forschung oder die digitalen Netze. «5G auf Berlin, Leipzig, Dresden oder Rostock beschränken und der Rest muss sehen wo er bleibt. Das wird nicht funktionieren. Wir brauchen schnelles Internet flächendeckend, ohne Ausnahme», betonte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dies werde nicht nur von der Bevölkerung erwartet und von der Wirtschaft verlangt. Es sei auch für eine effizientere Verwaltung und die künftige medizinische Versorgung unverzichtbar.

Hüther trat damit auch den Thesen von Reint Gropp entgegen. Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte die Politik jüngst aufgefordert, insbesondere in Ostdeutschland Mittel und Infrastrukturinvestitionen auf die Großstädte und auf die Anbindung des Umlands an urbane Zentren zu konzentrieren.

«Das ist ökonomisch, gesellschaftlich und politisch nicht rational. Denn es legt nahe, dass es festgelegte Verlustregionen gäbe. Dabei verzeichnen wir nach vielen Jahren der Abwanderung inzwischen wieder eine Rückkehrbewegung in die neuen Länder», sagte Hüther. Dabei zeige sich, dass die zum Teil noch bestehenden Lohnunterschiede kein Hinderungsgrund seien. «Jungen Leuten ist heute oft wichtiger, dass sie Familie und Beruf gut verbinden können und in einer lebenswerten, bezahlbaren Umgebung leben», erklärte Hüther.

Der Ausschluss ganzer Regionen von Infrastrukturinvestitionen sei ein Irrweg. «Wenn man dem folgen würde, hätte man ganz Mecklenburg-Vorpommern schon komplett abschließen müssen», sagte Hüther. Die Realität zeige, dass sich auch überraschende Entwicklungen vollziehen könnten, wenn das Umfeld stimme. So seien die Werften im Nordosten nach vielen schwierigen Jahren wieder zu einem strukturbestimmenden Zweig geworden. «Sicherlich auch mit Glück, weil sich ein Akteur gefunden hat, der ein Marktsegment besetzt, das nach vorne weist.» Statt wenig ertragreicher Containerschiffe werden nach der Übernahme durch einen Großinvestor in Wismar, Rostock und Stralsund heute Kreuzfahrtschiffe gebaut.

Ungeachtet noch bestehender Defizite und Unterschiede zu wirtschaftsstarken Regionen habe Mecklenburg-Vorpommern eine gute Entwicklung genommen. «Wir haben heute eine Arbeitslosenquote von unter sieben Prozent und die Erwerbsquote liegt bei 75 Prozent. Das sind Zahlen, die hätte man vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten», sagte Hüther. Der Ökonom riet aber auch zu Geduld: «Strukturwandel - ob in Ost oder in West - geht nicht von heute auf morgen.»

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