Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

50 plus 3,2,1 - meins

05.02.2018 - Knapp 20 Jahre ist es her, dass der DFB die sogenannte „50+1“-Regel in seine Satzung aufgenommen hat. Dies mit dem Ziel zu verhindern, dass „England-like“ wildfremde Investoren die wirtschaftliche Mehrheit in einem Bundesligaklub übernehmen können. Lediglich, wenn ein Wirtschaftsunternehmen mehr als 20 Jahre den Fußball des jeweiligen „Muttervereins“ ununterbrochen und erheblich gefördert hat, kann die DFL hiervon Ausnahmegenehmigungen erteilen.

  • Nachdenklich: Martin Kind stieg 1997 bei Hannover 96 ein, als der Klub in der Regionalliga spielte. Inzwischen investierte der Hörgeräteakustiker Millionen und möchte dafür nun auch offiziell die Macht haben - Foto:...

    Nachdenklich: Martin Kind stieg 1997 bei Hannover 96 ein, als der Klub in der Regionalliga spielte. Inzwischen investierte der Hörgeräteakustiker Millionen und möchte dafür nun auch offiziell die Macht haben - Foto: Norbert Schmidt © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Diese Fans von Hannover 96 haben eine klare Meinung. Aber ganz ohne finanzielle Unterstützung würde ihr Klub wohl bald wieder in der 2. Liga spielen - Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 /...

    Diese Fans von Hannover 96 haben eine klare Meinung. Aber ganz ohne finanzielle Unterstützung würde ihr Klub wohl bald wieder in der 2. Liga spielen - Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Martin Harnik (l.) macht nicht nur auf dem Platz eine gute Figur – sondern schaut auch über den Tellerrand hinaus – Foto: Peter Steffen © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 / dpa – Deutsche Presse-Agentur

    Martin Harnik (l.) macht nicht nur auf dem Platz eine gute Figur – sondern schaut auch über den Tellerrand hinaus – Foto: Peter Steffen © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Axel Hellmann hat Pläne für eine 50+1-Relung in der Schublade, die möglichst allen gerecht wird – Foto: Frank Rumpenhorst ©  dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 /  dpa – Deutsche Presse-Agentur

    Axel Hellmann hat Pläne für eine 50+1-Relung in der Schublade, die möglichst allen gerecht wird – Foto: Frank Rumpenhorst © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Von diesen "50+1"-Ausnahmenregelungen profitierten in der Folge zunächst Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg und per Urteil des DFB-Schiedsgerichts später auch die TSG Hoffenheim (SAP/Dietmar Hopp).  Nun war auch Hannovers Präsident Martin Kind (Kind Hörgeräte) lange Zeit bestrebt, für sich und Hannover 96 die Genehmigung zu erhalten, über 50 % Anteile – und damit die Stimmenmehrheit – an der Leine zu übernehmen. Am Montagnachmittag erklärte der 73-Jährige auf "sanften" Druck der DFL, seinen Antrag zunächst ruhen zu lassen.

Fanboykott gegen Kind

So ganz und gar nicht mit dem Ansinnen des Präses einverstanden sind aber viele der 96-Anhänger. Insbesondere die Ultras haben seit geraumer Zeit zu einem „Stimmungs-Boykott“ aufgerufen und verweigern im Kampf „Tradition versus Moderne“ nicht nur die lautstarke Unterstützung für die Mannschaft, sondern äußern ihren Unmut gegen Kind mit eher zweifelhaftem Vokabular. Das wiederum, ist sehr bedauerlich für die Akteure, denn die Stimmung im „Niedersachsenstadion“ ;-) leidet in erheblichem Maße unter dem schwelenden Disput.

Harnik pro Kind

Dass die Akteure auf diese Weise zumindest passiv betroffen sind, ist natürlich bitter. So meldete sich Stürmer Martin Harnik bereits vor Weihnachten zu Wort und wünschte sich via Sonntagsausgabe der „FAZ“ mehr Kreativität in den Fanäußerungen: „Es ist oft schade, was da im Stadion von sich gegeben wird. Man kann Kritik auch sehr intelligent äußern.“ Im Gegenzug zeigte er dann aber auch Verständnis: „Zum Fußball gehören Emotionen und Leidenschaft. Gerade die aktiven Fans machen das Erlebnis im Stadion aus“, um dann nachzuschieben: „Moderne und Tradition - beides ist vereinbar.“

Ölprinz oder Hörgeräte-Hersteller

Insbesondere der letzte Satz des Hannoveraner Angreifers beinhaltet ein Stück weit auch meine Meinung zur „50+1“-Regelung. Das DFL-Präsidium hat die große Chance, die Satzung nun in Ruhe so anzupassen, dass auch künftig sichergestellt wird, dass die Klubs der Bundesligen nur dann erhöhte wirtschaftliche Unterstützung von Investoren und Sponsoren erfahren dürfen, wenn der Stammverein schadlos erhalten bleiben kann. Mir ist es allemal lieber, der Unternehmer aus dem Vereinsumfeld engagiert sich mit seinen Moneten in „meinem“ Klub, als dass irgendein Ölprinz aus Saudi-Arabien den Klub als Spielball nutzt. Da müssen dann auch mal unbequeme Äußerungen oder Entscheidungen aus Sponsorenkreisen akzeptiert werden - so wenig fachgerecht sie manchmal auch sein mögen. Einem Martin Kind oder sogar auch einem Klaus-Michael Kühne in Hamburg nimmt man bei aller Kritik zumindest dieses ab: Emotionalität und die Liebe zum Verein!

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ich halte es für eminent wichtig, die Regelung im Grundsatz zu erhalten, um dem traditionellen Verein das Fundament nicht zu entziehen, stimme aber mit Frankfurts Vorstand Axel Hellmann absolut überein, dass die Ausnahmen fest definiert sein müssen. Genug kreative Vorschläge, wie das aussehen kann, hat der Vorsitzende der Eintracht Fußball AG den DFL-Entscheidern mit auf den Weg gegeben: festgelegte Haltefristen für etwaig erworbene Anteile, Vereins-Mitspracherecht bei eventuellen Veräußerungen von Anteilen, Verschreibung gegenüber der Fankultur, unverrückbarer Vereinsstandort, Logos/Wappen dürfen nicht geändert werden!

Reform-Befürworter in der Überzahl

Ich finde, auf Basis der Hellmannschen-Vorschläge ist eine Reformierung (die übrigens gleich zwölf Erstligaklubs befürworten) nicht nur akzeptabel, sondern auch von Nöten. Auf internationaler Ebene ist schon jetzt erkennbar, dass aufgrund ihrer Wirtschaftskraft lediglich die Bayern noch im Konzert der Großen mithalten können. Nimmt man regionalen Investoren wir Martin Kind die Chance, sich über Gebühr zu engagieren, nimmt man dem deutschen Fußball die Chance, auch künftig international noch eine Rolle zu spielen.

Und wie sehen Sie das?