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Gamerdingers Fußball-Kolumne

10.09.2018 - Feiern Sie auch noch die UEFA-Offiziellen, die sich die „UEFA Nations League“ mehr oder weniger mal eben aus dem Ärmel geschüttelt haben? Ich weiß gar nicht, wohin mit meiner ganzen Freude! Allein die aufkommenden Zweifel an meiner Intelligenz, den Spiel- und Gruppenmodus der einzelnen Ligen zu verstehen, trübt die Freude etwas, aber sonst: Tolle Sache, endlich keine Sommer- oder Herbstpause´n mehr!

  • Der Auftakt der Nations League ging vom Ergebnis in Ordung: Toni Kroos (l.), der vor der Partie als Fußballer des Jahres gekürt wurde, führte die DFB-Elf zu einem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich – Foto: Imago © Imago...

    Der Auftakt der Nations League ging vom Ergebnis in Ordung: Toni Kroos (l.), der vor der Partie als Fußballer des Jahres gekürt wurde, führte die DFB-Elf zu einem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich – Foto: Imago © Imago / Imago

  • Wohl nicht einmal UEFA-Präsident Aleksander Ceferin könnte alle Ergebnisse des ersten Nations-League-Wochenendes nennen. Georgiens 1:0 gegen Lettland war ja schon überraschend... – Foto: Imago © Imago /

    Wohl nicht einmal UEFA-Präsident Aleksander Ceferin könnte alle Ergebnisse des ersten Nations-League-Wochenendes nennen. Georgiens 1:0 gegen Lettland war ja schon überraschend... – Foto: Imago © Imago / Imago

  • Die frühzeitige Vertragsverlängerung für Joachim Löw bis 2022 vor der WM war durchaus umstritten. Nun erklärte DFB-Präsident Reinhard Grindel, warum er am Bundestrainer festhält - Foto: Imago © Imago...

    Die frühzeitige Vertragsverlängerung für Joachim Löw bis 2022 vor der WM war durchaus umstritten. Nun erklärte DFB-Präsident Reinhard Grindel, warum er am Bundestrainer festhält - Foto: Imago © Imago / Imago

  • Nico Schulz krönte sein Länderspiel-Debüt vor heimischem Publikum mit dem quasi unhaltbaren Siegtreffer zum 2:1 - Foto: Imago © Imago /

    Nico Schulz krönte sein Länderspiel-Debüt vor heimischem Publikum mit dem quasi unhaltbaren Siegtreffer zum 2:1 - Foto: Imago © Imago / Imago

Wie wär's, wenn wir im Tennis im Tiebreak nur noch Aufschläge unterhalb der Hüfte zulassen würden? Wie wär's, wenn man im Feldhockey bei Strafecken nur noch Baseballschläger verwenden dürfte? Und wäre es beim Biathlon nicht viel ökologischer, die Distanz auf die Scheiben zu verkürzen und dafür mit Schneebällen statt mit Munition zu zielen...?

Etwa genauso "sinnvoll" ist die Einführung dieser äääääh: Dings! Dass die UEFA Nations League nur geboren wurde, um die Geldsäcke der UEFA weiter anwachsen zu lassen, darüber sind wir uns ja wohl alle einig. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass nun auch die Sommerpausen in den Jahren zwischen Welt- und Europameisterschaften mit den Finalrunden der „NL“ ihre Namensberechtigung verloren haben. Die Vereine, die Nationalspieler abstellen, wie auch die Akteure selbst, werden ihre Freude haben, denn nun müssen die Kader noch mehr aufgebläht werden, um durch Überlastung hervorgerufene verletzungsbedingte Ausfälle vorzubeugen. Und die Akteure selbst werden jetzt noch "motivierter" in die künstlich aufgewerteten Freundschaftsspiele gehen, weil sie quasi gar keine Erholungsphasen mehr haben.


