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Die Zukunft des Fernsehens: Eindrücke vom TV SERIES FESTIVAL 2018

12.06.2018 - Vom 7. bis 10. Juni öffnete das "TV SERIES FESTIVAL" zum zweiten Mal in Berlin seine Tore. Wir waren während des sympathisch entspannten Branchetreffs vor Ort und trafen den Gründer Mark Olan Dreesen zum exklusiven Gespräch.

"Full House – das gefällt mir!" Als Mark Olan Dreesen am 7. Juni im Ballsaal des Berliner Szenerestaurants "The Grand" mit einer Pressekonferenz das zweite TV SERIES FESTIVAL eröffnet, kann der Gründer des im Vorjahr aus dem Boden gestampften Branchentreffs seine Freude über die große Resonanz nicht verhehlen.

 

Angesichts der mit aufstrebenden Filmemachern, Pressevertretern sowie Produktionsfirma- und Sendervertretern gefüllten Stuhlreihen scheint die Idee gezündet zu haben, dem seriellen Erzählen, das sich in den letzten Jahren zum diskursbestimmenden Motor der zunehmend global operierenden Entertainment-Industrie gemausert hat, ein eigenes Festival zu widmen.

 

Gemäß Mark Olan Dreesens Motto "Um die Regeln zu brechen, muss man die Regeln erstmal lernen" stellte beim zweiten TV SERIES FESTIVAL die Talentförderung einen der Schwerpunkte dar. Neben zwei Masterclass-Seminaren, die von Hollywoods führendem Skriptdoktor John Truby und Oscar-Preisträger Paul Haggis ("Crash") gehalten wurden, konnten im "Pitch Your Pilot"-Wettbewerb die vier Finallisten ihre Serien-Ideen vor den Jury-Vertretern und großem Publikum präsentieren.

Das Top-Thema beim TV SERIES FESTIVAL 2018: Die Zukunft des Fernsehens

Die Zukunft des seriellen Erzählens war beim TV SERIES FESTIVAL 2018 jedoch nicht nur in Gestalt vielversprechender Nachwuchsautoren anwesend, sondern auch das zentrale Thema der von Scott Roxborough ("The Hollywood Reporter") unterhaltsam geführten Podiumsdiskussionen. So demonstrierten die geladenen Redner beim Panel "The Future of TV", dass vieles Zusammenkommen muss, wenn in Deutschland zukünftig mehr international konkurrenzfähige "High-End-Serien" entstehen sollen.

 

Während Produzent Jörg Winger (UFA Fiction) ein grundsätzliches Problem sieht ("Der große Engpass in Deutschland ist das Writing, weil wir aus der Regieperspektive kommen.") und Sven Sund (Geschäftsführer Saxonia Media) mangelde Risikobereitschaft beklagte ("Wir haben momentan nur eine begrenzte Zahl vertrauenswürdiger Autoren, bei denen die Sender blind zusagen."), mahnte Pantaflix-Gründer Dan Maag, dass es sich trotz allem um ein Geschäft handelt: "Es geht nicht nur um einen Deal, der Kreativität möglich macht, sondern der sich auch rechnet."

Und auch wenn Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus zusätzlich das international rufschädigende Problem häufig auf der Zielgerade zusammenbrechender Finanzierungen ins Feld führte, sieht zumindest für Jörg Winger die Serienzukunft in Deutschland rosig aus: "Die nächsten fünf Jahre werden einen wahrnehmbaren Wandel bringen."

 

Weitaus skeptischer zeigte sich Christian Schwochow beim Panel "Series 2020", auf dem der "Bad Banks"-Regisseur angeregt mit Benjamin Benedict (Executive Producer UFA Fiction) diskutierte: "Wir stehen noch ganz am Anfang. Ich muss leider den Optimismus, den Hits wie 'Dark' oder 'Babylon Berlin' ausgelöst haben, am Boden halten. Wie viele schlechte Sachen noch immer mit den hierzulande existierenden Resourcen realisiert werden, ist beinahe kriminell."

Doch der 39-jährige Autorenfilmer gab auch Lösungsvorschläge: "Es fehlt der Wahnsinn! Es muss eine Sehnsucht danach entstehen, Originale zu kreieren und nur Sachen zu machen, die man selber sehen will."

Neue Serien beim TV SERIES FESTIVAL 2018

Die Suche nach diesen "unique voices" spiegelte sich auch in den neuen Serien wider, die beim TV SERIES FESTIVAL 2018 im Rahmen eigener Podiumsdiskussionen vorgestellt wurden. Neben der kafkaesk anmutenden BBC-Miniserie "The City and the City", die im Herbst von RTL Crime ausgestrahlt wird und deren Deutschlandpremiere Hauptdarsteller David Morrissey höchstselbst präsentierte, hinterließen zwei Eigenproduktionen von Sky Deutschland besonderen Eindruck.

 

In Anwesenheit von Schauspieler Tom Wlaschiha wurde der internationale Trailer zur neuen "Das Boot"-Serie präsentiert, der eindrucksvoll das "Think big"-Credo von Frank Jastfelder (Director Original Drama Productions Sky Deutschland) veranschaulichte.

 

Gleiches galt am zweiten Festivaltag für die Präsentation der bislang teuersten deutschen Sky-Eigenproduktion, der Endzeit-Serie "Acht Tage". Während Showrunner Rafael Parente hervorhob, dass anders als bei anderen deutschen Serien nicht "dieser gelackte David-Fincher-Look" kopiert, sondern eine realistisch rauhe Bildsprache für Originalität sorgen wird, schwärmte Hauptdarsteller Mark Waschke vom erzählerischen Gehalt: "'Acht Tage' ist so kraftvoll wie eine griechische Tragödie. Es ist interessant zu sehen, dass viele Kollegen wie ich vom Theater kommen. Das spricht für die Qualität der neuen Projekte."

Um die Zukunft des Serien-Fernsehens in Deutschland scheint es also doch gar nicht so schlecht bestellt zu sein.

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