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"Die Wunden der Ermittler": Diese Jobs sind kaum zu ertragen

26.04.2019 - Welche seelischen Folgen hat der tägliche Umgang mit Gewalt und Verbrechen? Die Doku "Die Wunden der Ermittler" (29. April, 23.40 Uhr im Ersten) gibt Antworten.

Ein grauenvoller Moment. Der jun­ge Staatsanwalt Sebastian Busch­hoff wird ihn sein Leben lang nicht vergessen: Für einen Pro­zess in Berlin muss er der Obduktion eines Kindes beiwohnen. "Da lag ein etwa zehn­jähriges Mädchen mit weit aufgerissenen dunklen Augen" erinnert sich der heutige Pensionär. "Ein verzweifeltes ,Ich ersticke jetzt, war in ihnen zu sehen. Sie schienen mich direkt anzuschauen. Diese Augen gehen mir nicht mehr aus dem Sinn."

 

Albträume & Depressionen

Sebastian Buschhoff wird seitdem von Alb­träumen geplagt. Jetzt schildert der frühere Jurist dieses aufwühlende Erlebnis vor laufender Kamera für die aufrüttelnde Reportage "Die Wunden der Ermittler: Wie Verbrechen die Seele belasten". Die Journalistin Maryam Bonakdar geht darin der Frage nach, was es mit Men­schen macht, wenn sie von Berufswegen bei Polizei und Justiz täglich mit schwers­ten Straftaten und Todesfällen konfrontiert werden.

Die Reporterin konnte dafür zahl­reiche Gesprächspartner gewinnen. "Viele Polizisten und Staatsanwälte kommen lan­ge gut mit den besonderen Belastungen ihres Berufs klar,, sagt Maryam Bonakdar. "Doch es passiert immer wieder, dass ihre Bewältigungsstrategien plötzlich nicht mehr funktionieren und psychische Prob­leme entstehen. Welche das genau sind, hängt vom Einzelfall ab. Manche bekom­men Albträume oder Depressionen, an­dere trinken. Auch Probleme im Bereich der Sexualität kommen immer wieder vor."

 

Das ist nicht überraschend, schaut man sich etwa die Anforderungen an die Ermitt­ler im Bereich Kinderpornografie an. Pro Stunde sichten sie oft mehr als 3000 Bilder. Eine Studie im Auftrag des niedersäch­sischen Innenministeriums ergab: 86 Pro­zent der Befragten wissen nicht, wie sie die verstörenden Inhalte verkraften sollen.

 

Der Psychologe Knut Latscha von der Hochschule für Polizei Baden­ Württem­berg beschäftigt sich seit Jahren mit den psychischen Folgen der Ermittlerarbeit. "Am schlimmsten ist es für viele Beamte, wenn sie mit einem Fall beschäftigt sind, zu dem sie einen persönlichen Anknüp­fungspunkt haben", sagt er. "Etwa wenn sie selbst Kinder haben und einen Unfall untersuchen, bei dem Kinder unter den Opfern sind. Im ersten Moment können sie das vielleicht ausblenden und einfach ihren Job machen. Aber im Nachhinein kommen häufig die quälenden Fragen: Wie ist es mit meinen Kindern? Sind die sicher? Das kann dauerhafte Ängste erzeugen."

Orte des Schreckens

Es sind nicht nur die schweren Traumata, die ein Problem darstellen, weiß Latscha: "Ich kenne viele Fälle, bei denen die fort­währende Konfrontation mit Verbrechen die Menschen schleichend verändert hat. So berichtete mir ein Beamter von Ehe­problemen. Seine Frau warf ihm vor, dass sie nichts mehr gemeinsam unternehmen. Der Grund war: Der Mann hatte mit Todes­fallermittlungen zu tun, und an jedem Ort kamen die Erinnerungen zurück. Hier war der Erhängte, da war die Wasserleiche. Deshalb ging er in seiner Freizeit irgend­wann am liebsten gar nicht mehr vor die Tür.

 

"Wie viele Polizisten und Staatsanwäl­te von solchen und anderen psychischen Problemen geplagt werden, ist nicht be­kannt. Große Studien gibt es nicht. "Es hat mich bei meiner Recherche für die Doku überrascht, wie verschlossen Polizei und Staatsanwaltschaft bei diesem Thema sind", sagt Maryam Bonakdar. "Zwar ha­ben einige Behördenleitungen das Pro­blem erkannt, und es gibt für Betroffene auch Hilfsangebote. Doch mir wurde häu­fig erzählt, dass Vorgesetzte nicht mal nachfragen, wie es ihren Mitarbeitern geht. Es muss ja nicht immer gleich ein lan­ges Problemgespräch sein. Mein Eindruck ist, dass viele Betroffene mit dem Gefühl leben, keine Anlaufstelle zu haben, nicht auf Verständnis zu stoßen. Da besteht Ver­besserungsbedarf, eine größere Offenheit ist nötig. Im Sinne der Prävention und im Sinne der Betroffenen."

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