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Wegen Corona: Kleine Feiern für Thüringer Doppeljubiläum

04.10.2020 - Ein großes Bürgerfest sollte es geben, Festakte und die traditionellen Feiern im thüringisch-bayerischen Grenzort Mödlareuth. Doch wegen der Corona-Pandemie fiel der Tag der Deutschen Einheit deutlich kleiner aus. Dabei gab es dieses Jahr sogar mehrere Gründe zum Feiern.

  • Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) im Oldtimer. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) im Oldtimer. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Keine Sternfahrt, keine großen Festakte oder Bürgerfeste, stattdessen Selbstverortung und Ausblick: Die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung sind in Thüringen wegen der Corona-Pandemie kleiner ausgefallen als ursprünglich geplant. Ihre Gedanken zu drei Jahrzehnten Deutsche Einheit äußerten mehrere Landespolitiker im kleineren Rahmen oder virtuell bei Liveübertragungen im Internet. Die zentralen Feierlichkeiten fanden in diesem Jahr in Potsdam statt - ebenfalls im reduzierten Format.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erinnerte anlässlich des Jahrestages an den tiefen Einschnitt in der Geschichte Thüringens, den die Jahre der deutsch-deutschen Teilung hinterlassen haben. Gemeinsam sei man vor 30 Jahren mit Euphorie und Optimismus daran gegangen, Thüringen neu aufzubauen. «Vielen haben sich zuvor nicht vorstellbare Chancen eröffnet; für andere war der gesellschaftliche Umbruch mit tiefen Krisen verbunden», erklärte Ramelow und hob hervor, dass «größte Herausforderungen» gemeistert worden seien. «Diese Leistung in den vergangenen 30 Jahren verdient größte öffentliche Wertschätzung - und das in ganz Deutschland», machte Ramelow klar.

Der 64-Jährige sprach am Samstag vor einem Orgelkonzert in Altenburg ein Grußwort. «Eigentlich hätten wir heute den ganzen Tag das große Bürgerfest Tag der Deutschen Einheit hier in Altenburg - eigentlich», sagte Ramelow vor dem Konzert. Ursprünglich war in der ostthüringischen Stadt unter anderem ein Bürgerfest und ein Festakt anlässlich seines 100. Geburtstags, den Thüringen in diesem Jahr feiert, zum 30. Jahrestag der Wiedergründung des Freistaates nach dem Ende der DDR und zum Tag der Deutschen Einheit geplant.

Auch eine Oldtimersternfahrt aus den alten Hauptstädten der Thüringer Freistaaten von 1918-1920 nach Altenburg war geplant. Doch die Feierlichkeiten fielen wegen der Corona-Pandemie weitgehend aus, statt der Sternenfahrt gab es am Sonntag einen Oldtimerkorso, an dem auch Ramelow teilnahm.

Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU) schrieb bei Twitter: «Die Bescheidenheit, die uns Corona für die Feierlichkeiten heute zum 3. Oktober aufzwingt, steht diesem Feiertag 30 Jahren nach der Wiedervereinigung ausgesprochen gut. Der Weg ist noch weit. Ein Hoch auf die Deutsche Einheit.»

Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt sagte bei einer Festveranstaltung in Geisa (Wartburgkreis), der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung sei «ein Tag der Dankbarkeit, der Chancen und des Mutes». Die Ostdeutschen hätten 1989 die Mauer zum Einsturz gebracht. Er sei dieser Generation dankbar, sagte Voigt.

Die Wiedervereinigung habe den Thüringern Wohlstand, Chancen, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit gebracht. «Wir leben heute im besten Deutschland, das wir jemals hatten», sagte der 43-Jährige. Zuvor hatte er zusammen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am virtuellen Deutschlandfest der Union teilgenommen, das im Internet übertragen wurde. Die traditionellen Feierlichkeiten im thüringisch-bayerischen Grenzort Mödlareuth fielen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus.

Voigt machte bei dem virtuellen Fest auf einen generationenbedingten Unterschied ostdeutscher Lebensbiografien aufmerksam. Er selbst habe den Großteil seines Lebens in einem gemeinsamen Deutschland verbracht, sagte Voigt. «Insofern repräsentiere ich natürlich eine Generation, die viele Chancen bekommen hat», sagte der 43-Jährige.

Es gebe aber auch Menschen, die nach der Wiedervereinigung mit einer biografischen Last konfrontiert waren - etwa weil sie lange Zeit arbeitslos waren. Das Einende sei die Erfahrung, dass man in Deutschland alles erreichen könne, wenn man gemeinsam anpacke.

Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke sagte bei einer AfD-Veranstaltung in Vacha (Wartburgkreis), Deutschland sei heute ein Land im Verfall und im Zerfall. «Es ist ein Land im Niedergang», sagte Höcke. Die Schlüsselindustrien seien «angezählt», der Mittelstand geschwächt, und der gesellschaftliche Umgang verrohe immer mehr.

Man könne aber stolz auf die Wiederaufbauarbeit in Ostdeutschland nach dem Ende der DDR sein, betonte der Rechtsaußen, der als Mitbegründer des inzwischen formal aufgelösten «Flügels» gilt. Der Bundesverfassungsschutz hatte den «Flügel» im März als rechtsextremistische Bestrebung und Höcke als rechtsextremistische Führungsperson eingestuft. Die AfD bildet im Thüringer Landtag die größte Oppositionsfraktion und ist nach der Linken zweitstärkste Kraft.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) griff die AfD zum Tag der Deutschen Einheit in einer live im Internet übertragenen Rede scharf an. «Sie versucht, alles schlechtzureden. Und sie knüpft dabei an Ressentiments an, die extrem gefährlich sind», mahnte der CSU-Chef beim virtuellen «Deutschlandfest» der Union.

Seiner Meinung nach brauche es keine AfD in Deutschland, sagte Söder. Zunächst hätten Teile der Linkspartei die Wiedervereinigung schlecht geredet, um ihr vermeintliches Erbe zu retten. Mittlerweile sei es die AfD. «Die AfD hat einen Teil dieses Erbes der Linkspartei fast schon mental übernommen», sagte Söder. «Eine der größten Gefahren ist das Schlechtmachen, das Zerreden der demokratischen Kultur.» Die AfD stelle die grundlegenden demokratischen Werte infrage. «Das dürfen wir nicht zulassen.»

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