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Namen sind Schall und Rauch

09.03.2018 - Meine Güte, was ist da bloß los in der Bundesliga? Die Ultra-Bewegungen der Fans driften immer mehr von „ihren“ Vereinen ab – oder auch umgekehrt. Zunehmend hitzige Atmosphäre in den Führungsetagen vieler Klubs, RB Leipzig laufen (wegen Überlastung?) ständig die Mitarbeiter weg, beim HSV regiert das totale Chaos, und Bayern München genügen sogar sieben Verteidiger auf dem Platz, um in Freiburg 4:0 zu gewinnen. Da sage mal einer, die Bundesliga wäre langweilig!

  • Es ist nur noch zum Weinen: Nach 14 Monaten gibt es mal wieder die große Personal-Rochade beim HSV: Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen (l.) und Sportdirektor Jens Todt müssen gehen - Foto: Marius Becker © dpa –...

    Es ist nur noch zum Weinen: Nach 14 Monaten gibt es mal wieder die große Personal-Rochade beim HSV: Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen (l.) und Sportdirektor Jens Todt müssen gehen - Foto: Marius Becker © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die Rollen sind klar verteilt: 18 Tage nach seiner knappen Wahl zum Präsidenten des HSV e.V. hat Bernd Hoffmann (r.) den Vorsitz des Aufsichtsrats übernommen. Der einzig übrig gebliebene AG-Vorstand Frank Wettstein agiert...

    Die Rollen sind klar verteilt: 18 Tage nach seiner knappen Wahl zum Präsidenten des HSV e.V. hat Bernd Hoffmann (r.) den Vorsitz des Aufsichtsrats übernommen. Der einzig übrig gebliebene AG-Vorstand Frank Wettstein agiert aus dem Hintergrund – Foto: Malte Christians © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die Beiden mögen sich: Thomas Tuchel (l.) könnte beim FC Bayern von Jupp Heynckes ein bestelltes Feld übernehmen. Doch würde er mit seinen eigenen Dickschädel mit den „Großkopferten“ an der Isar zurecht...

    Die Beiden mögen sich: Thomas Tuchel (l.) könnte beim FC Bayern von Jupp Heynckes ein bestelltes Feld übernehmen. Doch würde er mit seinen eigenen Dickschädel mit den „Großkopferten“ an der Isar zurecht kommen...? - Foto: Andreas Gebert © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • „Soll ich Dir meinen Namen aufschreiben?“, könnte Werder-Coach Florian Kohfeldt Schiedsrichter Felix Zwayer gefragt haben. In Bremen ist ja Grünkohl eine höchst beliebte Speise – aber der Trainer schreibt sich ohne L – Foto:...

    „Soll ich Dir meinen Namen aufschreiben?“, könnte Werder-Coach Florian Kohfeldt Schiedsrichter Felix Zwayer gefragt haben. In Bremen ist ja Grünkohl eine höchst beliebte Speise – aber der Trainer schreibt sich ohne L – Foto: Kirchner/Inderlied © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ob nun langweilig oder nicht – in Hamburg ist das den Anhängern des Noch-Bundesligisten HSV vermutlich ziemlich egal, denn an der Elbe hoffen nur noch wenige auf das ganz große Fußballwunder „Klassenerhalt“. In den Vereinsgremien wird zurzeit alles dafür getan, damit die dringend benötigte Ruhe im Umfeld der Mannschaft ganz sicher nicht eintreten kann. So wurden der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt am heutigen Donnerstag kurzerhand entlassen beziehungsweise freigestellt. Nun könnten die beiden Herren gemeinsam mit Ex-Coach Markus Gisdol, der weiterhin in Hamburg wohnt und häfig vormittags sein Fitnessprogramm in Eimsbüttel abspult, zum Beispiel um hohe Einsätze Skat spielen oder auch entspannt Urlaub machen. Denn an Geld wird es nicht mangeln. Der wirtschaftlich notorisch klamme Verein, der noch nicht einmal den Gisdol-Vertrag aufgelöst hat, wird da sicherlich mit hanseatischer Großzügigkeit schon noch ordentlich Abfindungen abdrücken.

