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Erste Verurteilung wegen Silvesterrandale in Leipzig

08.01.2020 - Eine Woche nach den Ausschreitungen zu Silvester in Leipzig steht ein erster Beteiligter vor Gericht. Der Mann wird verurteilt. Zu den schwerwiegendsten Vorwürfen kann er allerdings nichts sagen.

  • Polizisten in der Silvesternacht an einer Kreuzung im Stadtteil Connewitz. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Polizisten in der Silvesternacht an einer Kreuzung im Stadtteil Connewitz. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach nur einer Stunde war der erste Prozess zur Silvesterrandale in Leipzig-Connewitz vorbei: Ein 27-Jähriger wurde am Mittwoch im Amtsgericht Leipzig wegen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der Mann hatte einem rennenden Polizisten ein Bein gestellt. Das gab er zu. Zudem soll der Verurteilte 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er akzeptierte den Schuldspruch in dem beschleunigten Verfahren sofort. «Das war eine riesengroße Dummheit, was ich da gemacht habe», sagte der Straßenkünstler.

Der 27-Jährige war eher eine Randfigur in dem gewalttätigen Geschehen auf dem Connewitzer Kreuz in dem als linksalternativ geltenden Stadtteil Leipzigs. Mit dem schwerwiegendsten Tatvorwurf aus der Silvesternacht - einem versuchten Mord an einem 38 Jahre alten Polizisten - hatte er laut Staatsanwaltschaft nichts zu tun. Diese Angreifer sind noch nicht identifiziert. Die Polizei geht von Linksextremisten aus. Die Staatsanwaltschaft ermittele dazu weiter gegen Unbekannt, sagte Behördensprecher Ricardo Schulz am Mittwoch.

Der nicht vorbestrafte Angeklagte war direkt nach der Tat gefasst worden und saß seitdem in U-Haft. Eine Erklärung für die Attacke konnte er nicht liefern. «Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Das war ein riesengroßer Fehler», sagte er. Er sei das erste Mal zu Silvester in Connewitz gewesen, auch erst nach Mitternacht dort eingetroffen. Er lebe gar nicht in dem Stadtteil im Süden der Stadt, sondern bei seiner Freundin im Osten. Der 27-Jährige berichtete dem Amtsrichter zu seinen Lebensumständen, dass er nach der Hauptschule jahrelang als Jongleur und Akrobat in Europa unterwegs gewesen sei.

Der angegriffene Bereitschaftspolizist sagte aus, dass die Attacke für ihn überraschend gekommen sei. Er sei gerannt und habe den großgewachsenen, lockigen Angeklagten noch aus den Augenwinkeln neben sich gesehen: «Und dann bin ich, wie man so schön sagt, volle Kanne in den Boden eingerastet. Also gestürzt.» In seiner Schutzausrüstung sei er mehrere Meter über den Boden gerutscht. Er habe nach dem Sturz Schmerzen im Arm und am Knöchel verspürt. Der Angeklagte entschuldigte sich auch bei dem Polizisten ausdrücklich.

Der Verteidiger des 27-Jährigen hatte lediglich eine Geldstrafe für den Mann gefordert. Amtsrichter Uwe Berdon folgte in seinem Urteil allerdings dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. «Es ist glimpflich ausgegangen. Aber: Es ist eine Straftat», sagte Berdon zu dem Angeklagten. «Mit jedem Angriff auf Vollstreckungsbeamte stellt man das staatliche Gewaltmonopol infrage.»

Mit dem rechtskräftigen Urteil ist die juristische Aufarbeitung der Geschehnisse noch lange nicht vorbei. Die Staatsanwaltschaft führe noch elf weitere Strafverfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte, sagte Schulz. Drei von ihnen im Alter von 29, 30 und 32 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Zudem gibt es ein allgemeines Verfahren gegen Unbekannt wegen Landfriedensbruchs sowie die Ermittlungen wegen der heftigen Tritte gegen den 38 Jahre alten Polizisten. Dieser lag mehrere Tage im Krankenhaus.

Zu Silvester hatten sich laut Polizei mehr als 1000 Menschen am Connewitzer Kreuz versammelt. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz. Nach Mitternacht eskalierte die Situation. Hinterher gab es auch Kritik an der Einsatztaktik der Polizei. Die Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel, die Silvester am Connewitzer Kreuz beobachtet hatte, und andere Kritiker verurteilten ein «rabiates Vorgehen» der Beamten. Zudem hatte die Polizei in einer ersten Mitteilung davon gesprochen, dass der schwer verletzte Polizist notoperiert werden musste, dies aber später konkretisiert.

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