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Typischer Tapete-Indiepop: Moritz Krämer und Botschaft

14.02.2019 - Das Indie-Label Tapete steht - unter anderem - für deutschsprachigen Qualitätspop. Was mit den neuen Alben von Moritz Krämer und Botschaft mal wieder unter Beweis gestellt wäre.

  • Moritz Krämer schaut genau hin. Foto: Anne Krausz © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Moritz Krämer schaut genau hin. Foto: Anne Krausz © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Und Nebel wabert über die Wiese: Botschaft. Foto: Dennis Dirksen © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Und Nebel wabert über die Wiese: Botschaft. Foto: Dennis Dirksen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Stilvoller Pop mit mal lässigen, mal melancholischen, aber nie depressiv-trübsinnigen Texten - im Katalog des Hamburger Labels Tapete findet man da so einiges. Nach Niels Frevert, Friedrich Sunlight, Erdmöbel oder Tele werden nun auch Moritz Krämer und Botschaft hohen Ansprüchen gerecht.

MORITZ KRÄMER (38) ist neben dem Tapete-Künstler Francesco Wilking sowie Max Schröder und Felix Weigt seit 2011 Mitglied der Tapete-Band Die Höchste Eisenbahn - und damit in deutschen Indiepop-Kreisen durchaus erfolgreich. Nun erscheint mit «Ich hab' einen Vertrag unterschrieben 1 & 2» sein zweites Soloalbum.

Und es macht - wie schon auf dem Debüt «Wir können nix dafür»  (2011) - wieder viel Spaß, den oft in schnoddrigem Tonfall dargebotenen Alltagsbeobachtungen und ironischen Spitzen dieses Songwriters zuzuhören. In 16 Songs mit 52 Minuten Spielzeit (auf Vinyl als Doppelalbum) breitet Krämer sich - wie Tapete trefflich zusammenfasst - über eine Thematik aus, «das uns alle betrifft, aber selten im Plattenregal zu finden ist: Verträge».

Es geht um die Befindlichkeiten des unter Zugzwang stehenden Label-Künstlers, der weiß: «Eine Ballade muss drauf sein» (einer der häufig langen Songtitel des Albums für eine - na klar - hübsche Ballade). Mit «Ich muss an Udo denken» zieht Krämer auf charmante Art den Hut vor einem der großen Hutträger des deutschen Pop.

Der Titelsong «Ich hab' einen Vertrag unterschrieben», «Um raus zu sein» und «Wenn dein Deal ein guter ist» erinnern auf unpathetische Weise daran, dass die meisten Musiker Teil einer kommerziellen Strategie sind und sich dem unterordnen müssen. Selten hat sich ein Künstler mit so viel Leichtigkeit und ohne Lamoryanz an einem so sperrigen Thema abgearbeitet.

Für Krämers von Gitarre, Piano und schicken Streichern geprägte Musik bietet Tapete ein regelrechtes Referenzen-Feuerwerk auf: US-Neo-Folkpopper wie Whitney und Andy Shauf, Kevin Morby und Wilco, Motown und Beatles, Curtis Mayfield, Randy Newman, Todd Rundgren - uff! Letztendlich ist es nobler, ambitionierter Deutschpop, den der im Schwarzwald aufgewachsene, schon lange in Berlin lebende Musiker hier bietet. Reicht ja auch völlig.

Als «Tretboot-Rock» hat der «Rolling Stone» etwas despektierlich den Sound des Debütalbums der 2016 gegründeten Gitarrenpop-Band BOTSCHAFT bezeichnet. Tatsächlich enthält ihre ebenso zart melodische wie zupackende Musik Spurenelemente von Yacht- und Softrock, von Steely Dan, Prefab Sprout, The Smiths, Aztec Camera und dem Tapete-Aushängeschild Lloyd Cole (wo ist der eigentlich abgeblieben?).

Die Botschaft von Botschaft könnte also lauten: Macht es Euch gemütlich, genießt das Leben, entflieht der Realität. Andererseits gibt es politische Anspielungen in Songtiteln wie «Herrschaftsfrei», «Atom» oder «Sozialisiert in der BRD».

Reiner Eskapismus klingt anders - auch wenn man sich mit der euphorisch jubilierenden Leadstimme des einzigen Berliner Botschaft-Mitglieds Malte Thran bequem einrichten kann, falls man nicht so sehr auf die schlauen bis gegenwartskritischen Texte achtet. Damit senden diese fünf Musiker (früher bei Robocop Kraus, Station 17 und Tusq aktiv) eine raffinierte Doppel-Botschaft - und sind gar nicht so weit weg von Blumfeld oder Tocotronic.

Konzerte Botschaft: 22.2. Bamberg, 23.2. Offenbach, 30.3. Augsburg, 12.4. Kiel, 13.4. Bochum

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