"Kohlfeldt" ist gar kein Bundesligatrainer

Dass sich Werder Bremens Coach Florian Kohfeldt nicht mit derlei lästigen Abfindungs- oder Auflösungsverhandlungen abgeben muss, liegt vor allem am sportlichen Erfolg der Jungs von der Weser. Seit Max Kruse wieder voll im Saft und Kohfeldt an der Linie steht, haben sich die Bremer weitestgehend aus dem Abstiegskampf verabschiedet. Dafür gebührt dem Werder-Trainer selbstverständlich entsprechender Respekt. Respekt, den er selbst sich aber am meisten im Umgang mit seinem Nachnamen wünscht. Von „Christian Kohfeldt“ (angelehnt an Schauspieler Christian Kohlund) bis zum vermehrt genutzten „Kohlfeldt“ (zu seinem Einstand so in der Tagesschau verkündet und zuletzt von Max Eberl und Bernd Hollerbach so ausgesprochen) waren schon so einige Varianten im Umlauf. Nun macht der 35-Jährige aus der vermeintlichen Not aber eine Tugend und bietet allen Gesprächspartnern das „Du“ an...

„Safety first“

Davon ist Bayerns designierter und bereits mehrfacher Meistercoach „Don“ Jupp Heynckes natürlich weit entfernt. Der traut sich Sachen, auf die würden andere nicht einmal im Traum kommen. Ich selbst musste auch zunächst anzweifeln, was mir da zugetragen wurde: Beim Spiel der Bayern in Freiburg standen nämlich mit Alaba, Bernat, Boateng, Hummels und Kimmich bereits fünf gelernte Verteidiger auf dem Grün, ehe Heynckes beim Stand von 4:0 für seine Mannschaft mit Rafinha und Süle zwei weitere Defensiv-Spezialisten auf das Feld schickte. „Da wollte er sicher, dass wir den Vorsprung sicher über die Zeit bringen“, witzelte selbst Nationalspieler Mats Hummels etwas ungläubig.

Nachfolge offen

Offen bleibt allerdings nach wie vor die Nachfolgeregelung für den scheidenden Heynckes, der zuletzt auch den letzten Zweiflern den Zahn zog, dass er doch noch ein Jahr dran hängen würde. So ist das Trainer-Roulette in München eröffnet und den Spekulationen um die Nachfolge keine Grenzen gesetzt. Die wohl interessanteste Variante, dass Freiburgs Christian Streich auf die Bank der Bayern wechseln könnte, füllte dabei bereits fast eine ganze Woche die Sportgazetten der Nation – Wahrheitsgehalt: 0%! Aber ein tolles, fast schon absurdes Gedankenspiel, dass Verkaufs- und Klickzahlen eminent ansteigen ließ. Und im Hinterstübchen rieb sich Uli Hoeneß verschmitzt die Hände und konnte – unbeachtet von Deutschlands Fußball-Reporterwelt – mit Thomas Tuchel essen gehen. Glaubt man dem Münchner Flurfunk, soll das Weißwurst zurzeln schon gut geklappt haben… Aber Namen sind ja eh nur Schall und Rauch!

Abwarten und Tee trinken

Ich will mich auch gar nicht an den Spekulationen vieler Kollegen beteiligen, sondern bin da eher ein Freund von Fakten. Haben Sie übrigens etwas gemerkt: Vor dem Bayern-Spiel in Frankfurt war Nico Kovac heißester Kandidat, vorm dem Auftritt gegen Hoffenheim wurde Julian Nagelsmanns Unterschrift als fast perfekt gemeldet. Nun also letzte Woche Christian Streich - und gegen wem spielen die Bayern an diesem Wochenende...? Stimmt: HSV. Aber an Bernd Hollerbach traut sich der Rekordmeister dann doch nicht ran. Aber "ganz plötzlich" ist angeblich Sturmtalent Jann-Fiete Arp ganz oben auf der Einkaufsliste. Ja, nee: is klar! So langsam sind Sinn und Zweck solcher Gerüchte auch erkennbar. 

Wie gesagt: Ich stehe da eher auf Fakten - aber bis die beim amtierenden und neuen deutschen Meister geschaffen sind, wird es bestimmt Ostern sein. Oder früher, oder später. Abwarten und Tee trinken!