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„Stumme Schreie“: Aufrüttelnder TV-Film über Kindesmissbrauch

15.11.2019 - Der TV-Film „Stumme Schreie“ und die anschließende Doku „Tatort Kinderzimmer“ zeigen, wie die Schwächsten zu Opfern werden.

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		Rechtsmediziner Bremer (Juergen Maurer) und die junge Ärztin Jana (Natalia Belitski) sind mit mehreren misshandelten Kindern konfrontiert. © ZDF / Britta

    Rechtsmediziner Bremer (Juergen Maurer) und die junge Ärztin Jana (Natalia Belitski) sind mit mehreren misshandelten Kindern konfrontiert. © ZDF / Britta Krehl

In Deutschland werden Woche für Woche 80 Kinder misshandelt. Zwei bis drei Kinder sterben pro Woche an den Folgen von Gewalt. Das TV-Drama "Stumme Schreie" (18. November, 20.15 Uhr, ZDF) behandelt das heikle Thema sensibel und erschütternd.

Darum geht's in „Stumme Schreie“

 

Das Hemd ist frisch gebügelt, die Haare sind akkurat geschnitten. Doch der geschundene Körper des kleinen Paul erzählt eine ganz andere Geschichte. Sein Rücken ist übersät mit blauen Flecken, die verbrannte Hand tiefrot. „Versehentlich auf die Herdplatte gelegt“, erklärt der Junge.

Prof. Bremer (Juergen Maurer) und Assistenzärztin Jana (stark: Natalia Belitski) sehen sofort, dass Paul misshandelt wurde. „Das ist ein Kalender der Gewalt!“ So drastisch deutet der Leiter der Berliner Rechtsmedizin die Hämatome am Körper von Paul. Jana ist entsetzt. Kurz darauf stirbt bei einem anderen Fall ein Baby an den Folgen eines Schütteltraumas. Als der Täter mit seinen Lügen durchkommt, ermittelt Jana auf eigene Faust.

 

Realistische Fälle

 

Der TV-Film „Stumme Schreie“ entwickelt eine stille Wucht, die lange nachhallt. „Die Einmischung der Ärztin ist fiktiv, aber die Fälle und Gegebenheiten sind realistisch“, erklärt Michael Tsokos, Leiter der Rechtsmedizin an der Charité Berlin und Bestseller-Autor. Auf seinem Sachbuch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ (Knaur, 256 S., 9,99 €) beruht der Film.

 

Der Mediziner erinnert sich an das reale Vorbild für Paul: „Sogar die Nägel waren verbrannt. Das passiert nur, wenn jemand die Hand von oben auf die Herdplatte drückt. Auch das Schütteltrauma ist eine häufige schwere Verletzung von Säuglingen. Ein Fünftel stirbt, viele bleiben blind, taub oder haben andere Schäden.“

 

200.000 Opfer pro Jahr

 

136 Kinder kamen 2018 hierzulande gewaltsam zu Tode. Warum schlagen Erwachsene überhaupt zu? Tsokos: „Ich halte Überforderung gestresster Eltern für die Hauptursache – quer durch alle Schichten.“ 2018 wurden 4180 Fälle von Kindesmisshandlung aktenkundig. Die geschätzte Dunkelziffer liegt bei 200.000 Opfern pro Jahr.

 

Warum kann der Staat die Schwächsten nicht schützen? „Nirgends wird so viel gelogen wie bei Kindesmisshandlungen“, sagt Tsokos. „Das Problem ist komplex, die Beweislage schwierig. Zudem unterliegen Kinderärzte der Schweigepflicht. Sie müssen Misshandlungen nicht melden. Soziale Träger, die die Familien betreuen, sind abhängig von den Aufträgen des Jugendamts und zögern deshalb vielleicht mit einer Anzeige.“

 

Michael Tsokos setzt vor allem auf Hilfe für Familien. Etwa durch mehr Kinderschutzzentren an Krankenhäusern, an denen Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter Hand in Hand arbeiten. Allein in Berlin gibt es inzwischen fünf solcher Einrichtungen.

Die Doku „Tatort Kinderzimmer“ im Anschluss fragt, welche Maßnahmen ergriffen werden, um Kinder zu schützen und Täter zu stellen. Zu Wort kommen Rechtsmediziner, Kinderschützer und Sozialarbeiter.

 

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