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Gamerdingers Fußball-Kolumne

15.10.2018 - Falscher Ehrgeiz ist ja gemeinhin als nicht gerade ein „guter Berater“ bekannt. Legt man diesen jedoch an den Tag, gab es zumeist vorab auch „verpasste Chancen“. Verpasste Chancen, um schief gelaufene Dinge rechtzeitig wieder auf Kurs zu bringen, diese zu korrigieren oder gar abzustellen. Insbesondere in der Politik, aber auch in Wirtschaft und Sport (hier vornehmlich in der Verbandsarbeit) zählen auch (vorzeitige) Rücktritte oft zu den „verpassten Chancen“.

  • Erfolglos, hilflos, fassungslos – Bundestrainer Joachim Löw hat sich und die DFB-Elf in eine verzwickte Situation gebracht. Mit den Einwechslungen von Leroy Sane und Julian Draxler brachte er zwar frischen Wind, aber der kam gegen die...

    Erfolglos, hilflos, fassungslos – Bundestrainer Joachim Löw hat sich und die DFB-Elf in eine verzwickte Situation gebracht. Mit den Einwechslungen von Leroy Sane und Julian Draxler brachte er zwar frischen Wind, aber der kam gegen die Niederlande zu spät - © picture alliance / dpa / Ina Fassbender

Die große Frage, die sich aktuell rund um das Thema „Fußball-Nationalmannschaft und Bundestrainer Joachim Löw“ breit macht, lautet: „Warum?“ Oder wie Schlager-Altstar Roland Kaiser und Kelly-Familienmitglied Maite es etwas spezifizierter, aber sehr erfolgreich besingen: „Warum hast Du nicht Nein gesagt?“

Verpasste Chancen

„Nein“, als es darum ging, auf dem Höhepunkt der Karriere – also nach der erfolgreichen Fußball-Weltmeisterschaft 2014 – als Weltmeister-Trainer aufzuhören. Oder „Nein“, als es darum ging, nach dem historischen WM-Vorrunden-Aus im Juni in Russland einen Schluss-Strich unter die DFB-Tätigkeit zu ziehen. Das waren zwei verpasste Riesenchancen für Joachim Löw.

(K)ein Umbruch

Doch damit nicht genug: Anstatt aufzuhören beziehungsweise zurückzutreten, verkündete er vor wenigen Wochen und von falschem Ehrgeiz getrieben, dass er „höchschtpersönlich“ den Umbruch einleiten und den deutschen Fußball wieder in die Erfolgsspur führen wolle. Damit nahm das jetzt noch deutlicher als im Juni auftretende Dilemma seinen Lauf, denn der Jogi hätte erneut „Nein“ sagen können (sogar müssen!), als es darum ging, bei der ersten Nominierung im Spätsommer auf die arrivierten Kräfte zu verzichten. Der Bundestrainer aber leitete eben nicht den angekündigten Umbruch ein, sondern setzte auch in den ersten Partien der neuen Saison auf Manuel Neuer, Mats Hummels, Jeromé Boateng und Toni Kroos, die es schon in Russland nicht hinbekommen hatten.

Ignoranz

Und er ignorierte bei aller Vorliebe für tiefgreifende Analysen, Werte und Zahlen, dass zum Beispiel Manuel Neuer seit Saisonbeginn Leistungswerte aufweist, die ihn im letzten Drittel der Bundesliga-Torhüter platziert sehen. Er ignorierte auch das auffällig fehlende Tempo und die Spritzigkeit von Jeromé Boateng und Mats Hummels, unter deren Symptomen auch die Bayern zu leiden haben. Und er ignorierte auch, dass stetig abfallende Leistungspanel des scheinbar unantastbaren „Königlichen“ Toni Kroos, der bei den Madrilenen seinen Stammplatz eingebüßt hat.

Falsch abgebogen

Ich könnte noch einige weitere Beispiele (Jonas Hector!) dafür nennen, dass Jogi Löw „falsch abgebogen“ ist und nun den Weg auf die Autobahn – und schon gar nicht auf die Überholspur – wiederfindet. Es ist ein ziemliches Dilemma, in das er sich und die DFB-Oberen, die erst kurz vor der Weltmeisterschaft seinen Vertrag ohne Not bis 2022 verlängert haben, da bugsiert hat. Es gibt nämlich keinerlei Anzeichen, dass Löw sich in naher Zukunft von seinen vertrauten „Stammspielern“ trennen wird. Solange er öffentlich behauptet, dass Akteure wie Julian Brandt, Leroy Sané oder Timo Werner (noch) nicht die nötige Qualität aufweisen und noch Zeit bräuchten, genauso lange wird er noch „Watschn“ wie am Samstag gegen die Holländer erleben.

Zeit zu gehen

Es gibt meines Erachtens nur noch zwei Optionen, entweder „zwingen“ ihn die DFB-Verantwortlichen sanft zum Rücktritt oder sie vollziehen ihn unsanft. Eine Perspektive, die Sinn macht, kann ich mit dem Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr erkennen. Den verpassten Chancen wird er in den nächsten Jahren nur noch nachtrauern können, denn er hat sich sein eigentlich unumstößliches Denkmal „höchschtselbst“ zerstört.

Defensiv-Spektakel

Auf die morgige Nations-League-Partie gegen den Weltmeister aus Frankreich werde ich übrigens verzichten. Wenn mich nicht alles täuscht, werden Sie eine Nationalmannschaft im totalen Defensiv-Modus sehen und nach einer knappen Niederlage hören, dass sich alle voll reingehängt haben und es nur darum ging, ein Desaster wie gegen die Niederlande zu vermeiden. Und das in einer Liga, die niemand benötigt. Schade, oder?

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