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George Clooney: "Es ist wichtig, dass wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen"

20.05.2019 - In der Miniserien-Adaption der Weltkriegssatire "Catch-22" verkörpert George Clooney als General Scheisskopf die Stupidität der Kriegsmaschinerie. Wir trafen den Oscar-Gewinner zum exklusiven Interview über politisches Filmemachen.

49 Jahre nach der Leinwandadaption von Mike Nichols erlebt Joseph Hellers 1961 erschienene Weltkriegssatire  "Catch-22" (ab 24. Mai bei Starzplay) eine Wiedergeburt als Miniserie, für die sich GOLDENE KAMERA-Preisträger George Clooney (2000) gerne und aus gutem Grund zum Affen macht...

 

Darum geht's in der Miniserien-Adaption von "Catch-22"

John Yossarian (Christopher Abbott) ist 1942 mit seinem Bombergeschwader auf der italienischen Insel Pianosa stationiert und kriegsmüde. Doch statt Fahnenflucht zu begehen, stürzt sich Yossarian mit Feuereifer in die Einsätze, da nach Statuten des US-Militärs nicht derjenige als dienstuntauglich gilt, der Bedenken äußert, sondern derjenige, der sie blindlings beiseite wischt. Die Folge ist ein irritierend aufmüpfiges Verhalten der ganzen Truppe, das nicht nur General Scheisskopf (George Clooney) ein Dorn im Auge ist...

"Catch-22": George Clooney im Interview

 

GOLDENE KAMERA: Sie fungieren bei "Catch-22" als Regisseur, Produzent und Darsteller. Welcher Job war die größte Herausforderung?

GEORGE CLOONEY: Natürlich das Inszenieren, denn damit bestimmt man Ton und Stil der Handlung. Meine Co-Regisseure Grant Heslov, Ellen Kuras und ich hatten uns von Anfang an dafür entschieden, dass der Look der Miniserie dem gleichen sollte, wie wir den Zweiten Weltkrieg in der BBC-Dokureihe "Die Welt im Krieg" vermittelt bekamen: Nicht jedes Bild ist scharf und kristallklar, sondern voller Schatten und manchmal sogar verschwommen.

 

Inwieweit unterscheidet sich die Miniserie von Joseph Hellers Roman? 

Ich habe das Buch in der Schule gelesen. Das ist also schon ein bisschen her. (lacht) Dieser Roman ist für mich ein absoluter Klassiker! Als ich das Angebot für die Miniserie bekam, habe ich also erst einmal dankend abgelehnt. Aber die Drehbücher der sechs Episoden waren so fantastisch, dass ich nicht widerstehen konnte.

Ich war auch ein großer Fan der "Catch 22"-Verfilmung "Der böse Trick" von Mike Nichols. Die Adaption von Buch zu Film war sehr knifflig, weil viele Figuren starben, bevor der Zuschauer sie wirklich kennen lernen konnte. Da hatte ich es etwas leichter, weil mir sechs Stunden für die Handlung zur Verfügung standen und die Figuren dadurch nicht mehr nur Kanonenfutter sind, sondern zu Menschen werden, die dem Zuschauer etwas bedeuten, bevor sie ins Gras beißen.

 

"Catch-22" ist nicht Ihr erster Geschichtsausflug. "Monuments Men: Ungewöhnliche Helden" spielt auch während des Zweiten Weltkriegs. Warum ist es Ihnen so wichtig, in die Vergangenheit zu blicken?

Wenn wir nicht in die Vergangenheit blicken, vergessen wir unsere Fehler. Menschen lernen nicht aus ihren Erfolgen, sondern aus dem, was sie falsch gemacht haben. Es ist also wichtig, dass wir uns ständig daran erinnern, damit wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Vor allem jetzt, wo die Welt mehr und mehr zu autoritären Regierungen tendiert. Und wo sich Länder wie Italien, Ungarn, Polen und Brasilien aber auch die USA mehr und mehr politisch nach rechts außen orientieren.

 

Können Filme oder Serien die Weltpolitik beeinflussen?

Manchmal ja, manchmal nein. Manchmal zum Positiven, manchmal zum Negativen. "Die Geburt einer Nation" hat nach seinem Erscheinen 1915 wahrscheinlich den Ku-Klux-Klan wiederbelebt. Filme der 1970er Jahre über den Vietnamkrieg hatten einen sehr großen politischen Einfluss. Und "Die Unbestechlichen" (1976) über die Watergate-Affäre hat den Journalismus geprägt. Ich persönlich bin der Meinung, dass es gut ist, wenn Schauspieler oder Berühmtheiten sich politisch oder sozial engagieren, vor allem wenn sie wissen, worüber sie reden. (lacht)

 

Das ist bei Ihnen zweifellos der Fall. Deswegen wünschen sich auch viele, dass Sie ins Weiße Haus ziehen...

Als Nich-Politiker kann ich mein Leben wesentlich mehr genießen! Was mich am meisten davon abhält, in die Politik zu gehen, sind die Zugeständnisse und Kompromisse, die ich machen müsste. Dazu bin ich nicht bereit. Ich stehe lieber fest hinter meinen Überzeugungen, auch wenn sie umstritten sind und es bedeuten könnte, dass meine Filme boykottiert werden. Ich bin erwachsen genug, um das einstecken zu können.

Sind Sie auch erwachsen genug, von nun an als "Scheisskopf" geneckt zu werden?

(lacht) Ich weiß nicht, was mehr zum Spott einlädt: der Name oder der Schnurrbart! Diesen Namen habe ich mir redlich verdient, denn meine Figur ist keine nette Person. Er ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Scheisskopf – vor allem gegenüber Yossarian, der von Chris Abbott dargestellt wird. Aber das geschieht Yossarian nur recht, denn er schläft schließlich mit meiner Frau!

 

Haben Sie deswegen Chris Abbott nackt vor der Kamera rumlaufen lassen? War das Ihre Rache?

(lacht) Er lief nicht nur vor der Kamera nackt rum, sondern vor der ganzen Welt! Denn die Paparazzi saßen mit ihren Zoom-Objektiven in den Büschen versteckt. Zum Glück hat Chris viel Humor und nur darüber gelacht. Und außerdem sieht er nackt verdammt gut aus. Viel besser als ich! (lacht)

Interview: Anke Hofmann

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