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Im Winterdienst

10.01.2020 - Bei uns zu Lande sind sie völlig deplatziert und zu Recht nur Exoten. Doch in Nordamerika sind große Pick-ups wie der Nissan Titan alltagstaugliche und deshalb alltägliche Autos. Wer mit dem gemütlichen Giganten durch die winterlichen Rocky Mountains rollt, kann das gut verstehen.

  • Der Nissan Titan hat genug Bodenfreiheit auch für die dicksten Schneeverwehungen © Benjamin

    Der Nissan Titan hat genug Bodenfreiheit auch für die dicksten Schneeverwehungen © Benjamin Bessinger/SP-X

  • Obwohl der Titan also ein Nutzfahrzeug im besten Sinne ist, bietet er fast so viel Komfort wie eine Oberklasse-Limousine ©

    Obwohl der Titan also ein Nutzfahrzeug im besten Sinne ist, bietet er fast so viel Komfort wie eine Oberklasse-Limousine © Nissan

  • Und die Sitzposition in den riesigen Sesseln ist so erhaben, dass man sich zwar beim Ein- oder besser beim Aufsteigen ein bisschen anstrengen muss, sich dann aber vom ersten Meter an wie der King of the Road fühlt ©

    Und die Sitzposition in den riesigen Sesseln ist so erhaben, dass man sich zwar beim Ein- oder besser beim Aufsteigen ein bisschen anstrengen muss, sich dann aber vom ersten Meter an wie der King of the Road fühlt © Nissan

  • Spätestens wenn es zum Wintersport geht, erweist sich so ein Pritschenwagen auch als ungeheuer praktisches Auto ©

    Spätestens wenn es zum Wintersport geht, erweist sich so ein Pritschenwagen auch als ungeheuer praktisches Auto © Nissan

  • Dass dieser Gigant auch einen gigantischen Durst hat und sich auf 100 Kilometern mindestens 15, gerne aber auch mal 20 oder mehr Liter gönnt, tut der Faszination keinen Abbruch ©

    Dass dieser Gigant auch einen gigantischen Durst hat und sich auf 100 Kilometern mindestens 15, gerne aber auch mal 20 oder mehr Liter gönnt, tut der Faszination keinen Abbruch © Nissan

  • Wenn man den schweren Stiefel fest auf das riesige Pedal stellt, brüllt der Achtzylindermächtig auf ©

    Wenn man den schweren Stiefel fest auf das riesige Pedal stellt, brüllt der Achtzylindermächtig auf © Nissan

SP-X/Revelstoke/Kanada. Es ist Weihnachten und die Gegend um Revelstoke ein winterliches Wunderland. Denn während sich Frau Holle in Deutschland über die Festtage in weiten Teilen mal wieder einen lauen Lenz gemacht hat, lässt sie das Jahr bald 10.000 Kilometer weiter im Westen mit reichlich Überstunden ausklingen. Obwohl hier am Fuß der Rocky Mountains seit dem Herbst schon über 3 Meter Schnee gefallen sind, wirft sie mit ihrem weißen Pulver noch einmal eine dicke Decke übers Land. Und anders als bei uns bricht dabei auf den Straßen nicht einmal das Chaos aus.

Das mag daran liegen, dass der Kanadier an sich solch ein Wetter gewohnt ist und dass er es gemeinhin etwas gemütlicher angehen lässt als der Deutsche in seinem Dauerstress – erst recht in den Tagen um Weihnachten. Doch es liegt ganz sicher auch am Fuhrpark. Denn während sich bei uns bald jedes zweite Auto SUV schimpft und trotzdem die Hälfte der Autofahrer nicht  vor Kälte, sondern wegen der Glätte die Knie schlottern, sind sie hier mehrheitlich mit Autos unterwegs, mit denen man sich tatsächlich ins Gelände wagen kann: Mit großen, fetten Pick-ups zum Beispiel vom Schlage eines Nissan Titan, neben denen auch eine Mercedes G-Klasse ziemlich zierlich wirkt und ein VW Tiguan fast verloren wirkt.

Bei uns eher deplatziert und deshalb zu Recht Exoten, die nur über die freien Importeure ins Land kommen, sind die Pritschenwagen hier eine alltägliche Erscheinung, weil sie so gut in den Alltag passen. Erst recht, wenn es Winter wird in den Rocky Mountains.

