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Trump zu Fall Khashoggi: Antworten wohl bis Ende der Woche

17.10.2018 - Seit Tagen geistern verstörende Mutmaßungen im Fall des vermissten Journalisten Khashoggi umher. Belastbare Angaben fehlen dagegen. US-Präsident Trump will die Saudis in Ruhe ermitteln lassen.

  • Ein Wachmann am Eingang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul. Foto: Lefteris Pitarakis/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Wachmann am Eingang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul. Foto: Lefteris Pitarakis/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Vor der saudischen Botschaft in Washington zeigen Demonstranten Plakate mit dem Bild des vermissten Journalisten Khashoggi. Foto: Jacquelyn Martin/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Vor der saudischen Botschaft in Washington zeigen Demonstranten Plakate mit dem Bild des vermissten Journalisten Khashoggi. Foto: Jacquelyn Martin/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die Eingangstür des Konsulats von Saudi-Arabien in Istanbul. Hier wollte der Journalist Khashoggi Papiere für seine Hochzeit abholen. Foto: Petros Giannakouris/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Eingangstür des Konsulats von Saudi-Arabien in Istanbul. Hier wollte der Journalist Khashoggi Papiere für seine Hochzeit abholen. Foto: Petros Giannakouris/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

US-Präsident Donald Trump rechnet bis zum Ende der Woche mit Antworten im Fall des in Istanbul verschwundenen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Er wolle wissen, was mit Khashoggi passiert sei, sagte Trump am Mittwoch in Washington und fügte hinzu: «Wir werden das vermutlich bis zum Ende der Woche wissen.» Trump wehrte sich gegen den Vorwurf, dass er die Saudis in dem Fall besonders in Schutz nehme, betonte aber zugleich, das Land sei ein sehr wichtiger Verbündeter der USA. Auch US-Außenminister Mike Pompeo sagte nach seinen Besuchen in Riad und Ankara, die US-Regierung warte die Ergebnisse der Untersuchungen ab, bevor sie über das Vorgehen der Saudis in dem Fall urteile.

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist der Journalist und Regierungskritiker, der zuletzt im US-Exil gelebt hatte, verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert dagegen seine Unschuld und bestreitet jede Mitverantwortung.

Die regierungsnahe türkische Zeitung «Sabah» hatte die Namen und Fotos des mutmaßlichen saudischen Spezialkommandos veröffentlicht. Der «New York Times» zufolge führen Spuren ins direkte Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die türkischen Behörden sollen auch im Besitz kompromittierender Ton- und Videoaufnahmen aus dem saudischen Konsulat in Istanbul sein. Die regierungsnahe Zeitung «Yeni Safak» berichtete, sie habe eine solche Tonaufnahme - ohne zu erklären, wie sie an die Aufzeichnung kam. Das saudische Kommando habe dem Journalisten und Regimekritiker bei einem Verhör die Finger abgeschnitten und ihn dann enthauptet, hieß es in dem Bericht.

Die «Yeni Safak» steht zwar der türkischen Regierung nahe und könnte daher Zugang zu Ermittlerkreisen haben, allerdings ist das Blatt auch für reißerische oder sogar hetzerische Artikel bekannt. Die Informationen sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Das «Wall Street Journal» wiederum berichtete unter Berufung auf türkische Regierungsvertreter, die Aufnahmen belegten, dass Khashoggi nicht verhört, sondern sofort zusammengeschlagen, betäubt und getötet worden sei. Der Fall besteht vor allem aus Mutmaßungen und Gerüchten. Öffentlich belastbare Informationen oder gar Beweise fehlen bislang.

Trump sagte mit Blick auf möglichen Audio- und Videoaufnahmen, er wisse nicht, ob diese existierten, «vermutlich tun sie das, vielleicht tun sie das».

Der US-Präsident hatte in den vergangenen Tagen wiederholt auf die Dementis des saudischen Königshauses verwiesen und diese als sehr nachdrücklich bezeichnet. Er wehrte sich nun gegen den Vorwurf, dass er die Saudis in dem Fall zu sanft behandele. Auch er wolle wissen, was passiert sei. Er betonte aber zugleich, Saudi-Arabien sei ein «sehr wichtiger Verbündeter». Das gelte etwa für den Kampf gegen den Terror und die Iran-Frage, aber auch für große Rüstungsgeschäfte und andere Wirtschaftsbeziehungen.

Trump hatte seinen Außenminister Pompeo nach Saudi-Arabien und in die Türkei geschickt, um den vielen offenen Fragen in dem mysteriösen Fall nachzugehen. Pompeo holte sich dort aber weniger Antworten ab, sondern vor allem Absichtserklärungen der Saudis.

Die saudische Führung habe eine «gründliche, vollständige und transparente» Untersuchung des Falles zugesagt, erklärte Pompeo am Mittwoch. «Ich kenne nicht den genauen Zeitplan», sagte er, «aber sie haben klargemacht, dass sie verstanden haben, wie wichtig es ist, dass das schnell geschieht.» Die saudische Führung habe ebenfalls zugesagt, wen auch immer zur Verantwortung zu ziehen, dem im Zuge der Untersuchung womöglich ein Fehlverhalten nachgewiesen werde.

Nachfragen nach Details und nach der Glaubwürdigkeit der Saudis wich Pompeo mehrfach aus. «Ich warte, bis die Untersuchung abgeschlossen ist», sagte er. «Sie haben mir versprochen, dass sie das machen, und darauf zähle ich», sagte er. «Sie haben mir ihr Wort gegeben.» Auf die Frage, ob die Saudis Auskunft gegeben hätten, ob Khashoggi lebe oder tot sei, sagte Pompeo, er wolle nicht über einzelne Sachverhalte reden. «Sie wollten das auch nicht.» Die Saudis wollten vielmehr zunächst ihre Untersuchungen abschließen.

Wegen der Affäre um Khashoggi legt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Reisepläne nach Saudi Arabien vorerst auf Eis. Maas sagte in Berlin, er wolle zunächst die Ermittlungen abwarten.