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Ist TikTok viel Spaß oder viel Risiko?

23.12.2020 - Tiktok ist der neue Star unter den Social-Media-Apps. Was ist das Besondere an der Plattform? Was sollten Nutzerinnen und Nutzer beachten? Und wo kommen Eltern ins Spiel?

  • Bis 60 Sekunden und keine Minute länger. Das ist das Tiktok-Gebot für möglichst kurzweilige Clips. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bis 60 Sekunden und keine Minute länger. Das ist das Tiktok-Gebot für möglichst kurzweilige Clips. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Facebook und Instagram waren gestern. Tiktok ist die App der Stunde. Insbesondere in der sogenannten Generation Z, also bei den zwischen 1997 und 2012 Geborenen, ist die App äußerst beliebt. Doch was passiert eigentlich auf Tiktok?

Tiktok ist eine Videoplattform, auf der Nutzerinnen und Nutzer bis zu 60 Sekunden kurze Videos anschauen oder selbst hochladen können. Sobald man die App öffnet, befindet man sich auf der «Für-Dich-Seite» und der Tiktok-Algorithmus schlägt das erste Video vor.

«Die einzige Möglichkeit auf die vorgeschlagenen Videos Einfluss zu nehmen, ist durch die Art und Weise des Videokonsums und die Reaktion, also wie lange schaue ich das Video, like, kommentiere oder teile ich das Video», erklärt Adil Sbai, der als Manager für einige bekannte Tiktokerinnen und Tiktoker wie etwa Younes Zarou arbeitet.

Tiktok bietet aber auch klassische Funktionen eines sozialen Netzwerks, etwa Nachrichten schreiben, Inhalte «liken» und kommentieren. Vor allem sei die Anwendung aber eine sehr kreative, universelle Videoproduktions-App, meint Sbai.

Alle Videos werden auf Tiktok-Server hochgeladen. Nutzerinnen und Nutzer können bei jedem einzelnen Video bestimmen, ob es nur für sie selbst (privat) oder potenziell für alle Nutzerinnen und Nutzer (öffentlich) sichtbar ist.

Standardmäßig öffentlich

Miriam Ruhenstroth vom Verbraucherschutzportal «Mobilsicher.de» kritisiert aber, dass Tiktok Nutzerkonten standardmäßig auf öffentlich setzt. «Das heißt produzierte Inhalte sind für alle Nutzerinnen und Nutzer auffindbar.» Zwar könne man bereits gepostete Videos wieder löschen, so Ruhenstroth, das bedeute aber nicht, dass diese aus der Welt sind. Beliebige Nutzerinnen und Nutzer hätten die Videos schließlich vor dem Löschen speichern und teilen können.

Will man dies verhindern, kann man sein Konto auf «privat» stellen. Dann können Tiktok zufolge nur bestätigte Follower die eigenen Videos sehen und kommentieren.

Nutzerinnen und Nutzern stehen eine Reihe visueller und akustischer Effekte zur Verfügung, um Video zu gestalten. So können Videos mit Overlay-Effekten wie Farbfiltern oder Masken individualisiert werden, weiß Iren Schulz, Mediencoach bei der Initiative «Schau hin».

In der App lassen sich aber etwa auch Gesichter weichzeichnen. Und man kann durch Filter den Farbton des gesamten Videos modifizieren. Auch virtuelle Hunde- oder Katzenohren fehlen bei Bedarf nicht. «Das gehört eher zu Snapchat oder Instagram», meint Schulz. Es werde mehr mit den für Tiktok typischen Countdown- und Geschwindigkeitsfunktion gearbeitet. Und: Vor oder nach der Aufnahme lassen sich auch Songs oder Sequenzen aus Filmen unter das Video legen.

Eine weitere Tiktok-Spezialität ist das Duett. Mit dieser Funktion kann man direkt per Video auf andere Videos reagieren. Der Clou: «Der Bildschirm wird geteilt und links neben dem ursprünglichen Video wird das eigene, neu aufgenommene angezeigt», sagt Schulz.

Medienkompetenz muss sein

Was ist zu beachten? Tiktok legt in seinen Nutzerbedingungen das Mindestalter für die Nutzung der App auf 13 Jahre fest. Allerdings begeistern sich oft schon viel jüngere Kinder, vor allem Mädchen für die App, sagt Schulz.

Wichtig für Tiktok und alle anderen Plattformen und Netzwerke sei es, die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen zu schulen, sagt Rebekka Weiß vom IT-Branchenverband Bitkom. Gerade Kinder müssten lernen, die Nutzung einzuordnen und zu steuern. Eltern sollten auch eine Gesprächskultur schaffen, die es Kindern ermöglicht, über verstörende Inhalte zu reden, die sie bei Tiktok & Co sehen.

In diesem Zusammenhang hat Tiktok nun auch eine Opt-in-Funktion angekündigt. Beim Aufruf von Videos, von der die Plattform glaubt, dass sie als unangemessen oder bedrohlich empfunden werden könnten, erhält man eine Warnmeldung - und muss dann aktiv zustimmen, bevor das Video abgespielt wird. Im «Für Dich»-Feed mit Vorschlägen sollen solche Videos gar nicht mehr auftauchen.

Miriam Ruhenstroth rät Eltern grundsätzlich, Kinder ihre Tiktok-Profile nicht allein einrichten zu lassen und vorab Regeln zu bestimmen, wie lange Tiktok genutzt werden und was gepostet werden darf. Für Eltern gibt es auch einen «begleitenden Modus». Gemeinsam mit ihren Kindern können sie darüber Nutzungszeit und Kontaktmöglichkeiten festlegen oder Inhalte herausfiltern. Dafür müssen Eltern die App allerdings auch selbst installieren.

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