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Sah der Wiener "Tatort" die Ibiza-Affäre voraus?

04.06.2019 - Frau und Tochter eines österreichischen Politikers werden brutal erstochen. Eine prophetische Anspielung auf die brandaktuelle "Ibiza-Affäre" ist der Wiener "Tatort" namens "Glück allein" aber nicht.

  • Kommissarin Soraperra (Gerti Drassl) stellt das "Tatort"-Team Eisner und Fellner in "Glück allein" in den Hintergrund.  © ARD Degeto/ORF / Hubert

    Kommissarin Soraperra (Gerti Drassl) stellt das "Tatort"-Team Eisner und Fellner in "Glück allein" in den Hintergrund. © ARD Degeto/ORF / Hubert Mican

  • Ladurner (rechts) tut unschuldig, wird aber bald von Kommissar Eisner (Harald Krassnitzer) verdächtigt. © ARD Degeto/ORF / Hubert

    Ladurner (rechts) tut unschuldig, wird aber bald von Kommissar Eisner (Harald Krassnitzer) verdächtigt. © ARD Degeto/ORF / Hubert Mican

Ganz zu Beginn des "Tatorts" sollten sich Vegetarier mal kurz die Augen zuhalten: Denn da wird ausführlich gezeigt, wie blutiges Fleisch zubereitet wird. Das ist dann aber keine Anspielung auf einen Zerstückelungs-Mord oder Kannibalismus. Der Fall in "Glück allein" aus Wien ist noch viel bizarrer.

Die Frau des investigativen Politikers Ladurner, der gerne Skandale aufdeckt, wird in ihrer Wohnung erstochen. Die zehnjährige Tochter schwer verletzt. War es ein Raubüberfall oder doch ein Familiendrama? "Manchmal geht es in Österreich eben schneller als man denkt", fällt der prophetische Satz. Eine vorausschauende Auseinandersetzung mit der Korruption in der Politik ist dieser Fall jedoch nicht.

Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ist sich schnell sicher, dass der Politiker Raoul Ladurner (Cornelius Obonya) etwas mit der Sache zu tun hat. Der ist ihm gleich total unsympathisch, so arrogant, wie er sich als einziger nichtkorrupter Politiker darstellt. Außerdem erinnere er ihn an seinen Vater, wie er später erzählt. Der war auch immer so manipulativ. "Schwarze Seelen tragen weiße Hemden", ist sich Eisner sicher. Eigentlich hätten Eisner und Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ja gar nichts bei dem Fall zu suchen. Der Chef hat ihn einer Kollegin zugeschanzt, Julia Soraperra. Die wird von Gerti Drassl verkörpert, die wir aus der Serie "Vorstadtweiber" kennen. Bald wird jedoch klar, das Soraperra mehr als befangen im Fall ist. Denn sie hat mit Ladurner ein Verhältnis. Warum die Kollegen darauf erst so spät kommen, ist ein wenig zweifelhaft.

Sowieso sind die Ermittlungen für Eisner nicht gerade eine Glanzleistung. Das merkt auch Fellner, die für seine Theorie, dass Ladurner selbst seine Familie ermordet hat, doch zumindest gerne ein Motiv hätte. Eisner benimmt sich währenddessen wie ein 15-Jähriger (so der Vorwurf vom Chef) und hat letztendlich trotz Objektivitäsverlust doch den richtigen Riecher.

Es stellt sich nämlich heraus, dass die inzwischen verstorbene Tochter drogenabhängig war! Die Zehnjährige war mit LSD und Morphium vollgepumpt. Auch die ältere Tochter der Familie, die Selbstmord beging, war drogensüchtig. Klar ist, ein Kind wird nicht selbstständig abhängig. Jemand hat ihr die Drogen verabreicht. Doch der genaue Grund dafür, wird in diesem "Tatort" leider nicht aufgeklärt. LSD beschert unter anderem Halluzinationen; Morphium und Opium machen eher passiv. Da wirkt die dramatische Aufklärung am Ende doch recht an den Haaren herbeigezogen.

Die Tochter soll unter Drogeneinfluss nämlich selbst die Mutter erstochen und sich selbst verletzt haben. Ladurner manipulierte seine Geliebte Soraperra dann das Ganze zu vertuschen. Die zwischenzeitlich verdächtige ukrainische Geschäftsfrau machte mit. Doch ansonsten spielen Ladurners politische Verstrickungen leider keine Rolle. Da hat die Realität diesen "Tatort" unerwartet eingeholt. Eine bewusste Anspielung ist dagegen Ladurner als  psychopatischer Vater wohl auf den realen Fall eines Arztes, dem Bruder eines ÖVP-Politikers, der seine Kinder massiv gequält hat. Der Prozess läuft noch. Solche Taten sind natürlich nur schwer zu begreifen. In "Glück allein" werden die Ereignisse aber nur zum Zweck der Dramatik verschärft. Dass die Kommissare seelenruhig einem weiteren Mord zugucken, ist da nur die Spitze der Unglaubwürdigkeit. So bleibt zwar eine durchaus spannende Geschichte über die Frage nach dem Täter, die Auflösung ist dann aber doch eher lächerlich.

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