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Videotheken: «Jetzt habe ich keine Konkurrenz mehr»

26.08.2019 - Thüringens Videotheken stehen seit Jahren zwischen Online-Piraterie und Streaming-Diensten. Dennoch halten sich Betriebe in einigen Städten auch heute noch. Wie gehen Betreiber mit den Problemen um?

  • Verschiedene Filme stehen im Regal der Videothek "DeinBuster" zum Verleih bereit. Foto: Martin Schutt © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Verschiedene Filme stehen im Regal der Videothek "DeinBuster" zum Verleih bereit. Foto: Martin Schutt © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erfurt (dpa/th) - Es gibt sie noch, die Videothek um die Ecke. In Thüringen gehört Michael Heiter aus Neudietendorf (Kreis Gotha) zu denen, die die Branche, die ihren Zenit längst überschritten hat, am Leben halten. Seit 2012 leitet er zusammen mit seinem Bruder den Videotheken-Betrieb «Dein Buster». «Wir sind ein klassisches Familienunternehmen», sagte der 38-Jährige. Übernommen haben sie die Videotheken von ihren Eltern, die den Betrieb in den frühen 1990er Jahren gegründet haben.

Die Blütezeit hatte der Betrieb 2006 mit 40 Läden in Deutschland - sechs davon in Thüringen - erreicht. «Dann kam das böse Internet mit den illegalen Seiten», sagt Heiter schmunzelnd. Heute sind es nur noch drei Geschäfte in Thüringen: in Erfurt, Gotha und Mühlhausen. Ein weiteres stehe im sächsischen Chemnitz. Heiter sagt: «Jetzt habe ich keine Konkurrenz mehr» - zumindest dort, wo er aktiv ist.

In Thüringen gab es nach Angaben des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) im vergangenen Jahr noch 15 Videotheken. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 41. Der IVD mit Sitz in Düsseldorf umfasst nach eigener Aussage etwa 80 Prozent der deutschen Videotheken.

«Die Anzahl der Abspielgeräte nimmt bei der jüngeren Generation ab», konstatiert der Wirtschaftswissenschaftler Oliver Budzinski von der Technischen Universität Ilmenau. Er analysiert schon lange die Entwicklung von Märkten und Industrien, vor allem im Medienbereich.

Ohne Abspielmöglichkeiten für DVDs oder Blu-rays beim Verbraucher kämpfen die analogen Videotheken im Zeitalter von digitalen Streaming-Anbietern wie Netflix, Amazon Prime Video und Co. ums Überleben. Längst wirbt die Seite Maxdome mit dem Titel: «Deutschlands größte Online-Videothek».

Jürgen Weinrich, Vorstand des IVD, hebt neben der digitalen Konkurrenz das Thema Online-Piraterie von Filmen hervor. Seit Anfang der 2000er Jahre würde diese stetig wachsen. Für das Problem fordert er politische Lösungen. Illegale Seiten müssten effizienter gesperrt, Betreiber am Upload gehindert und verstärkt von der Polizei angegangen werden.

Auch Heiter verfolgt diese Entwicklung. Das frühere Kerngebiet der Videotheken, der Hollywood-Film-Verleih, sei deutlich schwächer geworden. Den klassischen Betrieb würden zudem mit etwa 25 Prozent der Erotik-Store und mit weiteren 20 Prozent der Spiele-Verleih ausmachen. Diese Felder seien über die Jahre «nicht stärker, sondern stabiler» geworden, so Heiter. Den Altersdurchschnitt der Kunden für das Erotik-Abteil schätzte er auf deutlich über 50 Jahre. 95 Prozent davon seien männlich. Im Spiele-Bereich wiederum sei der Altersdurchschnitt weit jünger. Aber, so Heiter: «Uns fehlt natürlich der Nachwuchs.»

Wegen des demografischen Wandels gibt Budzinski den Videotheken noch 20 bis 25 weitere Jahre bis zum Verschwinden. «Darüber hinaus sehe ich keine Zukunft.» Dass Deutschland vor allem im Bereich des Breitbandausbaus noch ein Entwicklungsland sei, helfe, diesen Prozess um einige Jahre zu verzögern. Grundsätzlich fällt es ihm schwer, einen Vorteil an dem Konzept der Videotheken zu finden. Um am Ende einen Film genießen zu können, müsse der Kunde Fahrtkosten und eine gewisse Planung auf sich nehmen. Sei der Film einmal ausgeliehen, könne man sich abends vor dem Fernseher nämlich nicht mehr einfach für einen anderen Film entscheiden, wie es bei Online-Anbietern möglich sei.

Vor allem am Wochenende ist Heiter aber noch mit der Nutzung seiner Angebote zufrieden. Gerade Einkommensschwächere, die nicht das Geld für eine Kino-Karte oder ein Sky-Abonnement hätten, könnten bei ihm fündig werden. In Erfurt habe «Dein Buster» über 25 Jahre etwa 98 000 Mitglieder gesammelt - das ist, verglichen mit der Einwohnerzahl der Landeshauptstadt, fast jeder zweite Erfurter.

Um auch in Zukunft bestehen zu können, stellen sich Heiter und sein Bruder auch zunehmend breiter auf. So betätigen sie sich mittlerweile etwa im An- und Verkauf von Technik. Seit einiger Zeit würden sie außerdem einen Hüpfburgenverleih führen, der vor allem im Sommer zusätzliche Einnahmen bringe. In dieser Jahreszeit laufe der Verleih im Laden nämlich schlechter.

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