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Abfahrten im Tiefschnee Westkanadas

16.12.2019 - Weg von der Piste: Wer einmal das Glücksgefühl einer Fahrt im Pulverschnee erlebt hat, will immer mehr davon - und irgendwann mal seine Schwünge im legendären «Champagne Powder» ziehen.

  • Hüfttief im Powder versinken: Von solchen Abfahrten abseits der Piste träumen viele Skifahrer. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Hüfttief im Powder versinken: Von solchen Abfahrten abseits der Piste träumen viele Skifahrer. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • In den kanadischen Coast Mountains, wo der Heliski-Anbieter Bella Coola Sports operiert, fallen jedes Jahr enorme Schneemengen. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    In den kanadischen Coast Mountains, wo der Heliski-Anbieter Bella Coola Sports operiert, fallen jedes Jahr enorme Schneemengen. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Norman Kreutz ist Skischuldirektor des Silverstar Resorts in British Columbia. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Norman Kreutz ist Skischuldirektor des Silverstar Resorts in British Columbia. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Tiefschneespaß zwischen Bäumen: «Tree Skiing» nennen die Nordamerikaner die Abfahrten durch Wälder. F. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Tiefschneespaß zwischen Bäumen: «Tree Skiing» nennen die Nordamerikaner die Abfahrten durch Wälder. F. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die Heli-Piloten steuern nicht einfach irgendwelche Gipfel an: Abgesetzt werden die Gruppen nur auf bekannten Plätzen. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Heli-Piloten steuern nicht einfach irgendwelche Gipfel an: Abgesetzt werden die Gruppen nur auf bekannten Plätzen. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Auch gewagte Sprünge sind hier drin: Das Backcountry von Lake Louise ist eine Spielwiese für Freerider. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auch gewagte Sprünge sind hier drin: Das Backcountry von Lake Louise ist eine Spielwiese für Freerider. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Rund um Revelstoke fliegt der Anbieter Selkirk Tangiers Freerider zu unberührten Hängen in den Rocky Mountains - und sammelt sie nach jeder Abfahrt wieder ein. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Rund um Revelstoke fliegt der Anbieter Selkirk Tangiers Freerider zu unberührten Hängen in den Rocky Mountains - und sammelt sie nach jeder Abfahrt wieder ein. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Andrew McNab ist Guide beim Heliskiing-Anbieter Selkirk Tangiers. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Andrew McNab ist Guide beim Heliskiing-Anbieter Selkirk Tangiers. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Thomas Braun ist Technischer Leiter Ausbildung beim Deutschen Skiverband. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thomas Braun ist Technischer Leiter Ausbildung beim Deutschen Skiverband. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Der Ort Banff ist Namensgeber des Banff National Park mit den berühmten Skiresorts Lake Louise und Sunshine Village. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Ort Banff ist Namensgeber des Banff National Park mit den berühmten Skiresorts Lake Louise und Sunshine Village. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Beim Catskiing transportiert eine Pistenraupe, in Nordamerika «Cat» genannt, die Skifahrer den Berg hinauf. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Beim Catskiing transportiert eine Pistenraupe, in Nordamerika «Cat» genannt, die Skifahrer den Berg hinauf. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Schlechtwetteralternative auf Ketten: Wenn die Helikopter nicht starten dürfen, bringen Pistenraupen die Wintersportler zu Tiefschneehängen. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Schlechtwetteralternative auf Ketten: Wenn die Helikopter nicht starten dürfen, bringen Pistenraupen die Wintersportler zu Tiefschneehängen. Foto: dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Beinahe schwerelos tänzelt der Skifahrer in Revelstoke den Hang hinunter. Fast bis zur Hüfte taucht er ein, um sich dann wieder aus dem aufstäubenden Schnee herauszukatapultieren.

Wie auf einer unsichtbaren Wellenbahn gleiten seine Ski rhythmisch durch den Pulverschnee vor der majestätischen Kulisse der Selkirk Mountains. Solche Abfahrten machen süchtig nach Powder.

Die aus Nordamerika stammende Bezeichnung für besonders trockenen Schnee hat sich längst auch in der hiesigen Ski- und Snowboardszene eingebürgert. Tiefschneefahrer gehen zum Powdern und bezeichnen sich selbst als Freerider. Da schwingt schon das Gefühl von Freiheit mit, das sie empfinden, wenn ihr Körper beim Wedeln durch unberührten Schnee fernab der Skipisten von Glückshormonen geflutet wird.

Powder entsteht bei üppigem Schneefall, trockener Luft und Kälte. Bedingungen, mit denen Westkanada Tiefschnee-Junkies lockt.

Sehnsuchtsziele für Skifahrer und Snowboarder

«Die Provinzen Alberta und British Columbia sind für Skifahrer und Snowboarder wahre Sehnsuchtsziele», erzählt Norman Kreutz. Das gelte gerade für Deutsche. Der Skischuldirektor des Silverstar Resorts in British Columbia weiß, wovon er spricht: Die Familie des langjährigen Chefausbilders des kanadischen Skilehrerverbands kommt aus Köln.

