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"Tatort: Borowski und das Glück der Anderen"– von Sozialneid zerfressene Nachbarn

22.02.2019 - "Borowski und das Glück der Anderen" (3. 3., 20.15 Uhr im Ersten) - ungewohnt viel Situationskomik, skurrile Charaktere und Sozialneid im Kieler "Tatort".

Schon wieder zeigt die ARD Mut zum Neuen - und das ist gut so! Zum dritten Mal in Folge präsentiert der Sender am Sonntagabend ein "Tatort"-Highlight. Erst zeigte er den zwar sehr polarisierenden, aber von den Fans gefeierten Ausnahme-Fall "Murot und das Murmeltier", in dem der Kommissar denselben Tag in Dauerschleife erleben muss.

Eine Woche später dann der aus Bayreuth sehr nervenaufreibende und wahrscheinlich beste "Tatort" 2019 "Ein Tag wie jeder andere". Und jetzt zeigt sich auch der Kieler "Tatort" von einer neuen Seite. Dafür hat er ebenso, wie seine beiden Vorgänger, die Bestnote von fünf Kameras von uns verdient.

Darum geht's im "Tatort: Borowski und das Glück der Anderen"

Rumms – steuert Supermarktkassiererin Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) den Rasenmäher über die gesamte Einrichtung. Gardinen reißen, der Glastisch splittert und der Fernseher wird kurzerhand in seine Bestandsteile aufgelöst.

Rückblende: Peggy beobachtet, wie sich ihre vermögenden Nachbarn Victoria (Sarah Hostettler) und Thomas Dell (Volkram Zschiesche) bei der Ziehung der Lottozahlen plötzlich vor Freude in den Armen liegen. Sie köpfen einen Sekt. Peggys Neid steigt ins Unermessliche. Haben die Dells tatsächlich den Millionen-Jackpot gewonnen?

Getrieben von ihrer Eifersucht bricht Peggy bei den Nachbarn auf der Suche nach dem Lottoschein ein. Als sie dabei von Thomas überrascht wird, fallen Schüsse. Wenig später findet die Ehefrau ihren Mann blutüberströmt und sterbend vor. Als die Kommissare am Tatort eintreffen, scheint der Fall für Mila Sahin (Almila Bagriacik) klar: Victoria hat ihren Mann umgebracht. Axel Milberg (Klaus Borowski) hingegen glaubt nicht an eine Beziehungstat. Bei Peggy und ihrem Mann Micha (Aljoscha Stadelmann) liegen derweil Freud und Leid dicht beieinander. Doch dann bekommt Peggy kurzerhand einen Wutausbruch und greift zum Rasenmäher.

 

Hintergrund

Von der neuen Kommissarin Mila Sahin (Almila Bagriacik) wird auch in ihrer zweiten Folge noch nicht allzu viel verraten. Sie kommt mit einem blauem Auge zur Arbeit. Auf die Frage, von wem sie geschlagen worden sei, antwortet sie nur knapp: "Von privat!" Dennoch nähern sich Burowski und sie weiterhin an und wachsen langsam als Team zusammen. 

Almila Bagriacik sagt zum aktuellem Fall: "Neid ist leider ein Gefühl, das ich in unserer Gesellschaft sehr häufig beobachte. In der Türkei wird Neid auch als Auge bezeichnet, weil man das, was man sieht, dem Anderen nicht gönnt und man daran glaubt, dass neidische Augen einem das Glück kaputt machen können."

 

Axel Milberg ergänzt: "Wer gibt es aber zu, dass er neidisch ist? Die ganze kapitalistische Ordnung basiert auf Konsum und Wettkampf. Wie soll da nicht der Neid eine zentrale Rolle spielen? Die Glücksberater sagen, vergleiche dich nicht!"

Katrin Wichmann (40, Rolle Peggy) spielte u.a. schon in "Jenseits" (2000), "Der Tatortreiniger" (2016), "Tatort: Amour Fou" (2016) und "Extraklasse" (2018) mit. Sie ist neben ihren Auftritten vor der Kamera in erster Linie aber als Theaterschauspielerin aktiv. An der Rolle der Peggy reizte sie der Kontrast: "Ich fand es reizvoll, dass Peggy nicht als eine schlecht gelaunte, total frustrierte und unglückliche Frau dargestellt wird, sondern ich sie als einen Menschen spielen konnte, der auch liebevoll und herzlich ist, den man versteht und auch irgendwie mag, der sich aber komplett verzettelt, weil er falsche Entscheidungen trifft und absolut schlimme Dinge tut."

In der Rolle ihres Mannes ist Aljoscha Stadelmann (45) zu sehen. Der Schauspieler hat bereits seinen vierten "Harter Brocken"-Krimi abgedreht, der voraussichtlich noch dieses Jahr in der ARD laufen wird. Den Schauspieler, den man u.a. aus "Bella Block" kennt, spielte zuvor schon in sechs verschiedenen "Tatorten" mit.

 

Filmkritik

Schon Aristoteles (384–322 v. Chr.) begab sich auf die Suche nach der Definition von Glück. Und auch heute beschäftigt die Menschen, die Frage, was glücklich macht. Die unterschiedlichen Antworten der skurrilen und etwas überzeichneten, aber dennoch glaubwürdigen Charaktere dieses "Tatortes", machen diese Folge so sehenswert. Da ist die Supermarktkassiererin, die leidet, weil sie offensichtlich nie wahrgenommen wird, ihr Mann, der mit einem Bier und seinem Leben so im Einklang ist und da sind die Nachbarn, die sich über andere erheben. Eine weitere Verkäuferin erfüllt es schon voller Freude lauthals Helene Fischers "Herzbeben" zu singen und dazu ihre üppigen Rundungen zu schwingen.

 

Ihnen allen beim Alltag zu zu gucken, macht großen Spaß, zumal die Schauspieler, die sie verkörpern, erstklassig gewählt sind. Die Mischung aus Tragödie, Humor und Wahnsinn ist so exzellent gelungen, dass der Film nie ins Klischeehafte abrutscht. Besonders der Wortwitz, die, für den Kieler Tatort ungewohnte Situationskomik und das gelungene Timing lockern diese eigentlich schwere Thematik von Neid und Missgunst auf.

Wie schon im "Tatort: Borowski und der stille Gast" liefert Drehbuchautor Sascha Arango keine klassische Mörderjagd, sondern taucht in eine Milieustudie ein, die zwar überspitzt, aber trotzdem wahrhaftig und hervorragend von Andreas Kleinert inszeniert ist.

 

 

 

 

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