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SUPREME COURT LÄSST SPORTWETTEN ZU: MARKTÖFFNUNG IN DEN USA

16.05.2018 - Das höchste Gericht der USA öffnet die Türen für Sportwetten Anbieter. Mit dieser Entscheidung sind deutliche Auswirkungen auf den Markt zu erwarten.

  • Die Sportbegeisterung der USA könnte bald eine neue Dimension gewinnen: Mit der Entscheidung des Supreme Courts steht es den Staaten offen, Sportwetten zu legalisieren. © Riley McCullough, unsplash.com, CC0

    Die Sportbegeisterung der USA könnte bald eine neue Dimension gewinnen: Mit der Entscheidung des Supreme Courts steht es den Staaten offen, Sportwetten zu legalisieren. © Riley McCullough, unsplash.com, CC0 1.0

Las Vegas ist weit über die Staatsgrenzen Nevadas und über die Weiten des Ozeans hinaus bekannt für seine Casinos und das Spiel um viel Geld. Auch der hohe Stellenwert von Sport in den USA, die Beliebtheit von Football und Baseball, Basketball und Eishockey gehört zum Bild der Staaten dazu. Beides zu verbinden und auf Sportereignisse zu wetten ist nichts Seltenes und zumindest hierzulande weit verbreitet.

Das könnte auch bald in den USA an der Tagesordnung sein. Denn am Montag kippte das höchste Gericht der USA die Auslegung des „Professional and Amateur Sports Protection Act (PASPA)“, die besagt, dass Wetten auf Sportereignisse verboten sind. Damit geht eine monatelange Verhandlung des Gerichts zu Ende, die voraussichtlich enorme Auswirkungen auf den Markt haben wird.

Staat gegen Liga: Der Fall New Jersey

Seit Dezember letzten Jahres bereits beschäftigte sich der Supreme Court mit der Frage, ob New Jersey Sportwetten erlauben darf – denn der Staat setzte sich proaktiv dafür ein. Sein Argument: PASPA und damit das seit 1992 geltende Bundesrecht wirkt entgegen der Freiheiten der Staaten ihre eigenen Gesetze zu erlassen. Zudem existierten Sportwetten bereits mit einem Umsatz von über 150 Milliarden Dollar jährlich, allerdings auf dem Schwarzmarkt. Die Argumente der Gegner hingegen liegen vor allem im Ansehen des Sports – die großen Ligen NHL, NFL, MLB und NBA fürchten die Integrität ihres Sports, denn Gambling an sich ist in den USA höchst negativ konnotiert. Sie waren es auch, die die Legalisierung anfochten und den Fall erst vor das Gericht brachten. Die Gründe dafür liegen aber auch in der Gesellschaft: Besonders die Konservativen sehen im Glücksspiel ein großes Übel, was auch in den letzten Jahrzehnten politisch so vertreten wurde. Dass der Supreme Court nun die Auslegung des PASPA neu definiert, ermöglicht den Staaten jedoch künftig selbst über die Zulassung von Sportwetten Anbietern zu entscheiden und gibt New Jersey recht.

Die Fachpresse liefert weitere Informationen und rechnet mit einer Explosion des Marktes, ganz besonders in Hinblick auf die herannahende Fußball-Weltmeisterschaft. Denn wie der bereits bestehende Schwarzmarkt impliziert, gibt es hier ein großes Budget, dass es künftig nur richtig zu lenken gilt. Auch die Aktien von Spielcasinos und Wettbüros sind seit Montag deutlich gestiegen.

Ein Zugewinn für den Sport, eine Entscheidung für die Politik

Wie genau sich der Markt und der Ablauf künftig gestalten wird, bleibt abzuwarten. Bisherige Regelungen ließen die Sportwetten nur in offiziellen Annahmestellen in Nevada abgegeben werden. Online Annahmen waren nicht möglich. Ebenfalls bleibt offen, welche Staaten der Einladung folgen und Sportwetten tatsächlich legalisieren. Wie auch in Deutschland werden dann Anbieter lizensiert, die entsprechend auch Steuern zahlen müssen – potenziell ein echter Zugewinn.

Ebenfalls können die Anbieter dann dazu übergehen, Sponsorings an Sportteams heranzutragen: Das bedeutet auch für den Sport selbst die Möglichkeit, von der Legalisierung zu profitieren. Die Möglichkeit zu wetten lockt viele Zuschauer, genau so wie Werbeeinnahmen einen deutlichen Zugewinn für die Sport-Teams und Stadien bedeuten können. Auf der anderen Seite befürchten Gegner allerdings, dass Schiebung und Einflussnahme ein Thema werden könnte, die den Sport abhängig von der Gier einzelner macht. Allerdings lässt sich das entkräften: Wo ein illegaler Markt für Sportwetten besteht, können auch illegale Absprachen folgen. Gibt es eine offizielle Regulation, ist dem auch entgegen zu wirken.

Es bleibt aber doch bestehen: Sportwetten sind ein zweischneidiges Thema. Das sieht auch der Supreme Court in der Stellungnahme dazu so:

„The legalization of sports gambling is a controversial subject. Supporters argue that legalization will produce revenue for the States and critically weaken illegal sports betting operations, which are often run by organized crime. Opponents contend that legalizing sports gambling will hook the young on gambling, encourage people of modest means to squander their savings and earnings, and corrupt professional and college sports. The legalization of sports gambling requires an important policy choice, but the choice is not ours to make”

Kurz: Gegner und Fürsprecher haben ihre Argumente, darunter Jugendschutz und Korruption, aber auch das Entgegentreten des illegalen Marktes ist ein wichtiger Punkt. Aber: Die Legalisierung von Sportwetten ist eine wichtige politische Entscheidung, die aber nicht dem oberen Gerichtshof obliegt. Damit wird die Entscheidung des Kongresses von 1992 entkräftet, denn über dieser Entscheidung steht die Verfassung der Vereinigten Staaten, die dem Kongress nicht die Macht zuspricht, solch zentrale Entscheidungen zu treffen. Die Zweischneidigkeit an sich spiegelt sich auch in der Entscheidung wieder, die nicht einstimmig, sondern mit sechs zu drei Richterstimmen ausfiel.

Nun bleibt abzuwarten, wie die einzelnen Staaten entscheiden. New Jersey ist sicherlich der erste Staat, der die offizielle Erlaubnis auf den Weg bringt, da dort alles anfing und die Infrastrukturen bereits geschaffen sind.