Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

"Tatort: Das Leben nach dem Tod" - Einsam verwest in Berlin

08.11.2019 - Einsamkeit im Alter, Todesstrafe in der DDR, Entmietung per Mord - der "Tatort: Das Leben nach dem Tod" (Sonntag, 10. November, 20.15 Uhr im Ersten) greift große Themen auf.

Vorab erst einmal eine Warnung: Bitte auf keinen Fall die Reste des Abendbrotes noch während des zehnten Rubin-Karow-"Tatortes" verzehren. Und Knabberkram kann sich der Zuschauer beim Gucken auch sparen. Denn nicht nur die vielen Würmer, Fliegen und Aasfresser verderben einem gleich zu Beginn den Appetit, auch die brutale Kaltblütigkeit der Täter schlägt einem auf den Magen. Doch wer jetzt ausschaltet, verpasst etwas: Denn nach den ersten zehn Minuten verzichtet der Fall zusehends auf Effekthascherei und rollt ein interessantes Stück DDR-Geschichte auf.

 

Darum geht's im "Tatort: Das Leben nach dem Tod"

Die jungen Mädchen Ana (Elina Vildanova) und Magda (Amira Demirkiran) beobachten Gerd Böhnke (Otto Mellies). Sie halten dem alten, gebrechlichem Mann die Tür auf, nur um ihn dann in seine Wohnung zu folgen und ihn hinterrücks zu überfallen.

Acht Wochen später entdeckt Kriminalhauptkommissar Robert Karow (Mark Waschke), dass er wochenlang neben einer Leiche gehaust hat. Seine Vermieterin Petra Olschewski (Karin Neuhäuser) möchte die Spuren der Verwesung vom Hausmeister Hajo Holzkamp (Christian Kuchenbuch) schnellstmöglich beseitigen lassen. Für sie ist das Routine: "Zum Glück sind Blut und Darminhalt nicht in den Estrich gesickert, dann hätten wir ein richtiges Problem."

 

Als Karow sich ungefragt die Wohnung anguckt, lässt er sie sofort zum Tatort erklären. Die Beine des Toten waren akkurat gespreizt und per Frischluftzufuhr wurde der Leichengestank fachmännisch reduziert. Die neue Gerichtsmedizinerin (Cynthia Micas) stellt tatsächlich einen Genickschuss fest. Hinter einer Wand entdecken Nina Rubin (Meret Becker) und Karow einen Ausweis, der beweist, dass der Tote eine weitere Identität hatte: Scheinbar war er ein in der DDR zu Tode verurteilter, dreifacher Mörder.

 

Hintergrund

Hier beleuchtet der Fall die Geschichte der Todesstrafe in Ostdeutschland, genauer gesagt, die Kontroverse zwischen der im DDR-Recht verankerten Todesstrafe und dem politischen Wunsch, in die UNO aufgenommen zu werden.

Drehbuchautorin Sarah Schnier sagt zu der Geschichte: "Berlin als Stadt zeichnet die Vielfalt aus – hier kann jeder seine Nische und seine Szene finden – aber es gibt eben auch wenig Verbindendes...Nirgendwo in Deutschland leben und sterben so viele Menschen alleine wie in Berlin. Das hat mich beschäftigt. Was passiert, wenn ein Mensch inmitten dieser Millionenstadt verstirbt, so einsam, dass er nicht einmal als vermisst gemeldet und erst nach Wochen aufgefunden wird? Das wollte ich gerne erzählen."

Im neunten Rubin-Karow-"Tatort: Der gute Weg"  hat der Selbstmord des Polizisten Harald Stracke (Peter Trabner) Rubin tief erschüttert. Karow wiederum macht es zu schaffen, dass er wochenlang neben einem Toten gewohnt hat. Kein Wunder also, dass sie sich näher kommen und sogar gegenseitig trösten: "Sie klären Morde auf. Sie geben den Opfern ihre Ruhe. Sie sind die beste Polizistin, die ich kenne", sagt Karow zu Rubin, weil er merkt, dass sie mit ihrem Beruf überfordert scheint. Es folgt ein sehr intimer Moment.

Doch im wahren Leben wird Meret Becker im Jahr 2022 den Haupstadt-"Tatort" verlassen - die Abschiedsstimmung spürt der Zuschauer schon jetzt. Hoffentlich wird die nicht auf den elften Fall "Das perfekte Verbrechen", der bereits im Sommer abgedreht wurde, übertragen.

 

 

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Anfangs ruft der "Tatort" in einem einfach nur ein Kopfschütteln angesichts der Skrupellosigkeit der Täter hervor. Dazu die vielen Würmer - man möchte am liebsten gleich wieder ausschalten. Doch der Fall lohnt sich, denn er greift viele verschiedene Themen wie Einsamkeit, Wohnungsnotstand und Todesstrafe auf und verwebt die einzelnen Stränge nach geraumer Weile zu einem spannenden Ganzen. Dazu gibt es einen sehr coolen Twist.

Ganz klar, werden einige Zuschauer die Schnoddrigkeit von Becker und Waschke vermissen, doch die neue emotionale Verbindung gibt den Rollen eine Tiefe, die gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit ihren Platz verdient hat.

 

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren