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Der Tanz nach der Pfeife

24.10.2017 - Die Meinungsverschiedenheiten (oder besser Streitigkeiten) schwelen schon etwas länger: Auf der einen Seite steht mit FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe einer der besten deutschen Schiedsrichter und ein „Kämpfer für die Gerechtigkeit“. Auf der anderen Seite die führenden DFB-Schiedsrichter-Funktionäre und Ex-Referees Herbert Fandel und Hellmut Krug. Während Gräfe sich in seinem „Feldzug“ gegen vermeintliche Vetternwirtschaft unter den Schiri-Funktionären über vermehrte kollegiale Unterstützung freuen kann, wird die Luft für die Chefetage immer dünner. Die große Frage: Wer tanzt eigentlich nach wessen Pfeife?

  • FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe zückt die Gelbe Karte für die Funktionäre. Seit 2001 pfeift der Berliner im Profibereich, seine erste Partie hieß Schweinfurt 05 gegen Arminia Bielefeld. In der Bundesliga kam der...

    FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe zückt die Gelbe Karte für die Funktionäre. Seit 2001 pfeift der Berliner im Profibereich, seine erste Partie hieß Schweinfurt 05 gegen Arminia Bielefeld. In der Bundesliga kam der 43-Jährige bislang 225-mal zum Einsatz - Foto: Hansjürgen Britsch © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Diskussionsbedarf: Herbert Fandel (l.) und Dr. Felix Brych wurden schon 2015 von Hellmut Krug beäugt – Foto: Andreas Gebert © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur

    Diskussionsbedarf: Herbert Fandel (l.) und Dr. Felix Brych wurden schon 2015 von Hellmut Krug beäugt – Foto: Andreas Gebert © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Auch Bibiana Steinhaus (l., mit Amine Harit) ist ein gebranntes Kind: Trotz glänzender Noten brauchte die Hannoveranerin zehn Jahre für den Aufstieg in die Eliteliga. Auf Schalke erhielt sie nun für ihren zweiten Einsatz...

    Auch Bibiana Steinhaus (l., mit Amine Harit) ist ein gebranntes Kind: Trotz glänzender Noten brauchte die Hannoveranerin zehn Jahre für den Aufstieg in die Eliteliga. Auf Schalke erhielt sie nun für ihren zweiten Einsatz viel Lob – Foto: Gladys Chai von der Laage © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Salomon Kalou bewies Nervenstärke: Nachdem der Herthaner in Freiburg bereits einen Elfmeter verschossen hatte, legte er sich nach einem Videobeweis den Ball erneut zurecht – und sorgte für den 1:1-Endstand - Foto: Patrick Seege...

    Salomon Kalou bewies Nervenstärke: Nachdem der Herthaner in Freiburg bereits einen Elfmeter verschossen hatte, legte er sich nach einem Videobeweis den Ball erneut zurecht – und sorgte für den 1:1-Endstand - Foto: Patrick Seege © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Manuel Gräfe, bekannt für seinen großen Gerechtigkeitssinn und für sein „nachhaltiges“ Handeln, hatte nicht nur den Betrugsskandal um den Kollegen Robert Hoyzer ins Rollen gebracht, sondern eben auch in einem zu Saisonbeginn dem Tagesspiegel gegebenen Interview das Thema „Vetternwirtschaft“ iauf die Agenda gesetzt. Im Kern wirft er den führenden Schiri-Funktionären einen antiquierten Führungsstil, Mobbing, Einflussnahme auf Spielansetzungen und schlussendlich Günstlingswirtschaft vor.

Vorwürfe werden lauter


Und da Gräfe mittlerweile lautstarke Unterstützung von seinen Kollegen Babak Rafati, der im November 2011 einen Suizidversuch in einem Kölner Hotel überlebte, und Dr. Felix Brych. Auch diese beiden erheben unter anderem schwere Mobbingvorwürfe gegen die Chef-Etage . So sollen mehrere Schiedsrichter berichtet haben, dass die Kollegen Guido Winkmann und Robert Hartmann auf Lehrgängen regelrecht vorgeführt worden seien, zum Beispiel bei Videoschulungen. Immer wieder seien nur Szenen gezeigt worden, die die Beiden extra schlecht aussehen ließen. Die Hintergründe sind unklar – Fandel bestreitet das Vorgehen! Auch soll es Bevorzugungen bei den wöchentlichen Ansetzungen gegeben haben. Nachvollziehbar, wenn man weiß, dass die Unparteiischen 5000 € pro Spiel erhalten. Da würde ich mich auch ärgern, wenn ein Kollege 18 Partien pfeift und ich eben nur zwölf… .

Ethikkommission ist eingeschaltet

Mittlerweile ist der Zoff so weit eskaliert, dass die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes eingeschaltet wurde. Zudem sollen wohl alle Unparteiischen über ihre Haltung zum Schiedsrichterausschuss-Chef Herbert Fandel und DFB-Projektmanager Hellmut Krug befragt werden.
Sollte es ein mehrheitliches Votum gegen ihn geben, hat Fandel bereits seinen Rücktritt angeboten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Gräfe legt nach

Am vergangenen Dienstag hatte Gräfe nach einem gescheiterten „Friedensgipfel“ erneut vom DFB Konsequenzen gefordert und fehlende Transparenz, schlechten Führungsstil sowie erneut die Vetternwirtschaft angeprangert. In dem vierstündigen Gespräch wurden seine Vorwürfe zudem  von Schiedsrichter-Sprecher Dr. Felix Brych untermauert. Laut Aussage der in der Regel gut informierten BILD-Kollegen wurden dabei sogar fünf Schiedsrichter-Beobachter namentlich genannt haben, die von Krug angewiesen worden seien, ihre Noten in den abzugebenden Beurteilungsbögen zu ändern. Wer dazu einen Statement von Krug erwartete, lag falsch: kein Kommentar!

„Fisch stinkt vom Kopf her“

Wenn sich mich fragen, könnte hier gut und gern vorgenanntes norddeutsches Sprichwort zum Tragen kommen. Warum sollen die DFB-Seilschaften der WM-Vergabe nicht längst schon auch die Schiedsrichter-Ebene gefangen genommen haben? Ich halte es da mit Manuel Gräfe: Nur absolute Transparenz und Offenheit werden dafür sorgen, dass die deutschen Unparteiischen (auch) künftig den hohen Ansprüchen des modernen Fußballs in Gänze gerecht werden. Fehlverhalten gehört entsprechend bestraft. Noch liegt keine Anzeige vor. Noch nicht!

Übrigens - das muss ja auch mal gesagt sein: Die sportlichen Leistungen der Bundesliga-Schiedsrichter des vergangenen Wochenendes seien hier ausdrücklich gelobt - inklusive des offensichtlich besser werdenden Videobeweises, speziell in Freiburg.

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