Sättigung erreicht

Ich war ja immer schon gegen diese unsägliche Länderspielpause im September - nach zwei Bundesligaspieltagen... Und da die Abstellungsperiode mancherorts sogar vor dem letzten Transfertag begann, hat der eine oder andere Fußballer seinen aktuellen Verein bzw. Trainer noch nicht einmal gesehen. Aber nun ist alles unter dem Deckmantel, man könnte sich für die EM qualifizieren, noch viel schlimmer.

Es wird also fleißig weiter daran gewerkelt, den Fußballsport kaputt zu machen. Auch wenn die TV-Quoten der Auftaktpartie der deutschen Mannschaft gegen den Weltmeister aus Frankreich mit elf Millionen Zuschauern gut drei Millionen deutlich über dem letzten WM-Vorbereitungsspiel lagen, wird das Interesse an dieser Liga für Nationalmannschaften über kurz oder lang erheblich leiden, was vornehmlich an der Sättigung des Fußball-Konsumenten liegt, aber natürlich auch am kaum verständlichen Modus.


(W)irrer Modus

Also: Es gibt ja wohl vier Ligen mit vier Gruppen und zumeist drei Teams (aber auch ein paar Vierergruppen!). Die Gewinner der ersten Liga spielen nächsten Sommer um den Titel, die aus den anderen Gruppen steigen in die nächsthöhere Liga auf. Die Schlusslichter der Ligen eins bis drei steigen dagegen ab. Aber nun kommt's: Die Gruppensieger spielen zusätzlich in Play-Off-Partien noch vier Teilnehmer der UEFA Fußball-Europameisterschaft aus. Und zwar jede Liga für sich. Und die Gruppensieger der ersten Liga spielen dann ein drittes Mal gegeneinander, es sei denn, sie sind schon über die ja parallel übliche EM-Qualifikation für die Turnierteilnahme berechtigt. Dann würden andere Nationen nachrücken. Also andere Teams aus anderen Gruppen, oder so ähnlich. Wahnsinn, oder? Dann doch lieber Hockey-Strafecken mit Schneebällen...



Kommerz steht über allem

Da die nächste EM 2020 ja eh in 13 Ländern stattfindet, könnten dann ja alle Gruppensieger aller Ligen mit einem Heimspiel zusätzlich „vergütet“ werden. Blicken Sie da noch durch? Ich nicht! Und dann wundern sich die ganzen Strategen und Marketing-Experten, die TV- und Stadion-Vermarkter, dass sich die Basis der Fans immer weiter von diesem Kommerz-Geschehen abwendet. Dass Pyro-Aktionen eher zu- als abnehmen? Ich finde, das ist hausgemacht und eine logische Folge, denn die Verbände verfolgen nur noch ihr wirtschaftliches Interesse, nicht aber jene grundsätzliche Ziele, den Sport als solchen zu fördern. Die Quittung dafür wird schneller kommen als sich viele der Verantwortlichen heute vorstellen können.

Struktur muss verändert werden

Sportlich ist die Quittung nämlich schon ein gutes Stück weit an der Entwicklung des deutschen Fußballs ablesbar. Seit den weitgehenden strukturellen Veränderungen vor der Heim-Weltmeisterschaft 2006, von denen wir bis 2014 profitieren konnten, ist nicht mehr viel geschehen im Lande des DFB. Das rächte sich in Russland offensichtlich. Es wird also Zeit, wieder an den richtigen Stellschrauben zu drehen, Trainings- und Spielkonzepte sowie Taktikschulungen zu hinterfragen, Leistungszentren zu überprüfen und abzugleichen, welche Spielertypen möglicherweise verloren gegangen sind beziehungsweise dringend benötigt werden. Nur mit nachhaltigen Veränderungen in der Ausbildung wird sich mittelfristig auch der sportliche Erfolg wieder einstellen.

Einer davon ist ja schon, dass unsere DFB-Jungs derzeit nicht auf einem Abstiegsplatz stehen, weil Frankreich gegen die Niederlande 2:1 gewonnen hat. Was? Sie haben aktuell total aufregenden Entwicklung der Nations League etwa nicht verfolgt...?