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"Polizeiruf 110: Heimatliebe" - Hass auf beiden Seiten der Oder

22.08.2019 - Ein abgetrennter Finger, ein brennender Kuhstall, in dem die Tiere elendig verrecken, ein Junge, der seinen zusammengeschlagenen Vater qualvoll sterben sieht. Im "Polizeiruf 110: Heimatliebe" geht es hart zur Sache - auch in puncto rassistischer Vorurteile.

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		 © rbb/Oliver

    © rbb/Oliver Feist

Die Interessen internationaler Agrarkonzerne, Bodenspekulanten, Reichsbürger, enteigneter Adliger und die der polnischen Bauern - im "Polizeiruf 110: Heimatliebe" (Sonntag, 25. August, 20.15 Uhr, im Ersten) stoßen jede Menge entgegengesetzter Gesinnungen und Motive aufeinander.

 

Darum geht's im "Polizeiruf 110: Heimatliebe"

Mit so vielen Vorurteilen haben die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) nicht gerechnet. In einem Dorf in Deutschland weigert sich ein sogenannter Reichsbürger Steuern zu zahlen und kidnappt kurzerhand den Geldeintreiber. Einzig der Bürgermeister Roland von Seedow-Winterfeld (Hanns Zischler) kann die Lage entschärfen. Bei einem Einsatz in Polen wiederum wird Olga als deutsche Hure beschimpft. Selbst im deutsch-polnischem Kommissariat hat sie als alleinerziehende Mutter mit Diskriminierung zu kämpfen.

Auch beim Tod des Bauern Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz) deutet alles auf eine deutsch-polnische Auseinandersetzung hin: Sein 15-jähriger Sohn Tomasz (Joshio Marlon) musste zusehen, wie sein Vater zusammengeschlagen wurde und qualvoll starb. Die Täter sprachen Deutsch. Kurz zuvor musste bei einer Brandstiftung sämtliches Vieh der Familie im Stall dran glauben. Aber wer hat es auf den Bauernhof abgesehen? Internationale Agrarkonzerne, die von Deutschland aus Gewinn mit dem ertragreichen polnischen Boden machen wollen? Die deutsche Frau des Toten Jenny (Anna König) behauptet, es habe keinerlei Kontakt mit Bodenspekulanten gegeben. Unter Verdacht gerät der ältere Bruder des Opfers, Andrzej Sekula (Marcin Pietowski), der vom Vater als Hofbesitzer enterbt wurde.

 

Hintergrund 

Produzent Mario Krebs sagt zu den Hintergründen: "Nachdem große Agrarunternehmen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt die letzten Reste der ehemaligen LPGs übernommen und fusioniert haben, wird es für die industriell betriebene Landwirtschaft immer schwieriger, an große Flächen zu kommen. Neben Rumänien gerät Polen dadurch in den Fokus...Wer die öffentlichen Debatten in Polen verfolgt, stellt fest, dass mit der Angst Politik gemacht wird, 'die Deutschen' könnten über groß angelegten Landkauf in ihre 'alten Gebiete' zurückkehren."

Diese Schauspieler sind mit dabei

Der 14-Jährige Joshio Marlon (mit vollem Namen: Joshio Marlon Oenicke) gehört für uns zu den "18 unter 18 der besten Kinderdarsteller". Er spielte bereits 2016 eine Leiche im "Polizeiruf 110", stand neben Claire Danes in "Homeland", neben August Diehl in "En Mai fais ce qu’il te plait" und neben Emma Thompson in "Jeder stirbt für sich allein" vor der Kamera. Außerdem war er in "Der Polizist, der Mord und das Kind" und in der Netflix-Serie "Dark" zu sehen.

Hanns Zischler stand schon für Wim Wenders, Peter Handke, Peter Lilienthal und Rudolf Thome vor der Kamera. Auch in Steven Spielbergs Drama "München" (2005) hielt er eine Hauptrolle inne. Der 72-Jährige war schon in knapp 200 Filmen zu sehen.

 

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Wie es der Titel dieser Folge anspricht, geht es um Heimatliebe und Heimatverbundenheit. Polnische Bauern, die trotz Gewinnaussichten ihrem Land treu bleiben wollen und es nicht verkaufen. Reichsbürger, die die deutsch-polnische Grenze nicht anerkennen und ihr Hab und Gut bis aufs Messer verteidigen. Hass und Angst auf allen Seiten und dazu viele kleine Nebenschauplätze und Zwischentöne, wie die Diskriminierung einer alleinerziehenden Mutter, deren Tochter im Kommissariat auf Beweismitteln malt. Das ganze ist dicht zu einem großartigem Ganzen miteinander verwoben. Die spannenden, wenngleich auch extremen Charaktere und ihre teils fragwürdigen Gesinnungen, geben diesem Fall die Tiefe.

Es menschelt und fühlt sich authentisch und bewegend an. Nebenbei werden noch dunkle Passagen der deutsch-polnischen Geschichte aufgezeigt, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen. Dieser "Polizeiruf" ist brillant aufgelöst und erstklassig inszeniert. Kurzum ein gelungener Krimi.

 

 

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