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Berliner Parlament lässt Hertha in der Stadionfrage zappeln

18.05.2018 - Die Berliner Hertha hat ein umfassendes Konzept für ein neues Stadion in der Schublade und trommelt medial eifrig dafür. Das kommt bei den Abgeordneten, die mehr als ein Wörtchen mitzureden haben, nicht unbedingt gut an.

  • Das Olympiastadion in Berlin. Foto: Soeren Stache/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Olympiastadion in Berlin. Foto: Soeren Stache/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Fußball-Bundesligist Hertha BSC kann nicht auf schnelle politische Entscheidungen über ein neues Stadion hoffen. Bei einer Sitzung des Sportausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus am Freitag machten Vertreter aller Fraktionen deutlich, dass aus ihrer Sicht noch viele Fragen offen sind und ein längerer Diskussionsprozess bevorsteht.

Einige Parlamentarier kritisierten die öffentlich dokumentierte Vorfestlegung der Hertha für einen Stadionneubau. «Das ist kein Zeichen von Fairplay», sagte die Grünen-Abgeordnete Nicole Ludwig. «Wir lassen uns nicht unter Druck setzen», betonte der FDP-Politiker Stefan Förster.

Der Mietvertrag für das Olympiastadion läuft 2025 aus. Hertha setzte auf einen Neubau, den der Verein selbst finanzieren will. Der Senat fürchtet dagegen finanzielle Einbußen von bis zu 7 Millionen Euro jährlich und favorisiert den Hertha-Verbleib in seiner alten Arena. Beide Seiten verhandeln seit Juli 2017 darüber.

In der Vorwoche hatten sie mitgeteilt, dass sie zwei Varianten für «technisch realisierbar» halten: den Umbau des Olympiastadions, den das Land bezahlen müsste, oder einen vom Verein bezahlten Neubau im Olympiapark nebenan. Da dieser auf einem landeseigenen Grundstück entstehen würde, hat das Abgeordnetenhaus das letzte Wort.

Sportsenator Andreas Geisel (SPD), Vertreter der Hertha und von Architekturbüros präsentierten im Ausschuss Details zu beiden Varianten. Der Umbau des rund 75 000 Zuschauer fassenden Olympiastadions würde demnach 190 Millionen Euro kosten und unter anderem eine Absenkung des Spielfeldes sowie und die Möglichkeit umfassen, den oberen Ring mit LED-Wänden auszukleiden. So könnte dem Hertha-Wunsch Rechnung getragen werden, die Fans näher ans Spielfeld zu bringen und für mehr Atmosphäre zu sorgen.

Bei Bedarf - genannt wurde eine Leichtathletik-WM - könnte zeitweise eine Laufbahn eingefügt werden. Das würde 5 Millionen Euro kosten und die Kapazität auf 56 800 Zuschauer reduzieren.

Der Geschäftsführer der Hertha BSC Olympiastadion GmbH, Klaus Teichert, sowie Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller unterstrichen den Wunsch des Vereins nach einer neuen Fußballarena mit 55 000 Plätzen. Die Hertha sei der einzige Erstligist, der bislang nicht über ein solches Stadion verfüge, und der Standort im Olympiapark sei ideal.

Ihr Konzept, dessen Gesamtkosten offen sind, umfasst auch ein Parksystem und eine Anbindung an S- und U-Bahn. Die Schallemissionen seien leiser als beim Olympiastadion. «Es wird aber nicht die Ruhe des benachbarten Geländes sein, dem Friedhof auf der Heerstraße», fügte Teichert süffisant hinzu.

«Was wir hier anbieten, ist eine partnerschaftliche Lösung mit dem Land Berlin», betonte Schiller. Der Verein sei sogar bereit, bei der Entwicklung und Umsetzung eines Nachnutzungskonzepts für das Olympiastadion «eine aktive Rolle» zu spielen.

«Vorzugsvariante des Landes Berlin ist sicherlich, dass Hertha weiter im Olympiastadion spielt», sagte Geisel. «Aber wir müssen zur Kenntnis nehmen, das Hertha eindeutige Vorstellungen hat - und das ist auch legitim.»

Dem Senat sei «essenziell» wichtig, dass es im Falle eines Neubaus ein tragfähiges Nachnutzungskonzept für das Olympiastadion, keine Konkurrenz zwischen beiden Stadien, eine komplette Finanzierung durch den Verein und eine Fertigstellungsgarantie gebe.

Verhandelt werden muss auch über ein Erbbaurecht für das teilweise denkmalgeschützte Grundstück und die Konditionen. Zudem befinden sich auf dem anvisierten Stadiongelände Einrichtungen der Sportjugend sowie 24 Wohnungen. Sie müssten im Falle eines Neubaus weichen.

Etliche Abgeordnete forderten mehr Fakten zu den konkreten Planungen und Auswirkungen, darunter zu etwaigen Erschließungskosten, Namensrechten am möglichen neuen Stadion - und vor allem zu Nachnutzungskonzepten für das Olympiastadion. Der Linke-Abgeordnete Philipp Bertram hält auch das Szenario, keine der beiden Varianten umzusetzen und alles beim alten zu belassen, für nicht vom Tisch.

Geisel widersprach: «Die Variante «Es passiert gar nichts» gibt es nicht.» Am Olympiastadion gebe es erheblichen Investitionsbedarf von geschätzt 30 bis 40 Millionen Euro in den kommenden 10 bis 15 Jahren. «Geld wird das Land Berlin jedem Fall an die Hand nehmen müssen.»