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Wolf Maahn: Klimaschutz als «Thrill» für Superreiche

10.02.2020 - Politisches Engagement hat schon viele Lieder von Wolf Maahn geprägt. Sein neues Album richtet sich nun mit kraftvollem Rock und Reggae an superreiche Mitbürger: Gebt Eure Millionen für den Klimaschutz aus - denn das kann so viel Freude machen!

  • Idealist und Kämpfer: Wolf Maahn. Foto: Jörg Carstensen/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Idealist und Kämpfer: Wolf Maahn. Foto: Jörg Carstensen/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Er ist schon mit Bob Marley, Fleetwood Mac oder Bob Dylan aufgetreten und hat 1985 mit den Deserteuren als erster deutscher Act im legendären TV-«Rockpalast» gespielt. Wolf Maahn ist einer der besten, beständigsten Songwriter des Landes - und einer der politischsten.

Nach Jahrzehnten des Engagements für Afrika und Flüchtlinge, gegen Umweltzerstörung und Atomenergie legt er nun wieder eine Studioscheibe mit klarer Kante vor.

«Break Out Of Babylon» ist eine Art Konzeptalbum: In sieben von zwölf neuen Liedern erzählt es «die Geschichte von William, einem Milliardär, der durch den Einfluss eines Aktivisten auf seine Tochter und auf seine Frau von einer Sinnkrise zu neuem, ungeahntem Glück findet». So beschreibt der 64-Jährige eine Platte, die ihn erneut als großen Idealisten und Kämpfer zeigt.

Die bevorzugte Klangfarbe des Musikers, der früher ohne Stil-Scheuklappen Rock, Pop und Soul verschmolz, ist diesmal Reggae. «Das sind besondere Zeiten. Die Gesamtsituation ist politisch sehr spannend», sagt der seit langem in Köln lebende Marley-Fan im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Daher musste ich eine Lust auf entspannte Musik verbinden mit politischem Aktivismus. Und was geht da besser als Reggae? Diese Musik hat viel zu tun mit Auflehnung, auch gegen Ungerechtigkeit.»

Seine eigene Auflehnung gegen die Katastrophe des Klimawandels verbindet Maahn mit einem nicht platt anklagenden, sondern motivierenden Wink an die besonders Wohlhabenden, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. «Ich glaube, dass die Reichen viel zu wenig auf dem Schirm sind in der ganzen Klimadiskussion. Jeder von uns muss nahezu einen Kulturwandel hinlegen. Und dann sind da die Reichen», sagt der Musiker. «Allein von den Billionen Euro, die in den Steuerparadiesen liegen, könnte man das Klima schon retten. Indem man zum Beispiel den Amazonas-Urwald einfach kauft, gegen das Abholzen.»

Maahn verweist auf gesellschaftspolitisch sensible, aufgeklärte Superreiche wie CNN-Gründer Ted Turner oder Bill Gates. Und er zitiert die von ihm sehr bewunderte schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, wenn er sagt: «Das Haus brennt. Und ein Handy kann man nicht essen. Insofern müssen wir uns beeilen.» Resignation verbiete sich: «Jetzt gerade gar nicht. Ich habe so viele Jahre das Klima- und Umweltthema in Songs auf dem Schirm gehabt - aber jetzt fängt's ja gerade so richtig an, auch die Letzten haben verstanden, dass was passieren muss.»

«Break Out Of Babylon» ist aber zum Glück kein Album mit hölzernen Parolen oder naiven Appellen, sondern ein textlich wie musikalisch kraftvolles Werk voller aufmunternder Rhythmen - der Opener heißt nicht umsonst «Tanzen gegen den Wahnsinn». Neben Umweltthemen und den zynischen Exzessen eines entfesselten Kapitalismus («Star Investor») spricht Maahn auch Überforderung in der Arbeitswelt («Hamsterrad») oder Obdachlosigkeit («Where The Homeless Go») an.

Gelegentlich verfällt er in einen deutsch-englischen Wortmischmasch, zwei Lieder singt er komplett auf Englisch. Der Funk-Song «Love Dimension» gegen Ende des Albums schildert dann die Läuterung des fiktiven Superreichen: «Der Königsweg/Freude schenken/ist alles was ich will/Freude zu teilen, Baby, ist der absolute Thrill.»

Maahn, der auch als Filmkomponist, Produzent oder Schauspieler erfolgreich war, weiß natürlich, dass es mit Polit-Songs immer so eine Sache ist. «In den 90ern waren wir mit Protestliedern ja uncool - als Betroffenheitssänger, die mit den Birkenstock-Latschen», sagt er im dpa-Interview lachend. Er würde sich nicht vor einen Karren spannen lassen. «Wobei die Grünen natürlich die Partei sind, die am ehesten Klartext redet in ihrem Programm etwa zum Klimawandel. Da käme es vielleicht auf den Rahmen an. Aber generell möchte ich mich als unabhängig begreifen.»

Nun will der erfahrene Musiker, dessen Studio- und Live-Alben seit «Deserteure» (1982) regelmäßig die Charts erreichen, erstmal mit «Break Out Of Babylon» und den alten Liedern auf Tour gehen. «Für mich als Rampensau kommt bei Konzerten alles zusammen - der Spirit, das gemeinschaftliche Erleben von Musik», sagt Maahn. Er hofft, dass er neben dem Spaß mit den neuen Songs ein bisschen aufrütteln kann.

Und er bleibt Optimist: «Das Klima-Problem ist ja zumindest theoretisch wirklich dazu geeignet, die Welt wieder zu vereinen. Da kommt man mit Nationalismus nun mal nicht weiter. Dem Klima ist es egal, welche Landesgrenze wo anfängt.»

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