Der Titan jedenfalls hat genug Bodenfreiheit auch für die dicksten Schneeverwehungen, sein 5 Liter großer V8 ist mit 390 PS und vor allem mit 535 Nm ein zuverlässiger Begleiter durch eine eisige Winternacht und wenn man den Allradantrieb zuschaltet, verspannt sich zwar der gesamte Triebstrang und der mit seinen 5,80 Metern Länge und ohnehin schon sperrige Titan wird noch unhandlicher, karzt in engen Kurven, als würde gleich der Leitrahmen brechen und zwingt selbst in den riesigen Parkhäusern Nordamerikas zum Rangieren in einem halben Dutzend Zügen. Aber dafür wühlt er sich so tapfer durch den Winter wie ein Grizzly auf dem Weg zu seiner Schlafhöhle. Und wenn es noch dicker kommt, gibt es ja schließlich auch noch eine Gelände-Untersetzung.

Wo die wenigen Limousinen und die paar gewöhnlichen SUV, die sich hier im Winter auf die Straße trauen, im Schritttempo über den frisch eingeschneiten Pass zwischen Whistler und Kamloops zuckeln, schreitet der Gigant im Winterdienst zuversichtlich aus, stampft unbeirrt dem Scheitelpunkt entgegen und zieht souverän sogar am Schneepflug vorbei.

Und so ein Pick-Up ist um diese Jahreszeit nicht nur deshalb das perfekte Alltagsauto, weil er Eis und Schnee die kalte Schulter zeigt. Spätestens wenn es zum Wintersport geht, erweist sich so ein Pritschenwagen auch als ungeheuer praktisches Auto. Klar, die Schlittschuhe, die sie hier in Kanada schon tragen, noch bevor sie so richtig laufen können, die passen in jeden Kleinwagen. Und das Snowboard knäult man auch irgendwie in den Kofferraum. Doch schon bei den ebenso breiten wie langen Latten der Backcountry-Skifahrer wird es schwierig. Und wer in Gegenden wie diesen von Wintersport spricht, der meint schnell auch mal ein Schneemobil, von denen der Titan auf seiner riesigen Pritsche problemlos auch mal zwei schultert.

Obwohl der Titan also ein Nutzfahrzeug im besten Sinne ist, bietet er von den klimatisierten Sitzen bis zum Online-Infotainment und vor allem der äußerst hilfreichen 360-Grad-Kamera fast so viel Komfort wie eine Oberklasse-Limousine – und dazu deutlich mehr Platz. Schließlich ist schon das Fach in der Mittelkonsole größer als manch ein Kofferraum, von dem Dutzend Cupholdern ganz zu schweigen. Und die Sitzposition in den riesigen Sesseln ist so erhaben, dass man sich zwar beim Ein- oder besser beim Aufsteigen ein bisschen anstrengen muss, sich dann aber vom ersten Meter an wie der King of the Road fühlt. Und was anderen Königen das Zepter, das ist dem Titan-Fahrer der Wählhebel der Automatik, der groß und klobig aus dem Lenkrad ragt. Damit, so zumindest fühlt es sich an, könnte man auch die Welt aus den Angeln heben. Und der überraschend üppige Antritt des immerhin knapp drei Tonnen schweren Giganten verleiht diesem Gefühl den nötigen Nachdruck. Denn wenn man den schweren Stiefel fest auf das riesige Pedal stellt, brüllt der Achtzylinder nicht nur mächtig auf. Der sanfte Riese zeigt sich dann auch plötzlich von seiner sportlichen Seite, reckt den hohen Bug keck in den Wind und walzt davon wie eine Lawine.

Dass dieser Gigant auch einen gigantischen Durst hat und sich auf 100 Kilometern mindestens 15, gerne aber auch mal 20 oder mehr Liter gönnt, tut der Faszination keinen Abbruch – erst recht nicht, wenn der Liter Benzin umgerechnet kaum mehr als einen Euro kostet. Und selbst über den Klimawandel macht man sich hier nicht nennenswert Gedanken. Ja, sie trennen ihren Müll und schalten am späten Abend das Flutlicht auf den Loipen aus. Doch anders als in den Alpen fürchtet hier niemand, dass der Spaß mit dem Schnee bald vorbei sein könnte. Während sie in St. Anton oder Gstaad immer mehr Kunstschnee produzieren müssen, denken sie im beschaulichen Silverstar nicht im Traum daran, Frau Holle zu helfen und haben deshalb keine einzige Schneekanone im Betrieb. Warum auch, bei durchschnittlich 7 Metern Schneefall pro Saison. Und das, obwohl das Gebiet kaum mehr als auf 2.000 Meter liegt - und auch dem Parkplatz am Fuß des Hügels mehr Pick-ups stehen als gewöhnliche Geländewagen. Und von einem normalen Pkw ist hier sowieso weit und breit nichts zu sehen.

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