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Salvador Sobral: Musik wie tanzende Regentropfen

02.04.2019 - Als Salvador Sobral 2017 den Eurovision Song Contest mit leisen Tönen nach Portugal holt, ist nicht nur seine Heimat hingerissen. Dann aber muss er lange ins Krankenhaus. Jetzt meldet sich der Jazzsänger zurück - mit feinfühligen Balladen und der Hommage an ein Road Movie.

  • Zwischen Paris und Lissabon: Salvador Sobral. Foto: WMG © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Zwischen Paris und Lissabon: Salvador Sobral. Foto: WMG © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Salvador Sobral steht in der Mitte einer Landstraße, unprätentiös in Sneakers und dunkler Wolljacke. Die Haare sind etwas kürzer als zuvor, die Augen blicken leicht zusammengekniffen und träumerisch in die Ferne.

Das Cover des neuen Albums des portugiesischen ESC-Gewinners von 2017 ist wie eine Metapher für das, was der Sänger in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat - und für den Punkt, an dem er sich heute befindet: Der 29-Jährige steht nach seiner Herztransplantation Ende 2017 wieder mitten im Leben.

«Paris, Lisboa» heißt Sobrals zweites Studiowerk. Wer bei dem Titel unwillkürlich an Wim Wenders' melancholisches Road Movie «Paris, Texas» denkt, der irrt nicht.

«Es handelt sich um eine Hommage an meinen absoluten Lieblingsfilm», sagte Sobral der Deutschen Presse-Agentur. «Ich liebe einfach, wie es in dem Streifen um eine konstante Suche geht, immer auf der Spur von etwas, aber nie genau wissend von was. Mit der Musik ist es das Gleiche: Ich halte immer nach etwas Ausschau, suche und forsche.»

Zudem, fügt der Musikpoet mit der facettenreichen Stimme hinzu, sei er in der Entstehungsphase des Albums immer zwischen Paris und seiner Heimatstadt Lissabon gependelt, «entweder physisch oder gefühlsmäßig». So hat er dazu passend mit «La Souffleuse» auch ein Chanson auf Französisch eingespielt, «zum ersten Mal», wie er sagt.

Ein Rückblick. Mai 2017, das Finale des Eurovision Song Contest in Kiew. Mit der zarten Jazz-Ballade «Amar Pelos Dois» (Liebe für zwei) ist Salvador Sobral einer der wenigen Teilnehmer, der in seiner Muttersprache und nicht auf Englisch singt. Irgendwie will das Lied so gar nicht ins üblicherweise leicht verdauliche Pop-Muster des Wettbewerbs passen.

Da steht er, der frühere Psychologiestudent, bewegt sich ungelenk im schlecht sitzenden Jackett, schließt immer wieder die Augen und kokettiert mit dem Mikrofon, ganz in seiner Musik aufgehend und fast vergessend, dass ihm ein Millionenpublikum zuschaut. Kein Chor, keine Lichtshow, keine Tänzer. Die Zuschauer sind hingerissen, und Sobral gelingt das nie Dagewesene: Zum ersten Mal holt er den Sieg nach Portugal.

Es folgen zahlreiche Auftritte, dann kommt die Hiobsbotschaft. Im September 2017 gibt der unter einer Herzschwäche leidende Künstler unter dem Titel «Ate já» (Bis bald) sein vorerst letztes Konzert. Mehrmals bricht er in Tränen aus, hält sich die Hände vors Gesicht. Das zermürbende Warten auf ein passendes Spenderherz beginnt. Portugiesische Medien berichten zwischenzeitlich, der in einer Klinik bei Lissabon liegende Sänger werde immer schwächer. Kaum jemand glaubt noch daran, dass er es schaffen wird, im Mai 2018 beim ESC in Lissabons Altice Arena auf der Bühne zu stehen.

Dann, Mitte Dezember 2017, endlich die gute Nachricht: Sobral wird ein Spenderorgan eingepflanzt. Fünf Monate später begeistert er beim Eurovision Song Contest als Pausen-Act gleich mit zwei Liedern: Seinem Siegtitel vom Vorjahr, den er im Duett mit der brasilianischen Musiklegende Caetano Veloso singt, und «Mano a mano», einem ersten Vorgeschmack auf «Paris, Lisboa». Auf dem Album ist der sehnsuchtsvolle Song, in dem Klaviertöne wie tanzende Regentropfen mit der Lyrik verschmelzen, nun als neue Version im Duett mit dem portugiesischen Fado-Star António Zambujo zu hören.

Wie beschreibt der erklärte Chet-Baker-Fan selbst die zwölf Songs seines neuen Werks? «Das Album besteht aus einer Gruppe von Liedern, die mich inspirieren. Einige stammen von mir selbst, andere von Komponisten, die ich zutiefst bewundere», sagt er mit Blick etwa auf Jenna Thiam, Joel Silva oder Júlio Resende sowie seine Schwester, die Jazzmusikerin Luísa Sobral, die ihm bereits die ESC-Ballade «Amar Pelos Dois» geschrieben hatte.

Mit Luísa im Duett singt er auch das romantische «Prometo Não Prometer». Das eingängige, auf Englisch eingesungene «Playing With The Wind», das prominent von Streichern und einem Piano unterlegte «Grandes ilusiones» (auf Spanisch) sowie zwei Cover-Versionen von Stücken des brasilianischen Songwriters Lupicínio Rodrigues («Ela disse-me assim») und vom portugiesischen Duo Francisca Cortesão und Afonso Cabral (die ungewohnt beschwingt-fröhliche Single-Auskopplung «Anda estragar-me os planos») runden das virtuose Repertoire ab.

«Alles in allem würde ich sagen, dass dieses Album 'reifer' ist als mein Debütalbum 'Excuse Me'. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt weiß, welche Art von Musik ich machen möchte», fasst Sobral, der Ende April auf Deutschlandtour ist, seinen neuen Wurf zusammen und fügt augenzwinkernd hinzu: «Aber das könnte sich morgen auch schon wieder ändern, wer weiß?»

Konzerttermine: Essen 23.4., Frankfurt 24.4., Hamburg 25.4., Berlin 27.4., Nürnberg 28.4., Stuttgart 30.4., Zürich 1.5.

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