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Gamerdingers Fußball-Kolumne: In München steht ein Hofbräuhaus...

11.03.2019 - …und bei mir Zuhaus ein Sofa! Und von dieser ziemlich bequemen Sitz- und Liegegelegenheit aus habe ich mir bei ziemlichem Schmuddel-Wetter die volle Fußball-Dröhnung verabreicht. Wobei es die ja eigentlich schon am Freitag gab. Und zwar so krass, dass es die Betroffenen durchaus hätte ins Hofbräuhaus verschlagen können. Denn das, was der Bundestrainer den drei Münchner Weltmeistern mitteilte, war durchaus schwer verdauliche Kost, die „Mann“ sich gern mit ein bis acht Bieren verdünnt.

  • Thomas Müllers letzter Auftritt im Nationaltrikot – zumindest, so lange der Bundestrainer Joachim Löw heißt: Am 19. November wurde er beim 2:2 gegen die Niederlande in der 66.Minute eingewechselt. © picture alliance /...

    Thomas Müllers letzter Auftritt im Nationaltrikot – zumindest, so lange der Bundestrainer Joachim Löw heißt: Am 19. November wurde er beim 2:2 gegen die Niederlande in der 66.Minute eingewechselt. © picture alliance / dpa / Anke Waelischmiller / SVEN SIMON

Ohne Not

Wie so manch andere Entscheidung der vergangenen Monate, wird auch der Grund für jene vom Freitag vermutlich ein Geheimnis bleiben, das Jogi Löw irgendwann einmal mit in sein Grab nehmen wird. Ich bin weit davon entfernt, ihm den Tod zu wünschen, aber drei verdienten, gestandenen und im vollen Profi-Fußball-Alltag stehenden Akteuren – so völlig ohne Not – die Tür zur Nationalmannschaft für immer zuzuschlagen, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar.

Scheinheiligkeit

Doch damit nicht genug. Ich empfinde es als geradezu scheinheilig, den Spielern am Freitag kurz vor der Veröffentlichung einer vorbereiteten Pressemitteilung lediglich mitzuteilen, dass ein grundsätzlicher Umbruch im Kader ausschlaggebend für die Ausbootung von Jeromé Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller war. Natürlich dürfen die beiden Erstgenannten bereits „Ü30-Partys“ besuchen, und natürlich waren die sportlichen Leistungen zuletzt nicht gerade herausragend. Aber ein 29-jähriger Thomas Müller hat immer noch das Potenzial, sich aus (s)einem kleinen Tief herauszuspielen - und Boateng sowie Hummels als mögliche Stabilisatoren einer jungen Mannschaft jetzt komplett über Bord zu werfen, macht keinen Sinn. Oder besser: Es würde nur dann Sinn machen, wenn die Gründe der Ausbootung andere wären. Und genau davon bin ich überzeugt!

Wortführer im Weg

Die von Löw geschassten Akteure sind nämlich sowohl in München als auch bei der Nationalmannschaft die absoluten Wortführer und nehmen, beziehungsweise nahmen die Leader-Rolle ein. Exakt da wird für mich ein Schuh draus. Es müssen meines Erachtens im Mannschaftskreis der Nationalelf Dinge vorgefallen sein, die Jogi Löw mit der Ausbootung aus dem Weg schaffen möchte. Hummels und Müller gehörten bei der verkorksten Russland-WM im vergangenen Sommer immerhin dem Mannschaftsrat an. Boateng brauchte das nicht – sein Wort hatte allein durch seine Persönlichkeit schon Gewicht. Und er hatte nie Probleme damit, sich öffentliches Gehör zu verschaffen.

Wachablösung

Wer noch im Mannschaftsrat saß? Manuel Neuer, Sami Khedira und Toni Kroos! Alle drei aus der Weltmeister-Elf von 2014, und Neuer sowie Kroos mit bayrischem Stall-Geruch behaftet Damit hat Joachim Löw sich nicht nur von den tragenden Säulen seines größten Erfolges getrennt, sondern auch den Bayern-Block im Mannschaftsrat gesprengt. Und genau das war auch sein Ziel: Verkrustete Hierarchien im Mannschafts-Gefüge aufbrechen und damit den Weg für eine von starken Persönlichkeiten unbeeinflusste neue Struktur zu schaffen und die Wachablösung durch eine neue Spielergeneration einzuleiten. Klingt logisch, oder!?

Entscheidung mit Kalkül

Der Einfluss der Geschassten auf die jüngeren Spieler muss so groß (gewesen) sein, dass der Bundestrainer sogar die nun aufgekommene öffentliche Kritik in Kauf genommen hat. Er wusste nämlich vorher, dass das „Stall ausmisten“ zu diesem Zeitpunkt nicht ohne negative Nebentöne ablaufen würde. Aber der interne Unmut muss so groß gewesen sein, dass er den Aufschrei von halb Fußball-Deutschland einkalkuliert hatte. Anders nämlich ist der Zeitpunkt nicht erklärbar.

Zerschnittenes Tischtuch

Und er wusste auch, dass es „Störfeuer“ aus München geben würde. Bezeichnend ist doch, dass sich mit Youngster Joshua Kimmich sogar einer der jungen Garde öffentlich kritisch über das Vorgehen „seines“ Bundestrainers äußert. Aus meiner Sicht ein klares Indiz dafür, dass das Tischtuch zwischen Löw und den Bayern ziemlich zerschnitten sein muss. Kimmichs öffentliches Anzweifeln des Vorgehens bedarf der Rückendeckung seiner sportlichen Leitung im Verein, ansonsten hätte er sich das niemals erlaubt!

Letzter Akt

Um es mit Giovanni Trapattoni zu sagen: Joachim Löw hat noch nicht fertig! Es folgt in Kürze der letzte Akt: Achten Sie mal darauf, wie lange Toni Kroos noch mit Bundesadler auf der Brust seine Kreise im Mittelfeld ziehen und wer demnächst das Tor hüten wird… Kann gut sein, dass Manuel Neuer und Toni Kroos demnächst mal im Hofbräuhaus ein Bierchen trinken.

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