Gitarrenvirtuosen auf Augenhöhe: Pat Metheny verneigt sich

10.03.2021 Pat Metheny gilt als einer der weltbesten Jazz-Gitarristen. Er hat dennoch kein Problem damit, sich vor anderen Könnern seines Instruments zu verbeugen - auf einem Album mit fünf US-Virtuosen.

Ein Stil-Grenzgänger: US-Jazzgitarrist Pat Metheny. Foto: Jimmy Katz/BMG/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Was hat der weltberühmte US-Gitarrist Pat Metheny nicht schon alles ausprobiert. Von Pop mit David Bowie und Filmmusik über Jazz aller Schattierungen bis zum improvisierten Krach auf dem Album «Zero Tolerance For Silence» (1994) war kaum ein Spielfeld vor dem Virtuosen sicher.

Von seinem neuen Album, das sein Name ziert, könnten einige Verehrer dennoch überrascht sein. «Road To The Sun» zeigt den inzwischen 66 Jahre alten, aber viel jünger wirkenden Wuschelkopf vor allem als Komponisten und Fan von fünf Grammy-dekorierten Musikern, vor denen er sich verneigt. Denn, um dem Vorwurf des Etikettenschwindels vorzubeugen: Die Aufnahme seiner sechsteiligen titelgebenden Suite wurde bis auf wenige Parts nicht von ihm, sondern vom Los Angeles Guitar Quartet (LAGQ) eingespielt (für Metheny «eine der besten Bands der Welt»), das viersätzige Solo «Four Paths Of Light» von Jason Vieaux.

Das zwischen Flamenco, Neoklassik und Jazz pendelnde Album endet mit dem, was der 20-fache Grammy-Preisträger bescheiden als «Bonus-Track» bezeichnet: das hauchzarte, minimalistische Stück «For Alina» des 1935 geborenen estländischen Komponisten Arvo Pärt. Hier ist Metheny allein mit einer fantastisch klingenden 42-saitigen Gitarre gut acht Minuten lang ganz in seinem Element als Stil-Grenzgänger.

«Zu Beginn, als ich anfing zu schreiben, suggerierten mir die Jungs vom LAGQ, dass sie auch mit einem fünf- oder siebenminütigen Stück glücklich wären», erzählt der seit 40 Jahren weltweit erfolgreiche Jazz-Musiker aus dem US-Bundesstaat Missouri über «Road To The Sun». «Bevor ich es merkte, war ich aber mitten in einem fast 30-minütigen, sechssätzigen Traktat darüber, was in einem Multi-Gitarren-Format alles möglich wäre. (...) Das Stück strömte buchstäblich heraus.»

Nicht nur Fans des Genre-Klassikers «Friday Night in San Francisco» (1981) von Al Di Meola/John McLaughlin/Paco de Lucia können sich nun über das Ergebnis dieses Zusammentreffen auf Augenhöhe freuen.

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