Doch es sind nicht allein der pulvrige Schnee und die jährlichen Schneefallmengen von durchschnittlich acht bis zwölf Meter, warum europäische Wintersportler nach Kanada fahren. «Es sind die unendlich vielen Möglichkeiten zum Fahren im unpräparierten Gelände», erklärt Kreutz.

In nordamerikanischen Skigebieten muss man nicht auf den Pisten bleiben. Das gesamte Areal ist freigegeben - und wird von der Ski Patrol auf Lawinen oder andere Gefahren hin überwacht. Außerdem wird nach nächtlichen Schneefällen ein Teil der Pisten nicht präpariert. Das ermöglicht Tiefschneefahrten im gesicherten Gelände.

Naturslalom abseits der Piste

In Silver Star sind die zahlreichen Waldabfahrten ein Eldorado für Könner. «Tree Skiing» nennen die Nordamerikaner das Skifahren durch die Wälder, die viel lichter sind als in Europa. Die Baumriesen haben im unteren Viertel ihrer Stämme meist keine Äste, sodass zwischen den weit auseinander stehenden Bäumen viel Platz bleibt. «Das ist perfekt für unseren Naturslalom», erzählt Kreutz.

Besonders schöne Wald- und Geländeabfahrten gibt es in den Skigebieten von Lake Louise und Sunshine Village in der Provinz Alberta. Die berühmten Skiresorts im Banff-Nationalpark liegen im Herzen der Rocky Mountains.

Westlich des Hauptkamms schließen sich die in der Tiefschneeszene legendären Gebiete des sogenannten «Powder Highways» an. Von Fernie führt dieser im Südwesten bis Whitewater und Red Mountain, wo mit Big Red Cats der größte Catskiing-Anbieter der Welt beheimatet ist, und nach Nordwesten über Panorama und Kicking Horse bis Revelstoke.

Die Heimat des Heliskiing und Catskiing

Revelstoke das Städtchen am Columbia River, bietet unendliche Freeride-Möglichkeiten im Skigebiet und rundherum in den Bergketten Selkirk und Monashees. Häufig viele Kilometer von der nächsten Stadt entfernt, verstecken sich dort Lodges für Heli- und Catskiing.

Beides wurde in British Columbia erfunden. Beim Heliskiing werden Wintersportler mit Hubschraubern auf Gipfel geflogen, von denen sie - meist angeführt von einem Skibergführer und ausgerüstet mit einer in Lawinenschutzausrüstung - über unberührte Hänge ins Tal gleiten. Beim Catskiing übernimmt eine in Nordamerika «Cat» genannte Pistenraupe den Transport hinauf auf den Berg.

Bis heute ist der Westen Kanadas der Hotspot und Revelstoke die Hauptstadt des Heliskiings. Heliskiing-Erfinder und -Marktführer Canadian Mountain Heliskiing (CMH) betreibt in und rund um Revelstoke gleich fünf Lodges. Platzhirsch Selkirk Tangiers Heliskiing startet direkt vom Ortsrand aus. Das mittlerweile zum Skigebiet Revelstoke Mountain Resort zählende Unternehmen bietet ebenso wie Purcell in Golden oder RK in Panorama auch Ein- oder Zweitages-Pakete an.

«Das sogenannte Daily Heliskiing ist ideal für alle, die sich vorsichtig herantasten wollen», erklärt Andrew McNab, Guide bei Selkirk Tangiers. Denn viele Europäer hätten großen Respekt vor dem Skifahren in der Wildnis. Schließlich seien die meisten zu Hause ja überwiegend auf präparierten Hängen unterwegs. McNab meint aber: «Wer dort schwarze Pisten souverän meistert und körperlich fit ist, muss sich keine Sorgen machen.»

Dennoch sollte man sich mit Kraft- und Ausdauertraining sowie skitechnisch vorbereiten. «Viele Skischulen bieten dazu spezielle Tiefschneecamps oder Einzelunterricht und auch Safety-Kurse an», wie Thomas Braun vom Deutschen Skiverband (DSV) berichtet.

Heliskiing hat seinen Preis

Heliskiing ermöglicht Tiefschneeerlebnisse, die sonst allenfalls sehr konditionsstarken Tourengehern vergönnt sind. Während die aber meist nur auf eine Traumabfahrt pro Tag kommen, sind es beim Freeriden mit Helikopter zehn bis fünfzehn. Das hat allerdings seinen Preis: Ein Tag Heliskiing kostet rund 800 Euro, eine ganze Woche mindestens 6000 Euro - Catskiing rund die Hälfte.

Auch für die Natur hat das exklusive Skivergnügen seinen Preis, monieren Umweltschützer. Sie beklagen den CO2-Ausstoß durch die Anreise mit dem Flugzeug und die Hubschrauber sowie die Belastung für die Natur. Wobei die Kritik in Europa lauter ist als in Kanada. Dort haben Umweltverbände eher die Öl-, Gas- und Holzindustrie im Visier.

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