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Gamerdingers Fußball-Kolumne

05.11.2018 - Irgendwie macht jetzt alles einen Sinn, oder? Insbesondere diese merkwürdige Pressekonferenz der Offiziellen des FC Bayern von vor drei Wochen wirkt doch jetzt wie ein schlecht inszeniertes Ablenkungsmanöver, das in Vorahnung der (möglicherweise bereits angedrohten) Veröffentlichung der am Samstag bekannt gewordenen geheimen „Super-League“-Plänen auf den Plan gerufen wurde.

  • Robert Lewandowski (l.) gegen Real-Madrid-Torwart Keylor Navas - gibt es solche Gala-Duelle bald jede Woche? Die Pläne für die „Super League“ liegen längst in diversen Schubladen und wurde nun öffentlich © picture...

    Robert Lewandowski (l.) gegen Real-Madrid-Torwart Keylor Navas - gibt es solche Gala-Duelle bald jede Woche? Die Pläne für die „Super League“ liegen längst in diversen Schubladen und wurde nun öffentlich © picture alliance / Andreas Gebert/dpa

Sieht man sich - so ganz nüchtern betrachtet - mal die Entwicklung des (ehemaligen) Volkssports „Fußball“ weltweit an, so sind die nun öffentlich gewordenen Geheimpläne zur Privatisierung der europäischen Champions League eigentlich nur eine logische Folge dessen, was sich weltweit zusehends mehr abzeichnet. Und zwar nicht nur im Fußballsport, sondern in der gesamten Weltwirtschaft. Dort, wo bereits viel Geld im Spiel ist, wird es immer mehr – und dort, wo das Geld fehlt, fehlt es in immer größerem Umfang. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in allen Lebensbereichen zusehends größer, was massiven Einfluss auf die politische Situation in Europa, aber natürlich auch weltweit, hat. Der sogenannte „Rechtsruck“ ist allgegenwärtig!

Halb so wild

„Alles halb so wild. So lange ich Vorstand bei den Bayern bin, werden wir weder aus der Bundeliga noch aus der Champions League aussteigen“, wies FCB-Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge die Spiegel- und NDR-Veröffentlichungen, die von der „Football Leaks“-Plattform zugespielt wurden, ins Reich der Fabelwesen zurück, um gleich noch anzufügen, dass nach der gerade beschlossenen Reform der UEFA-Champions-League (die ebenfalls die Topteams noch reicher machen wird) ein Ausstieg auch gar keinen Sinn machen würde. Dazu nur so viel: Rummenigge wird aller Voraussicht nach nur noch maximal drei Jahre an der Spitze des FCB verweilen, und dann wird ihn das Thema sowieso nur noch privat (Achtung: Wortspiel!) interessieren.

Folgsamkeit

Außerdem finde ich schon, dass es Sinn macht, wenn sich - auf Basis von Geld- und Machtgeilheit - die europäischen Spitzenklubs aus Manchester, Madrid, Barcelona, München, London, Turin oder Paris in einer selbst organisierten, privatwirtschaftlichen Liga zusammenfinden würden, um ihren wirtschaftlichen Optimierungswahnsinn weiter voranzutreiben. Der blöde TV-Fußball-Junkie und die Werbewirtschaft werden nämlich brav folgen.

Super Liga

So denkt ganz sicher auch Bayerns Rechtsdirektor (bitte nicht politisch deuten!) Dr. Michael Gerlinger, der nicht nur laut „Football Leaks“ bereits seit einiger Zeit die vorbezeichnete „Privatisierung“ einer europäischen Superliga und bestenfalls auch den Ausstieg aus der Bundesliga als treibende Kraft der Münchner analysiert. Übrigens: Gerlinger hat vor den TV-Kameras nichts dementiert. Ist doch auch viel netter, wenn man sich nicht mehr mit den „minderbemittelten“ Freiburgs, Augsburgs oder Düsseldorfs herumschlagen (oder sich gar zwischendurch mal blamieren) muss, sondern unter seinesgleichen in der Schicki-Micki-Welt des Fußballs herumstolziert!

Zorn des Volkes

Sollen sie nur machen, diese Zerstörer des einstigen Volkssports. Der Zorn eben jenen „Volkes“ wird zurückschlagen und viel, viel massiver als heute punktuell schon gegen die weitere Kommerzialisierung vorgehen. Mit Kündigungen von Mitgliedschaften, Dauerkarten und TV-Abos, mit Spielboykotts und Pyroaktionen, die sich gewaschen haben. Und zwar völlig zu Recht, denn nur wenn massiv gegen diese Entwicklungen protestiert wird, wird sich vielleicht noch etwas abwenden lassen.

Schnöder Mammon

Viel zu lange wurde fast tatenlos dabei zugesehen wie Fußballverbände auf der ganzen Welt - die FIFA, die UEFA oder der DFB - mit Korruption, (Geld-) Schiebereien oder gekauften WM-Vergaben agieren konnten, TV-Gelder und Transfererlöse in astronomischen Höhen ansteigen konnten und die Reichen noch reicher machen. Die Folge ist bis in die fünften Ligen diesen Landes spürbar: Kaum ein Oberligist ist trotz sportlicher Qualifizierung noch in der Lage, sich für die nächsthöhere Spielklasse Regionalliga sportlich und wirtschaftlich konkurrenzfähig aufzustellen. Dort bestimmen dann nur allzu oft die Zweitvertretungen oder auch U21-Teams der Profiklubs die Szenerie, weil sie infrastrukturell eben auch professionelle Bedingungen zur Verfügung haben. Werfen Sie doch zum Spaß mal einen Blick auf die Spitzengruppe der Regionalliga Nord...

Anschluss verpasst

Das gilt natürlich auch für die Zweitligisten, die allerdings verlieren zunehmend wirtschaftlich den Anschluss an die Bundesliga. Das ist natürlich gleichbedeutend mit einer Vergrößerung des sportlichen Abstands. Nach einem Aufstieg den Kader so auszustatten, dass er die Klasse mit einer gewissen Garantie halten kann, ist nicht zu realisieren. Und auch für den Bestand in der obersten Spielklasse sind die Grenzen vorgezeichnet: Meister werden die Bayern oder vielleicht mal Dortmund. Dahinter folgen in auswechselbarer Reihenfolge die Investoren-Klubs Leipzig, Leverkusen, Hoffenheim und Hertha, sowie Gladbach und Schalke; die restlichen zehn Teams (Tendenz steigend) kämpfen um den Klassenerhalt. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Abwärtsspirale

Und woran liegt das? Das erwirtschaftete Geld (nicht nur) der Liga ist falsch verteilt. Wenn dieser Abwärtsspirale nicht ab sofort mit weitgreifenden Reformen Einhalt geboten wird, wird Fußball demnächst nur noch an der Konsole Menschen begeistern - natürlich nur, solange er dort finanzierbar bleibt. Es lebe der E-Sport...!

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